Angriff auf Gotteshaus

Nach Halle – NRW verstärkt den Schutz von Synagogen

Polizisten gegenüber einer Synagoge in Dresden.

Polizisten gegenüber einer Synagoge in Dresden.

Foto: Robert Michael / dpa

An Rhein und Ruhr.  Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf macht AfD für Zunahme des Antisemitismus in Deutschland mitverantwortlich.

Nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle in Sachsen-Anhalt verstärkt das Land NRW die Schutzmaßnahmen vor jüdischen Gotteshäusern. Das teilte das Landesinnenministerium gegenüber unserer Redaktion mit. „Wir werden die Maßnahmen deutlich erhöhen und mehr Polizeikräfte zum Schutz der großen und bekannten Synagogen abstellen“, so ein Ministeriumssprecher.

In NRW gibt es größere jüdische Gemeinden mit Synagogen unter anderem in Düsseldorf, Köln, Duisburg, Münster, Aachen, Essen, Bochum und Wuppertal.

In Halle hatten mindestens zwei bewaffnete Täter in Kampfanzügen nach übereinstimmenden Medienberichten versucht in eine zu diesem Zeitpunkt wegen des jüdischen Feiertags Jom Kippur voll besetzte Synagoge einzudringen, was ihnen aber nicht gelang.

Sie erschossen aber zwei Menschen in der Nähe des Gotteshauses im Paulusviertel. Die Polizei vermeldete am Nachmittag eine Festnahme, offenbar sind aber ein oder mehrere Täter noch auf der Flucht. Die Hintergründe der Tat sind noch völlig unklar.

Szentei-Heise: Zivilgesellschaft stimmt Antisemitismus klammheimlich zu

Michael Szentei-Heise, der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf, sagte unserer Redaktion, dass die Gefahr antisemitisch motivierter Gewalt seit Jahren steige. Für die Zunahme des Antisemitismus macht er auch die AfD verantwortlich: „Sie bereitet mit ihren Worten den Nährboden. Aus schlechten Gedanken werden schlechte Worte, aus schlechten Worten werden schlechte Taten.“

Er höre nach Ereignissen wie denen in Halle immer wieder „tolle Sonntagsreden“, konkret geschehe aber zu wenig, so Szentei-Heise weiter. Er vermisse einen „Aufstand der Anständigen“, wie ihn der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder nach dem Anschlag auf die Synagoge in Düsseldorf im Oktober 2000 ausgerufen habe. Vor allem aber vermisse er „sichtbare Reaktionen aus der Zivilgesellschaft“.

Es schleiche sich bei ihm das Gefühl ein, „dass ein Großteil der Zivilgesellschaft dem wachsenden Antisemitismus klammheimlich zustimmt“.

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