Kohleprotest

"Ende Gelände" beendet Blockade im Tagebau Garzweiler

Mehrere Aktivisten hatten einen Bagger im Tagebau Garzweiler besetzt. Spezialkräfte der Polizei holten sie dort herunter.

Mehrere Aktivisten hatten einen Bagger im Tagebau Garzweiler besetzt. Spezialkräfte der Polizei holten sie dort herunter.

Aachen/Erkelenz.   Das Aktionsbündnis "Ende Gelände" hat die Blockadeaktionen am Sonntagmittag für beendet erklärt. Aktivisten üben scharfe Kritik an der Polizei.

Das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ hat die Blockadeaktionen im Rheinischen Revier für beendet erklärt. „Wir haben dieses Wochenende Klima-Geschichte geschrieben“, schwärmte Sprecherin Nike Malhaus. Noch nie sei „die Bewegung so vielfältig und so entschlossen“ gewesen. Über 6000 Menschen hätten sich an den Aktionen beteiligt.

Die „Ende Gelände“-Sprecherin beklagte „massive Grundrechtseinschränkungen durch die Polizei“: Demonstranten seien stundenlang in der prallen Sonne auf dem Bahnhofsplatz festgehalten worden, nachdem die Polizei den Zugbetrieb dort einstellen ließ. Ihnen sei verwehrt worden, eine angemeldete Demonstrationsroute zu laufen.

Bei den Klimademonstrationen im rheinischen Braunkohlerevier war es im Tagebau Jackerath am Samstagabend zu versuchten Gefangenenbefreiungen gekommen. Die Polizei Aachen appellierte via Twitter an die Demonstranten, sich „besonnen und kooperativ“ zu verhalten und „Befreiungsversuche und Angriffe auf Beamte“ zu unterlassen. Die Polizei Aachen teilte mit, dass es mehrere Ingewahrsamnahmen gegeben habe.

In den Tagebau hinabgestiegen

Am Samstag waren hunderte Aktivisten des Bündnisses „Ende Gelände“ in den Tagebau Garzweiler gestürmt. Dabei sind laut einer am Samstagabend veröffentlichten Zwischenbilanz acht Polizistinnen und Polizisten verletzt worden. Die Aktivisten hatten sich der Demo der Jugendbewegung „Fridays For Future“ angeschlossen, die am Abbaugelände entlang von Hochneukirch nach Keyenberg führte. Eine Gruppe von Personen hatte dann aus dem Aufzug, der vom Gut Aspernschlag in Richtung Kraftwerk Niederaußem unterwegs war, eine Polizeikette durchbrochen und war in den Tagebau gestürmt. Eine größere Gruppe Protestler gelangte direkt an die Abraumkante, einzelne Demonstranten konnten auch in den Tagebau hinabsteigen. Dort wurden sie allerdings sofort von der Polizei festgesetzt.

Bei der Räumung des Tagebaus Garzweiler soll es am Abend und in der Nacht zu teils massiven Widerstandshandlungen gekommen sein. In der Spitze sollen „über 1000 Demonstranten“ in der Grube gewesen sein. Spezielle Höheneinsatzkräfte der Polizei haben offenbar auch die Besetzung eines Baggers beendet. Ein RWE-Sprecher berichtete auf Nachfrage dieser Redaktion, dass „fünf bis sieben Demonstranten“ bei der Besetzung des sogenannten Absetzers bis auf dessen Pylone geklettert seien. Damit dürften sich diese wohl in einer Höhe von etwa 56 Meter befunden haben. Die Höhenkräfte der Polizei kamen offenbar auch an anderer Stelle zum Einsatz. Wie der RWE-Sprecher berichtete, soll eine Gruppe von Demonstranten beim Abstieg in der Tagebauböschung „steckengeblieben“ sein. Die Gruppe habe weder vor noch zurückgekonnt und musste gerettet werden.

Garzweiler: Demonstranten im Tagebau
Garzweiler: Demonstranten im Tagebau

Am Sonntagmorgen hatte sich die Lage nach Angaben einer Polizeisprecherin beruhigt. Die Blockade der Hambach-Bahn sei beendet, die Personen dort hätten die Gleise verlassen. Und mit den Demonstranten, die seit dem frühen Freitagabend die Gleise zwischen den Kraftwerken Neurath und Niederaussem blockierten, liefen Gespräche.

Unterdessen hat das Aktionsbündnis „Ende Gelände“ bereits eine Zwischenbilanz gezogen: Eine Sprecherin bezeichnete die Aktionen an diesem Wochenende im Rheinischen Revier als „grandiosen Erfolg“. Sie kündigte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter für die Zukunft weitere Aktionen an.

8000 Menschen bei Demonstrationen

„Ein Werksgelände stillzulegen, ist nicht gedeckt durch Versammlungs- oder Meinungsfreiheit“, sagte Michael Mertens, Landeschef der Gewerkschaft (GdP), zum „Ende Gelände“-Sturm auf den Tagebau Garzweiler. Gleiches gelte für die Gleisblockaden bei den Kraftwerken und im Bereich Hambach. Die Lage sei komplett anders als bei der friedlichen „Fridays For Future“-Demo in Aachen.

Parallel dazu gab es am Samstag Demonstrationen im Rheinischen Revier an denen sich, laut Organisatoren, 8000 Menschen beteiligten. Ein Umzug der „Fridays for Future“-Bewegung verlief von Hochneukirch nach Keyenberg. Hunderte kamen bei einer Fahrraddemo von Erkelenz aus ebenfalls dorthin. Den Aktionstag hatten der BUND, Campact, Greenpeace, Naturfreunde sowie die Initiative „Alle Dörfer bleiben“ organisiert.

Forderungen des BUND

„Es muss endlich Ernst gemacht werden mit dem Kohleausstieg“, fordert Hubert Weiger im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Bundesvorsitzende des Umweltverbandes BUND (rund 640.000 Mitglieder und Förderer) war am Samstag einer der Redner im Rheinischen Revier und beklagte ein „Jahrzehnt des Stillstandes beim Klimaschutz in Deutschland“. Für Weiger steht fest: „Die dreckigsten Braunkohlekraftwerke müssen jetzt schnell vom Netz – und die stehen im Rheinischen Revier.“ (mit dpa)

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