Landesregierung

Regierungsberater spricht sich für „Muslimtag“ in NRW aus

Prof. Aladin El-Mafaalani berät das Land NRW beim Aufbau der Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement.

Prof. Aladin El-Mafaalani berät das Land NRW beim Aufbau der Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement.

Foto: SYSTEM / k_V

Düsseldorf.   Katholiken und evangelische Christen feiern Kirchentage. Warum sollten Muslime nicht einen „Muslimtag“ in NRW organisieren?, fragt ein Forscher.

NRW befeuert die Debatte um die Einführung eines deutschen „Muslimtages“ nach dem Vorbild der Kirchentage. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani, ein Berater von NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP), sprach sich am Montag für eine solche Veranstaltung aus, am besten gleich in NRW. „Es wäre eine Katastrophe, wenn der erste deutsche Muslimtag nicht in NRW stattfinden würde“, sagte der Professor wenige Tage nach dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund.

Stamp und El-Mafaalani stellten am Montag vor 200 Gästen auf einem Kongress in Düsseldorf die neue Koordinierungsstelle für muslimisches Engagement in NRW vor. Damit möchte das Land seinen Dialog mit den Muslimen künftig deutlich ausbauen und auch mit jenen Muslimen ins Gespräch kommen, die nicht den großen Islamverbänden angehören. „Es gibt nicht die Muslime. Kaum eine Bevölkerungsgruppe ist so divers wie die Muslime“, sagte El-Mafaalani, der zuletzt Abteilungsleiter im NRW-Integrationsministerium war und ab sofort Lehrstuhlinhaber an der Uni Osnabrück ist.

Aus der neuen Koordinierungsstelle könne eines Tages auch ein „Muslimtag“ hervorgehen. Die sei auch im Sinne von NRW-Integrationsminister Stamp, hieß es aus dessen Ministerium.

Minister Stamp: „Muslime gehören selbstverständlich zu Deutschland“

Die Landesregierung wollte mit dem Kongress „Muslimisches Engagement in NRW“ am Montag ein klares Zeichen setzen gegen Muslimfeindlichkeit und Menschenhass. Der 1. Juli ist der Tag gegen den antimuslimischen Rassismus. Vor genau zehn Jahren wurde in Dresden die schwangere Ägypterin Marwa el-Sherbini aus rassistischen Hass in einem Gerichtssaal ermordet. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp nannte es „eine Schande“, das der Rechtsstaat diese Frau nicht schützen konnte. „Muslime gehören selbstverständlich zu Deutschland und damit auch ihre Religion“, sagte Stamp auf dem Kongress.

Die steigende Zahl von Angriffen auf Muslime gebe Anlass zu größter Sorge, unterstrich der Minister. Solche Attacken zielten nicht nur auf die Muslime, sondern auf „die zentralen Werte unserer Gesellschaft und damit auf uns alle“. Professor El-Mafaalani sagte, die Muslime stünden hierzulande ständig unter Beobachtung. Das sei aber nicht nur negativ zu bewerten. Die muslimische Community stehe gerade „an der Schwelle vom Katzentisch zum richtigen Tisch“ und bekäme zum Glück immer mehr Möglichkeiten, dort mitzureden.

„Vor 200 Jahren war eine Frau als Regierungschef noch undenkbar“

Vor 30 Jahren hätte wohl keiner außerhalb der Community die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, mit Ja beantwortet. Das hat sich nach Einschätzung des Wissenschaftlers gründlich geändert. El-Mafaalani wies darauf hin, dass sich Gesellschaften weiter entwickeln könnten: „Hätte einer vor 200 Jahren gesagt, Regierungschef wird eine Frau, dann hätte man gesagt: Was will der Spinner?“

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