Bildungsstudie

NRW-Viertklässler können beim Lesen nicht mithalten

Berlin/Düsseldorf.   Neuer Chancenspiegel der Bertelsmann-Stiftung: Kinder aus bildungsfernen und sozial schwachen Schichten haben es immer noch schwerer, einen guten Schulabschluss zu schaffen. Der Vergleich zeigt aber: In NRW machen mehr Schüler Abitur als in den meisten anderen Bundesländern.

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Weniger Sitzenbleiber, weniger Abgänger ohne Abschluss: In Nordrhein-Westfalen hat sich die Chancengerechtigkeit für Schüler leicht verbessert. Dies geht aus dem neuen Chancen-Spiegel der Bertelsmann-Stiftung hervor. Anhand der Schuljahre 2009/2010 bis 2011/2012 analysiert er, wie gerecht und leistungsstark die Schulsysteme in den 16 Bundesländern sind.

Nach wie vor sei der Schulerfolg vor allem von der sozialen Herkunft und Vorbildung der Eltern abhängig, sagte der Studienautor und Dortmunder Schulentwicklungsforscher Wilfried Bos und zog ein ernüchterndes Fazit: „Kein Land ist überall Spitze oder überall Schlusslicht, alle haben Nachholbedarf.“ Mit der Chancengleichheit gehe es im Schneckentempo voran, meinte Stiftungsvorstand Jörg Dräger und forderte mehr Investitionen in Ganztagsschulen.

Für NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) belegt die Bertelsmann-Studie, dass sich Bund und Länder vor allem um den Abbau „sozialer Barrieren“ im Schulbereich bemühen müssen. NRW sei mit dem Ausbau des Ganztags und den Schulen längeren gemeinsamen Lernens, die Bildungswege länger offenhalten, auf einem „guten Weg zu mehr Chancengerechtigkeit“. Die NRW-Ministerin forderte ein Ende des Kooperationsverbots, damit sich der Bund an wichtigen bildungspolitischen Vorhaben wie der Inklusion finanziell beteiligen kann.

Durchlässigkeit

In diesem Punkt landet NRW im Schlussfeld. So schafften im Schuljahr 2011/2012 nur 41,1 Prozent der Grundschüler den Sprung aufs Gymnasium. Bundesweit waren es 42,1 Prozent und in Hamburg sogar 52,1 Prozent. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW kritisierte, dass die Studie nicht den Anteil der Schüler misst, die auf eine Gesamtschule wechseln – und dort ebenfalls das Abitur machen können. Bei einem Wechsel der Schulart ging es für die meisten Schüler an Rhein und Ruhr derweil abwärts. Auf einen Wechsel auf eine höhere Schulform kamen 7,5 Abwärtswechsel. Bundesweit lag das Verhältnis bei den Siebt- bis Neuntklässlern bei 1 zu 4,2.

Für die Lehrergewerkschaft GEW ist das NRW-Ergebnis „inakzeptabel“. Immerhin mussten nur 2,3 Prozent der Sekundarstufenschüler eine Klasse wiederholen.

Hier nimmt NRW einen Spitzenplatz ein. 59,1 Prozent aller Schüler haben eine Berechtigung zum Studium erworben. Diesen Prozentsatz erreichte kein anderes Bundesland. Im Durchschnitt waren es 51,1 Prozent, wobei Schlusslicht Sachsen-Anhalt auf 36,8 Prozent kam. Bos sieht viel Luft nach oben. In Japan würden 90 Prozent der Schüler die Hochschulreife erwerben. Das wäre auch in Deutschland machbar, findet der Schulentwicklungsforscher. Der Deutsche Philologenverband hält dagegen, es komme darauf an, wer ein Studium auch durchzieht.

Schulabschlüsse

Der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss ist von 6,5 Prozent im Jahr 2009 auf 5,7 Prozent gesunken. Schlusslicht ist Mecklenburg-Vorpommern mit 13,3 Prozent.

Lesekompetenz

Gemessen an den Lesefähigkeiten der Viertklässler landete NRW mit 494 Punkten mit Ach und Krach im unteren Mittelfeld und unter dem Bundesschnitt von 498 Punkten. In Bayern erreichten die Schüler sogar 515 Punkte, Schlusslicht ist Bremen mit 463 Punkten.

Integration

NRW hat sich hier im Mittelfeld gehalten. Knapp jeder dritte Heranwachsende nutzte 2010 Ganztagsangebote. Allerdings ist der Anteil der Schüler, die man besonders fördern muss, leicht auf 6,6 Prozent gestiegen. Wie 2009 besuchten zuletzt 5,3 Prozent eine Förderschule. Weil andere Länder hier Fortschritte gemacht haben, liegt NRW nun in der Schlussgruppe.

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