Schulreform

NRW geht zurück zum Abitur nach neun Jahren

In Zukunft legen die Schüler in NRW das Abitur wieder nach 13 Schuljahren ab. Das Land brachte das entsprechende Gesetz jetzt auf den Weg. Foto:dpa

In Zukunft legen die Schüler in NRW das Abitur wieder nach 13 Schuljahren ab. Das Land brachte das entsprechende Gesetz jetzt auf den Weg. Foto:dpa

Düsseldorf.   NRW-Regierung beschließt Gesetz zur Einführung von G9. Ministerin: „Die Gymnasien können sich bald wieder aufs Unterrichten konzentrieren“.

Die Landesregierung hat den Weg für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) frei gemacht. Das umstrittene „Turbo-Abitur“ dürfte ab dem Schuljahr 2019/20 nur noch in wenigen Schulen in NRW angeboten werden. Ende März wird das Schulgesetz in den Landtag eingebracht, das Parlament könnte es noch vor den Sommerferien verabschieden, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Es handele sich um eines der wichtigsten Gesetzesvorhaben der schwarz-gelben Regierung. Nun könne endlich ein „Schlussstrich“ unter die jahrelange, oft emotionale Debatte gezogen werden, so Gebauer.

Leitentscheidung für G9

Das Abitur nach neun statt nach acht Jahren am Gymnasium soll in NRW wieder der Regelfall werden. Im Sommer 2019/20 starten damit jene Mädchen und Jungen, die zu diesem Zeitpunkt in den Klassen 5 und 6 sein werden. Ältere Schüler müssen das Abi noch nach acht Jahren am Gymnasium machen. Es handelt sich um eine „Leitentscheidung“, das heißt, alle öffentlichen Gymnasien im Land stellen grundsätzlich auf G9 um. Die Schulkonferenzen können aber einmalig mit Zweidrittelmehrheit den Verbleib bei G8 beschließen.

G9 nicht für alle

Lehrergewerkschaften, Kommunalen Spitzenverbände, Eltern- und Direktorenvereinigungen sind dafür, G9 flächendeckend ohne Ausnahme einzuführen. „Wir sind enttäuscht, dass die Landesregierung dieser Empfehlung nicht gefolgt ist“, sagte gestern Dorothea Schäfer, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Gebauer sagte, die Regierung halte sich an den Koalitionsvertrag. Dort heißt es, G9 wird durchgesetzt, G8 aber als Option erhalten. Die Fraktionen von CDU und FDP hätten sich gerade erst erneut dafür ausgesprochen, den Gymnasien die „größtmögliche Entscheidungsfreiheit“ zu geben.

Gebauer geht davon aus dass sich „mehr als 90 Prozent der Gymnasien“ nicht für G8 entscheiden werden. Freie Schulträger können selbstständig zwischen G8 oder G9 wählen. Schüler an G9-Gymnasien werden, wie bis zur Einführung von G8, am Ende der 10. Klasse an zentralen Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife teilnehmen.

Die zweite Fremdsprache

Die zweite Fremdsprache an Gymnasien – in der Regel Französisch oder Latein – beginnt künftig wohl wieder ab Klasse 7. Im bisherigen G8-Gymnasium müssen die Kinder schon ab Klasse sechs eine zweite Fremdsprache lernen. Der Philologenverband hätte die bisherige Praxis gern weitergeführt. Andere Gewerkschaften begrüßen den Wechsel. So früh eine weitere Fremdsprache zu erlernen, überfordere viele Schüler.

Lehrer gesucht

Die Umstellung erfordert die Neueinstellung vieler Lehrer. Mit rund 2200 zusätzlichen Stellen bis zur vollständigen Einführung von G9 rechnet die Landesregierung. Das ist ein Problem, denn schon heute herrscht Lehrermangel.

Kosten der Umstellung

Der Abschied vom „Turbo-Abi“ wird teuer, weil nicht nur mehr Lehrer benötigt werden, sondern auch mehr Räume. In Bayern kostet der Wechsel zwischen 350 und 500 Millionen Euro, in NRW dürften die Kosten eine halbe Milliarde Euro noch übersteigen. Die Ministerin versicherte, dass das Land sich als „fairer Partner“ der Städte erweisen werde. Kosten, die durch Landesgesetze entstünden, würden vom Land getragen. Gutachter ermittelten derzeit, wie viel Geld die Städte zusätzlich benötigten.

Die Details folgen

Fest steht bereits, dass bis zur Klasse 10 pro Woche 31 Stunden unterrichtet werden. Das ermöglicht einen Halbtagsbetrieb. In Kürze werden weitere Details präsentiert, etwa zu Lehrplänen und zur Gewichtung der Fächer.

Alle waren für G8

Die Schulzeitverkürzung mit „Turbo-Abitur“ nach nur acht Jahren Gymnasium war in NRW zum Schuljahr 2005/06 von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung eingeführt worden. Für G8 hatten sich alle Landtagsparteien ausgesprochen. Vor NRW sind bereits mehrere Bundesländer wieder ganz oder teilweise zu G9 zurückgekehrt, zuletzt Bayern.

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