Sekundarschule vor dem Scheitern

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Düsseldorf. Die vor vier Jahren in NRW eingeführte Schulform „Sekundarschule“ steht einer neuen Studie zufolge vor dem Scheitern. „Die Sekundarschule dürfte in unmittelbarer Konkurrenz zur Gesamtschule nicht überlebensfähig sein“, heißt es in der Untersuchung, die im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW erstellt wurde. Aus der Sicht von Eltern sei die Sekundarschule die schlechtere Wahl, weil sie anders als das Gymnasium und die Gesamtschule über keine eigene Oberstufe verfüge und man dort somit keine höheren Schulabschlüsse erwerben könne, erklären die Autoren der Studie, Marc Mulia und Peter Proff.

Sie machen die Existenzkrise der Sekundarschule unter anderem daran fest, dass im vergangenen Jahr nur noch jeder zweite Gründungsversuch erfolgreich gewesen sein soll. Hauptgrund: zu wenige Anmeldungen. Beantragt wurden der Studie zufolge zuletzt 16 dieser Schulen, es seien aber nur acht zustande gekommen. In den Jahren 2012 und 2013 gab es noch jeweils 42 Neugründungen von Sekundarschulen.

Drei von den insgesamt 117 in NRW eröffneten Sekundarschulen seien „stillschweigend“ zwischenzeitlich in Gesamtschulen umgewandelt worden: in Düsseldorf, Mechernich und Lohmar. Und den noch zu erwartenden fünf Neugründungen stehen nach Einschätzung der Forscher „mindestens neun, möglicherweise aber bis zu 30 Sekundarschulen gegenüber, die im Bestand gefährdet sind“. „Die Sekundarschule setzt sich überhaupt nicht durch“, sagte der Vorsitzende der Luxemburg-Stiftung NRW, Karl-Heinz Heinemann, dieser Zeitung.

Die Verfasser der Studie mit dem Titel „Fünf Jahre nach dem NRW-Schulkonsens“ sagen den Gymnasien und den Gesamtschulen im Land eine gute Zukunft voraus. Das Gymnasium werde die stärkste Schulform bleiben. Seit den 1970er-Jahren stieg die Übergangsquote zum Gymnasium von 24 Prozent auf 41 Prozent eines Jahrgangs. Die Gesamtschule dürfte ihren „zweiten Platz“ weiter ausbauen können. Auch die Realschulen werden „auf Dauer existieren“ können, heißt es.

Die Studie attestiert Nordrhein-Westfalen ein besonders „unübersichtliches“ Schulangebot. Mit der Einführung der Sekundarschule habe das Land bundesweit einen Sonderweg eingeschlagen. Die Mehrheit der Länder habe in den vergangenen Jahren die Zahl der Schulformen reduziert. In der Hälfte aller Bundesländer gebe es inzwischen sogar nur noch zwei Schulformen, nämlich das Gymnasium und eine weitere Schulform, teils mit, teils ohne eigene Oberstufe.

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