Schulpolitik

Ministerin erwägt Rückkehr zur verbindlichen Schulempfehlung

Foto: Daniel Karmann / dpa

Düsseldorf.  Bald bekommen Viertklässler Empfehlungen für weiterführende Schulen. Verpflichtend sind sie für Eltern nicht. Aber sie könnten es wieder werden.

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Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat eine Rückkehr zur verbindlichen Empfehlung für Viertklässler beim Wechsel auf weiterführende Schulen ins Gespräch gebracht. Lehrer aller Schulformen hätten den entsprechenden Wunsch geäußert, sagte Gebauer der "Rheinischen Post" (Montag). Das sei gerade für eine Liberale zwar eine schwierige Entscheidung. "Ich muss die Wünsche der Schulen gegen das hohe Gut des Elternwillens abwägen." Wenn aber die Schulen einen solchen Wunsch äußerten, dann sollte die Landesregierung "darüber nachdenken dürfen".

Das verbindliche Grundschulgutachten war unter Rot-Grün 2011 abgeschafft worden. Zwar gibt es weiterhin förmliche Schulempfehlungen. Aber entscheidend bei der Wahl der Schulform ist seitdem der Elternwille. Seit 2011 stieg die Zahl der Schüler, die das Gymnasium zum Ende der Erprobungsstufe nach der sechsten Klasse verlassen, von knapp 2190 auf rund 2770 Abbrecher im Jahr 2016.Das Schulministerium verwies am Montag darauf, dass keinerlei Entscheidungen getroffen seien. Allerdings würden im Rahmen des sogenannten Masterplans zur Reform der Grundschulen alle Bereiche analysiert. Dazu gehörten auch die Schulempfehlungen. Der "Masterplan" soll dieses Jahr vorgelegt werden.

Im schwarz-gelben Koalitionsvertrag wird zumindest verklausuliert die Option für eine Stärkung der Position der Schulen angedeutet: "Wir wollen bei der Aufnahme der Schülerinnen und Schüler die Entscheidungsmöglichkeiten der Schulen aufgrund ihres Bildungsauftrags stärken", heißt es darin.

Bis 2006 hatten Eltern die freie Wahl

Bis 2006 konnten Eltern in NRW die Schulform ihrer Kinder frei entscheiden. Nach dem Amtsantritt der damaligen CDU/FDP-Regierung wurde die Verbindlichkeit des Grundschulgutachtens erhöht. Hatte das Kind beispielsweise nur eine eingeschränkte Empfehlung etwa fürs Gymnasium, gab es ein verpflichtendes Beratungsgespräch an der gewünschten Schule. Danach konnten die Eltern weiter frei entscheiden. Die Zahl der Abbrecher am Gymnasium nach der sechsten Klasse sank während der CDU/FDP-Regierungszeit von einem Höchststand von 3360 Schülern im Jahr 2007 auf knapp 2190 im Jahr 2011.

Der Grünen-Landesvorsitzende Felix Banaszak warnte vor einer Rückkehr zu verbindlichen Schulempfehlungen: "Stress und Leistungsdruck in den dritten und vierten Klassen würden noch größer", sagte er. Das sei auch nicht im Interesse der Grundschullehrer. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Dorothea Schäfer, sagte der "Rheinischen Post": Am Gymnasium scheitern keineswegs nur die Kinder, die keine Gymnasialempfehlung hatten." (dpa)

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