Schule

Mülheimer Schulleitung: Baum-Erhalt zu Lasten der Kinder

Neben der Grundschule Heinrichstraße steht ein Mammutbaum

Foto: Michael Dahlke

Neben der Grundschule Heinrichstraße steht ein Mammutbaum Foto: Michael Dahlke

Mülheim.   Der Mammumatbaum an einer Mülheimer Grundschule bleibt ein Thema. Der Schulleiter nannte es nun absurd und unfair, den Baum erhalten zu wollen.

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Ein Baum ist zum Stadtthema geworden: Kinder, Eltern, Lehrer, Anwohner, Pfarrer, Schulverwalter, Architekten, Landschaftsplaner, Baumschützer, Politiker – alle reden irgendwie mit. Auch in den sozialen Netzwerken geht die Diskussion zum Mammutbaum auf dem Schulgelände in Heißen weiter: Rettet den Baum! Plant den Neubau doch neu! Wahnwache! Denkt an die Bedürfnisse der Kinder! Am Dienstag, 6. Februar, trifft sich die Bezirksvertretung zu einer Sondersitzung – zur Entscheidung.

Die Zeit drängt: Wird der etwa 30 Meter hohe Baum nicht vor März gefällt, müssen die Neubaupläne an dieser Stelle zumindest bis November auf Eis gelegt werden. „Wir würden ein ganzes Jahr verlieren“, sagt Uwe Alex, Leiter des Schulverwaltungsamtes, und fügt hinzu: „Es wäre eine Katastrophe für die Schulplanung.“

Neubau soll abgebrannte Schulcontainer ersetzen

Der gewaltige Baum steht dort, wo der Neubau entstehen soll. Eine Alternative zum Neubau an der Stelle, der die 2015 abgebrannten Schulcontainer ersetzen soll, sieht Alex nicht. Und auch für den Schulleiter Martin Zeller geht die Debatte zu einer Änderung der Planungen in eine falsche Richtung. Die jetzige Planung des zweieinhalbgeschossigen Neubaus mit zwölf Räumen lasse sich räumlich nicht verändern, schon gar nicht in die Höhe, sagt Alex.

Die Schulleitung attestiert dem Architekten und der Schul- sowie der Immobilienverwaltung eine gute Arbeit. Der Neubau füge sich prima in das bestehende Gebäudeensemble auf dem Schulgrundstück ein. Um den Baum herum zu bauen, hält Zeller für absurd und die Forderung gegenüber allen Beteiligten für unfair. „Das ist ein Baum, der einfach nicht auf ein Schulgelände gehört.“ Eine erneute Planung des Neubaus würde 100.000 bis 150.000 Euro an Zusatzkosten verursachen und Fördergelder aus dem Programm „Gute Schule 2020“ gefährden, warnt Frank Buchwald, Leiter des städtischen Immobilienservices, vor Finanzpolitikern. Buchwald hält zudem die Schieflage für sehr bedenklich. „Stürzt der Baum beim Sturm um, könnte es Tote geben.“

Mammutbaum kann bis 80 Meter hoch werden, heißt es

Wer den Baum gepflanzt hat? Nicht bekannt. Er steht direkt neben einem Bungalow, in dem heute 65 Kinder eine verlässliche Betreuung bis 14 Uhr erhalten. Der Baum steht aber nicht nur sichtbar schief, er hat auch noch längst nicht sein höchstes Ausmaß erreicht. 80 Meter seien möglich, heißt es. Er soll weg, an anderer Stelle sollen dafür neue Bäume gepflanzt werden. So der Plan.

Bislang hatte sich die Schulleitung eher zurückgehalten. Am Montag ging Martin Zeller im Gespräch mit dieser Zeitung in die Offensive: 312 Kinder besuchen die Schule derzeit, Tendenz steigend. Doch es gehe, so Zeller, um weit mehr, es gehe um Hunderte von Schülern, die in den nächsten Jahren an der Schule lernen. „Wir platzen aus allen Nähten.“ In zwölf Klassen werden die Kinder unterrichtet, in jeder Klasse sitzen 25 bis 27 Schüler. Gegenüber 2010 ist die Schülerzahl um 80 Kinder angestiegen.

Offener Ganztag mit 60 Kindern aktuell im Keller

Drei OGS-Gruppen gibt es an der Schule, Bedarf gebe es für sechs. Doch der Platz fehlt. 60 Kinder und ihre Erzieher müssen jeden Tag für den Offenen Ganztag in den Keller gehen, weil sie woanders keinen Platz finden, berichtet Zeller. Wenig Tageslicht, wenig frische Luft – für den Schulleiter untragbare Zustände, die mit dem Neubau im Schuljahr 2019/2020 enden sollen. Mehr Raum für die Ganztagsbetreuung hieße auch, dass Eltern, die dringend auf eine Betreuung angewiesen sind, nicht länger vertröstet werden müssen. „Wir haben hier alleinerziehende Mütter, die um eine Betreuung betteln und die wir nicht berücksichtigen können“, sagt Zeller. Auch das gehöre zur Geschichte über den Baum.

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