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NRW-CDU verzichtet auf Scherbengericht über Röttgen

Norbert Röttgen muss sich bei der NRW-CDU keinem Scherben-Gericht stellen.

Norbert Röttgen muss sich bei der NRW-CDU keinem Scherben-Gericht stellen.

Foto: dapd

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Düsseldorf.Nach dem CDU-Desaster in NRW bleibt das erwartete Scherbengericht bei der Wahlnachlese der Kreisvorsitzenden aus. „Über die Schuldfrage sind wir hinaus“, stellt ein Rheinländer am Dienstagabend klar. In der Parteizentrale hat der zurückgetretene Landeschef Norbert Röttgen vorher offen Fehler eingeräumt. Die Frage, ob er in jedem Fall nach Düsseldorf wechsle, habe den Wahlkampf belastet.

Viele an der CDU-Basis sind wütend über den verkorksten Landtagswahlkampf und die schnelle „Doppelspitze“. Die rund 30 angereisten Kreischefs verzichten aber auf persönliche Anfeindungen und debattieren sachlich über die zahlreichen Pannen im Wahlkampf. Plakate, Kampagne und Themenauswahl werden kritisiert. Generalsekretär Oliver Wittke steht längst vor der Ablösung – die am Boden liegende Partei will wieder nach vorn blicken.

Mehrfach warnen Kreischefs vor einer Selbstzerfleischung der CDU. Nur Geschlossenheit führe aus der Depression. Gregor Golland aus dem Rhein-Erft-Kreis verlangt eine umfassende Wahlanalyse nach dem Landesparteitag Ende Juni.

Kritik an geplanter Doppelspitze Laumann/Laschet

Viele Kreischefs wie Theo Kruse aus Olpe hatten Probleme, die eigenen Leute im Wahlkampf zu motivieren, weil Röttgen sich nicht ohne Wenn und Aber auf NRW festgelegt hatte. Der Kreisvorsitzende aus Gelsenkirchen, Guido Tann, kritisiert vor Kameras, dass die Doppelspitze mit Armin Laschet (Partei) und Karl-Josef Laumann (Fraktion) ohne Rücksprache mit der Basis vereinbart wurde. Andere bemängeln, dass die alte Garde einfach durchrotiert und nicht zuerst die Fehleranalyse stand.

Der Landeschef der Jungen Union, Sven Volmering, fordert mehr junge Leute in der neuen Führungsmannschaft. Auch Jens Spahn vom Kreisverband Borken verlangt neue Gesichter im Landesvorstand. Bisher hat sich nur der Berliner Finanzstaatssekretär Steffen Kampeter (49) für den stellvertretenden CDU-Landesvorsitz beworben.

NRW-CDU will Laschet am 30. Juni als Landeschef wählen

Einzelne Kreischefs halten die geplante Doppelspitze in Partei und Fraktion für einen faulen Kompromiss. Hinter vorgehaltener Hand ist sogar von einer „Übergangslösung“ die Rede – in der Aussprache sagt das aber keiner. Die meisten sind froh, dass ein Hauen und Stechen zwischen Laumann und Laschet durch die Ämterteilung vermieden wurde. Eine Spaltung zwischen Rheinländern und Westfalen wäre der Super-Gau.

Bei der Vorstellung seiner Pläne lässt sich der künftige CDU-Landeschef Laschet nicht in die Karten schauen, wer neuer General werden soll. Laschet will die NRW-CDU wieder kampagnefähig machen und ihr mehr Wirtschaftsprofil verordnen. Gleichzeitig muss er die Kosten der mit vier Millionen Euro in der Kreide stehenden Landespartei senken. Auch die 54 Geschäftsstellen wird es treffen.

Auf einem Landesparteitag am 30.Juni in Krefeld will die NRW-CDU Laschet zum neuen Landeschef wählen. Die Kritik an der Wahlpleite macht die Basis an Norbert Röttgen fest. Der löst intern Unverständnis aus mit der Bemerkung, dass man für seine Überzeugungen auch mal eine Wahl verlieren dürfe. Mit 26 Prozent hat die NRW-CDU ihr historisches Tief erreicht.

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