Fußball

NRW fordert Haftstrafen für Fans, die Pyrotechnik abbrennen

In vielen Fankurven Alltag: Vor Spielbeginn und zur zweiten Halbzeit wird Pyrotechnik gezündet

In vielen Fankurven Alltag: Vor Spielbeginn und zur zweiten Halbzeit wird Pyrotechnik gezündet

Foto: Thomas Frey/dpa

Düsseldorf.   Innenminister Reul nennt Bengalos hochgefährlich. Er unterstützt einen Vorstoß aus Hessen: Wer im Stadion erwischt wird, soll ins Gefängnis.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) hat sich für eine Strafverschärfung beim Einsatz von Pyrotechnik in Fußballstadien ausgesprochen. „Pyrotechnik hat im Fußballstadion nichts zu suchen, denn sie ist hoch gefährlich. Wer sich über diese Regel hinwegsetzt, darf nicht einfach so davon kommen. Das muss Konsequenzen haben und härter bestraft werden“, sagte Reul unserer Redaktion.

Die Landesregierung werde sich bei der am Mittwoch beginnenden Innenminister-Konferenz in Magdeburg für eine Strafverschärfung einsetzen. Reul stellte sich damit hinter eine Initiative des hessischen Innen- und Sportministers Peter Beuth (CDU). Hessen will den Einsatz explosionsgefährlicher Stoffe in oder gegen Menschenmengen mit mindestens einem Jahr Haft ahnden. Dazu müsse das Sprengstoffgesetz entsprechend geändert werden, hatte Beuth angekündigt.

Reul nimmt auch die Vereine in die Pflicht

Bisher wird das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen nur als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld behandelt. Reul nahm zugleich die millionenschweren Bundesliga-Vereine in die Pflicht: „In einem ersten Schritt darf es den Chaoten aber gar nicht erst gelingen, mit der Pyrotechnik ins Stadion zu kommen. Die Vereine müssen strenger und besser kontrollieren.“

Zuletzt war es Ende Oktober beim Spiel zwischen dem BVB und Hertha BSC Berlin zu schweren Ausschreitungen gekommen. Das Einschreiten der Polizei, die ein Schutzbanner zum Zünden von Pyrotechnik einkassieren wollte, hatte den Berliner Fanblock provoziert.

Zahl der Verletzungen ist verschwindend gering

In der Saison 2017/18 wurden in den drei ersten Ligen insgesamt 879 Strafverfahren wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Das bedeutete im Vergleich zum Vorjahr einen nochmaligen Anstieg um mehr als 30 Prozent. Die Zahl der Verletzungen, die durch Pyrotechnik verursacht wird, ist jedoch verschwindend gering.

Die „Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze“ der Polizei sieht eine professionelle „Störerszene“ am Werk. So würden unter dem Schutz von Bannern insbesondere zu Beginn beider Spielhälften häufig koordiniert Pyrotechnik abgebrannt. Die der Ultraszene zugerechneten Fans nutzten zudem einheitliche Kleidung und seien durch Stadionkameras als Tatverdächtige nur in Einzelfällen zu identifizieren. Zudem gebe es eine Solidarisierung im Fan-Block, die den Zugriff durch Ordner oder Polizei erschwere.

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