Ukraine-Krieg

Putin attackiert die Ukraine erneut mit Drohnen und Raketen

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Selenskyj: "Die Besatzer können uns nicht besiegen"

Selenskyj: "Die Besatzer können uns nicht besiegen"

Nach den massiven russischen Raketenangriffen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj versichert, die Infrastruktur so schnell wie möglich wieder aufzubauen. Russland tue das, weil "sie uns nicht auf dem Schlachtfeld besiegen können", sagte Selenskyj.

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Berlin   Russland überzieht die Ukraine mit Luftschlägen. Ist das noch Vergeltung oder schon der Start einer neuen Strategie im Ukraine-Krieg?

Luftalarm gehört wieder zum Alltag in der Ukraine – wie zu Beginn des Krieges. Im zweiten Tag in Folge wurde das Land mit Raketen und Kampfdrohnen beschossen. Angriffe werden unter anderem aus Saporischschja, Kiew, Chmelnyzkyj und Dnipropetrowsk gemeldet.

Bei den Attacken starben landesweit bisher 19 Menschen, über 100 wurden verletzt. Im Vergleich zum Vortag ließ die Intensität der Luftschläge etwas nach. Unklar ist, ob Kremlchef Wladimir Putin die Bombardements "nur" als Vergeltung für die Teilzerstörung der Brücke zur Krim sieht oder ob sie vielmehr eine neue Strategie im Ukraine-Krieg einleiten.

Ukraine-Krieg: Ist der Raketenangriff ein Ablenkungsmanöver?

Dafür spricht, dass er so eine Zeitlang vom militärischen Hauptproblem ablenken kann, genug Soldaten und Ausrüstung an die Front zu schicken. Ebenfalls in den Hintergrund gerät, dass die ukrainischen Truppen an der eigentlichen Front erfolgreich sind und schätzungsweise mehr als 200 Quadratkilometer Territorium allein im Westen der Oblast Luhansk befreit haben.

Zudem versetzt er die ukrainische Bevölkerung in Angst und Schrecken. Es gibt keinen Ort in der Ukraine, der vor russischen Raketen sicher ist. Auch werden die Angriffe ein Treiber für neue Fluchtbewegungen Richtung Westeuropa sein. Nicht zuletzt punktet Putin bei den Hardlinern in Moskau, die seit Wochen mehr Härte anmahnen.

Ukraine-Krieg: Russland könnte die Munition ausgehen

Dagegen spricht, dass Russland nach Analyse des britischen Geheimdienstes langsam die Munition ausgeht. Es stellt sich die Frage der Durchhaltefähigkeit. Dagegen spricht auch, dass die ukrainische Luftverteidigung nicht erfolglos war. Allein am Montag schoss nach Erkenntnissen des US-Instituts for the Study of War 43 Marschflugkörper und mehr als ein Dutzend Drohnen ab.

Ukrainische Medien berichteten, dass die Raketenangriffe gleichwohl 70 Ziele getroffen haben, darunter 29 kritische Infrastruktureinrichtungen, vier Hochhäuser, 35 Wohngebäude und eine Schule. Der Einsatz von Präzisionswaffen teilweise gegen zivile Ziele dürfte sich freilich rächen. Sie werden in der originären militärischen Auseinandersetzung dann fehlen.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Die Raketenangriffe auf Großstädte sind nach Ansicht der US-Regierung vermutlich vor längerer Zeit vorbereitet worden. "Wahrscheinlich hatten sie das vor geraumer Zeit geplant“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates, John Kirby, am Montag (Ortszeit) dem Sender CNN.

Doch sei es möglich, dass die Explosion auf der Krim-Brücke einige Planungen beschleunigt haben könnte. Er bekräftigte, Washington habe keine Hinweise darauf, dass Russland Atomwaffen aktiviere oder die USA ihre nukleare Haltung ändern müssten. US-Präsident Joe Biden werde seinem Kiewer Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj wahrscheinlich in "sehr naher Zukunft“ neue Unterstützung für die Ukraine ankündigen, insbesondere der Luftverteidigung.

Partner stärken Luftverteidigung der Ukraine

Auch Deutschland will die Luftverteidigung der Ukraine stärken. In den kommenden Tagen soll das hochmoderne Waffensystem IRIS-T SLM geliefert werden. Selbst die Bundeswehr verfügt noch nicht über das 140 Millionen Euro teure System, das aus vier Fahrzeugen besteht, einem Feuerleitgerät und drei Raketenwerfern. Es soll eine mittlere Großstadt vor Angriffen aus der Luft schützen können.

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Außerdem bekommt die Ukraine im Zuge eines Ringtausches Panzer. Der Rüstungskonzern Rheinmetall liefert 15 Stück an Tschechien, damit der Nato-Staat modernen Ersatz für Panzer sowjetischer Bauart bekommt, die an die Ukraine abgegeben wurden. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten Vertreter Deutschlands und Tschechiens am Dienstag in Prag, wie Rheinmetall mitteilte. Laut früheren staatlichen Angaben geht es um 14 Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A4 und um einen Bergepanzer Büffel. Berliner Kreisen zufolge beläuft sich das Finanzvolumen auf umgerechnet 157 Millionen Euro.

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Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de.

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