Skandal-Parteitag in Warburg

Nach dem Rücktritts-Eklat: Wie es mit der NRW-AfD weitergeht

Vielleicht ein Kandidat für den Vorsitz der NRW-AfD: Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, verfolgt den Landesparteitag der nordrhein-westfälischen AfD.

Vielleicht ein Kandidat für den Vorsitz der NRW-AfD: Rüdiger Lucassen, verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, verfolgt den Landesparteitag der nordrhein-westfälischen AfD.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Warburg  Die meisten Vorstandsmitglieder werfen hin, der Parteitag endet früh im Streit. Ex-Vorsitzender Seifen kündigt nun einen "knallharten" Kampf an.

Nach dem Parteitag der AfD in Warburg, der am Wochenende in einem tiefen Zerwürfnis zwischen dem gemäßigten und dem rechtsnationalen, völkischen Lager endete, ist unklar, wie es mit der zerstrittenen Landespartei weitergeht. Kann ein Vorstand, der nur noch aus drei und nicht mehr aus zwölf Mitgliedern besteht, eine Partei monatelang führen? Darf er das überhaupt?

Mehrere Delegierte mutmaßen nach dem vorzeitigen Ende des Parteitags, dass nicht nur die "gemäßigten" Vorstandsmitglieder, die nach monatelangem Lager-Streit auf ihre Ämter verzichteten, künftig wenig Chancen auf Spitzenämter haben dürften, sondern auch jene Drei aus dem rechtsnationalen Flügel, die allen Rücktrittsforderungen zum Trotz an der Spitze einfach weitermachen: Thomas Röckemann, Christian Blex und Jürgen Spenrath. "Wer sich so an sein Amt klammert, hat keine Zukunft mehr in der Partei", sagten Beobachter.

Ex-Vorsitzender: "Der Flügel ist Gift für die Partei"

Helmut Seifen, der die NRW-AfD bisher mit seinem Rivalen Röckemann führte und aufs Amt verzichtete, ging am Sonntag gleich wieder in die Offensive und stellte klar, dass er weiter Mitglied der Partei bleibe. "Wir haben deutlich gemacht, dass Röckemann und Blex an ihren Stühlen kleben, unverantwortlich sind und der Partei schweren Schaden zufügen", sagte Seifen dieser Redaktion. Und weiter: "Der Flügel ist Gift für die Partei. Das Totalversagen seiner Anführer in NRW ist jetzt für das bürgerliche Lager sichtbar geworden."

Seifen hofft nun, dass das "bürgerliche Lager" in der AfD nun wach werde. Man müsse den "Flügel", die Anhänger des umstrittenen AfD-Landeschefs von Thüringen, Björn Höcke, "knallhart bekämpfen".

Ex-Oberst Lucassen könnte für Vorsitz kandidieren

Während sich die Konkurrenten Seifen und Röckemann weiter umkreisen, bringt sich als möglicher Kompromiss-Kandidat für den Vorsitz der Euskirchener Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen, ein früherer Oberst, ins Gespräch. Er möchte die Lager versöhnen, stünde aber nur als „Einzelspitze“ zur Verfügung, sagte er am Rande des Parteitags dieser Redaktion. Im Dezember, beim nächsten regulären Parteitag der NRW-AfD könnte Lucassen, der im Bundestag verteidigungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, nach der Parteiführung greifen.

"Ich fühle mich keinem Lager zugehörig und stehe für einen national-konservativen Kurs", sagte der 67-Jährige. Der persönliche Streit zwischen den Kontrahenten Röckemann und Seifen habe die Polarisierung innerhalb der Partei zuletzt noch weiter verschärft. Die betont nationalistische Ost-AfD sei nicht mit der AfD im Westen zu vergleichen, findet Lucassen. Die Nähe der "Flügel"-Leute Röckemann und Blex zum Thüringer Höcke scheint ihm suspekt zu sein. Landessprecher müssten das Wohl ihres Landesverbandes im Sinn haben und nichts anderes, so Lucassen.

Nächster Parteitag schon in drei Monaten?

Es scheint nicht einmal sicher zu sein, dass der nur noch dreiköpfige AfD-Landesvorstand tatsächlich bis Dezember im Amt bleiben darf. Beobachter weisen darauf hin, dass laut Satzung ein Parteitag spätestens nach drei Monaten einberufen werden müsse, wenn der Vorstand durch vorzeitiges Ausscheiden einzelner Mitglieder nur noch aus sechs oder weniger Personen bestehe.

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