Uni Duisburg-Essen

Uni Duisburg-Essen will Wissenschaft künftig besser erklären

Rund 42 000 Studenten sind mittlerweile an der Uni Duisburg-Essen eingeschrieben. Hier ein Bild von der Begrüßung der Erstsemester im Jahr 2016.

Foto: Michael Korte

Rund 42 000 Studenten sind mittlerweile an der Uni Duisburg-Essen eingeschrieben. Hier ein Bild von der Begrüßung der Erstsemester im Jahr 2016. Foto: Michael Korte

Essen.   Die Uni Duisburg-Essen schneidet einen Leitungsbereich neu zu: Das Prorektorat „Gesellschaftliche Verantwortung“ soll die Masse besser erreichen.

Mit einem neu zugeschnittenen Prorektorat antwortet die Uni Duisburg-Essen auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die man durchaus als „Anti-Intellektualismus“ bezeichnen kann: Die Hochschule will künftig jene gesellschaftlichen Schichten besser erreichen, die bislang für Wissenschaft und Expertenwissen kaum zu haben waren.

„Die Welt ist komplizierter geworden, für manche Menschen anscheinend zu kompliziert“, sagt Uni-Rektor Ulrich Radtke. „Populistische Vereinfacher nutzen dies aus. Wir sehen das an Wahl-Ergebnissen in Amerika oder Ungarn, oder auch an Phänomenen wie dem ,Brexit’. Das ist kein Vorwurf an die Bürger, doch auch als Hochschule müssen wir unsere Arbeit, das heißt, komplizierte Sachverhalte für die breite Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen, besser als bislang erklären.“

Uni Duisburg-Essen war Vorreiter

Die Uni Duisburg-Essen war vor rund zehn Jahren die erste Hochschule in Deutschland, die dem Thema „Diversity Management“ ein eigenes Prorektorat widmete. Das lag vor allem am Selbstverständnis der Hochschule, eine Uni für die Menschen der Region zu sein – der Umgang mit Vielfalt („Diversity Management“) gehörte letztendlich schon immer zum Ruhrgebiet. An der Uni Duisburg-Essen studieren seit den Gründungstagen der Hochschule signifikant mehr Kinder aus Arbeiterfamilien als woanders. Hinzugekommen ist ein großer Anteil an Studenten mit ausländischen Wurzeln. „Wir waren die ersten mit dem Thema ,Diversity Management’, blieben aber nicht die einzigen“, betont Rektor Radtke: „Viele Hochschulen sind uns nachgefolgt und haben erkannt, dass Diversität eine Chance bedeutet.“

Das neue Prorektorat soll ein „weiterer Schritt aus dem Elfenbeinturm sein, den es so ohnehin nicht mehr gibt“, sagt der Hochschulleiter. „In Zeiten des Internet finden viele Bürger eigene, einfache Wahrheiten und sind schneller dazu bereit, dasjenige als zu kompliziert abzutun, was ansatzweise mit Expertenwissen zu tun hat.“ Die Hochschulen müssten neue Formen der Kommunikation finden: „Wir senden nicht Wahrheiten, sondern müssen erklären, wie komplizierte Erkenntnisse entstehen. Erkenntnisse, die mit neuem Wissen wieder verbessert, oder sogar auch revidiert werden müssen – das ist Wissenschaft.“, sagt Radtke.

Mehr als ein neuer Name

Ab 1. April benennt die Uni Duisburg-Essen deshalb ihr bisheriges „Prorektorat für Diversity Management“ um in „Prorektorat für Gesellschaftliche Verantwortung“ – erstens. Zweitens: Das Prorektorat – ein Prorektorat ist so etwas wie ein Ministerium der Uni-Leitung – soll ausgebaut werden zur zentralen Anlaufstelle für alle Akteure der Region, die nicht Mitglied der Hochschule sind. Besonders jene Aktivitäten, die die Uni bereits unternommen hat in Sachen Unternehmensgründung und Bildungsgerechtigkeit, sollen unter dem Dach des neuen Prorektorats stärker gebündelt werden. „Wir fassen den Schirm weiter als bislang“, sagt Radtke.

Amerika-Forscherin übernimmt neues Prorektorat

Das bisherige Prorektorat wurde seit dem Jahr 2015 geleitet von der Sprachwissenschaftlerin Evelyn Ziegler. Das neue Prorektorat übernimmt die Amerikanistin Barbara Buchenau. Mit dem Start am 1. April beginnt übrigens die dritte Amtszeit von Ulrich Radtke. Der 62-Jährige leitet die Uni Duisburg-Essen seit dem Jahr 2008.

>>> VIER PROREKTORATE GIBT ES

Dem Rektor unterstellt sind vier Prorektorate, die ab 1. April so lauten: „Forschung, wissenschaftlicher Nachwuchs und Wissenstransfer“ wird geleitet von Dagmar Führer-Sakel.

„Studium und Lehre“ bleibt in der Leitung von Isabell van Ackeren; „Entwicklung und Ressourcen“ bei Thomas Spitzley. Neu: „Gesellschaftliche Verantwortung“ (Barbara Buchenau).

Mehr zum Thema
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik