Schüler

Netphener Melvin Weiß Sieger im Bundeswettbewerb Mathematik

Melvin Weiß interessiert sich seit seiner Kindheit für mathematische Probleme.

Foto: Hendrik Schulz

Melvin Weiß interessiert sich seit seiner Kindheit für mathematische Probleme. Foto: Hendrik Schulz

Netphen.   Klausuren sind für den Gymnasiasten keine wirkliche Herausforderung mehr. Beim Einschulungstest konnte er als Kind schon Wurzel ziehen.

Als Melvin Weiß im Einschulungstest gefragt wurde, ob er schon Plus und Minus rechnen kann, antwortete er: „Ich kann die Wurzel ziehen.“ Im Alter von vier oder fünf Jahren fragte er seinen Opa, was diese Taste auf dem Taschenrechner bedeute. Und der erklärte es ihm. „Ich habe sehr viel gefragt“, sagt der 17-Jährige. Gerade hat Melvin den Bundeswettbewerb Mathematik für Schüler gewonnen. Er hatte zum ersten Mal teilgenommen.

So wirklich herausfordernd sind die Matheklausuren am Gymnasium Netphen nicht für ihn, sagt Melvin: Er stellt sich selbst kleine Herausforderungen. In zwei statt in drei Stunden abzugeben zum Beispiel. „Von mir hat er das nicht“, sagt seine Mutter Nicole Weiß. Negative Zahlen konnte sie Melvin als Kind noch anhand eines Thermometers erklären. Aber irgendwann musste sie aufgeben.

Im Wettbewerb hat Melvin zum Beispiel ein Konzept vorgestellt, das er selbst entdeckt hat. In der Mathematik gilt, dass die Summe unendlich vieler Zahlen nicht unbedingt unendlich groß sein muss. Einhalb plus ein Drittel plus ein Viertel – und so weiter – ist kleiner als Zwei. Weil die hinzuaddierten Brüche immer kleiner werden. Die Summe nähert sich zwei, erreicht sie aber nie. Die Limes-Funktion.

Kein Computer knackt die Lösung

Melvin Weiß hat ein Standardkriterium entdeckt, dass die Summe doch unendlich groß wird: Wenn man die unendlich lange Folge von zu addierenden Brüchen in Stücke unterteilt, stellt man fest, dass jedes größer ist als eine Konstante. Verstehen die wenigsten ganz. Der Autor dieser Zeilen eingeschlossen. Auch, wenn es streng logisch ist. Melvin vermutet, dass seine Prüfer beim Bundeswettbewerb erstmal testen mussten, ob seine Behauptung stimmt – und ob er das nicht irgendwoher geklaut hat. Was er nicht hat.

Jedenfalls überzeugte Melvin die Prüfer. Der Bundeswettbewerb ist so aufgebaut, dass die Teilnehmer zunächst Aufgaben per Post und mehrere Monate Zeit bekommen. Alle möglichen Hilfsmittel sind erlaubt. „Das sind Aufgaben, für die es keine Lösung im Netz gibt“, sagt Melvin. Ein Computer hilft ebenfalls nur bedingt weiter. Zum Beispiel: Ein regelmäßiges 35-Eck (was aussieht wie ein Kreis) hat 15 rot gefärbte Ecken. Man soll beweisen, dass im 35-Eck ein gleichschenkliges Dreieck mit roten Eckpunkten liegt.

Die Prüfer sind beeindruckt

In der zweiten Runde sind die Aufgaben wesentlich schwerer und die 30 bis 40 besten kommen schließlich in die Finalrunde, ein Kolloquiumsgespräch. Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie eine mündliche Abiturprüfung: Die Prüfer grillen den Prüfling, stellen ihn auf die Probe, wollen wissen, wie er mit Problemen umgeht, auf die er keine Antwort weiß. Melvin wollte über Folgen und Reihen sprechen, wurde aber über umständliche Definitionen ausgefragt. Die Prüfer kommen am Ende zusammen und diskutieren, wer das Zeug zum Bundessieger hat. Melvin hat seine Prüfer offenbar ziemlich beeindruckt. „Keine Ahnung, womit“, sagt er. „Man denkt immer, dass man sich noch nie so dumm gefühlt hat.“

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