Ukraine-Krieg

Generaloberst Kadyrow will Städte "Erdboden gleichmachen"

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Das ist Putins “Bluthund” Ramsan Kadyrow

Das ist Putins “Bluthund” Ramsan Kadyrow

Ramsan Kadyrow gilt als brutaler Machthaber der autonomen Republik Tschetschenien. Er ist vertrauter Putins und wird als dessen "Bluthund" bezeichnet.

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Moskau.  Der Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow kritisiert das russische Militär als zu lasch. Er will härter gegen ukrainische Städte vorgehen.

Ramsan Kadyrow, Machthaber in der russischen Teilrepublik Tschetschenien, hat seinen eigenen Kopf. Und den darf er wohl auch ungestraft haben, zumal seine Truppen in der Ukraine an vorderster Front kämpfen.

Nach der ukrainischen Rückeroberung der Stadt Lyman ging er den verantwortlichen russischen Befehlshaber direkt an. Dieser setze Soldaten ein, so Kadyrow, „versorge sie jedoch nicht mit der erforderlichen Kommunikation, Interaktion und Munitionsversorgung“.

Ukraine-Krieg: Putin tauschte Oberbefehlshaber aus

Die Konsequenz seiner harschen Kritik: Wegen seiner „Verdienste“ in der offiziell so genannten „Spezialoperation“ – so wird in Russland der Ukraine-Krieg genannt – wurde Kadyrow von Wladimir Putin zum Generaloberst befördert. Und der Kreml tauschte den russischen Oberbefehlshaber aus.

Sergej Surowikin führt jetzt Russlands Truppen in der Ukraine an, auch als „General Armageddon“ bekannt. Kadyrows Kommentar: „So, jetzt bin ich zu 100 Prozent zufrieden mit der Durchführung der militärischen Spezialoperation.“

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Im Gebiet Cherson wurden mehr als 100 tschetschenische Soldaten getötet

Nun mussten Kadyrows Truppen wohl einen herben Rückschlag hinnehmen. Nach ukrainischen Berichten wurden mehr als 100 Soldaten im russisch besetzten Gebiet Cherson durch Artilleriebeschuss getroffen, von mindestens 40 Toten spricht die russische Seite. Nachprüfen kann man diese Angaben nicht.

Kadyrow äußerte sich nicht direkt zu diesem Angriff, zeigte sich aber in den sozialen Medien – wieder einmal – unzufrieden über das seiner Meinung nach zu weiche Vorgehen Russlands. Für den Beschuss russischen Territoriums, zu dem nach Kadyrows Auffassung auch die annektierte Region Cherson gehört, müssten ukrainische Städte „dem Erdboden gleichgemacht“ werden.

„Früher haben wir immer gesagt, dass wir eine militärische Spezialoperation auf dem Territorium der Ukraine führen, aber der Krieg findet bereits auf unserem Territorium statt“, so Kadyrow in seinem Telegram-Kanal. Er begrüßte die Verhängung des Kriegsrechts in den annektierten Gebieten. Dennoch würden ukrainische Truppen angreifen. Sie würden „weiter auf friedliche Bürger und zivile Objekte“ schießen. Russlands Antwort darauf sei „schwach“, kritisierte Kadyrow und forderte einmal mehr Härte.

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Im ersten Tschetschenenkrieg kämpfte Kadyrow noch gegen Russland

Ramsan Kadyrow ist für seinen autoritären Führungsstil in Tschetschenien bekannt. Er folgte seinem 2004 ermordeten Vater Ahmat nach. Mitte der 1990er-Jahre kämpften Vater und Sohn Kadyrow noch im ersten Tschetschenien-Krieg gegen Russland. Im zweiten Tschetschenien-Krieg wechselten sie die Seiten, zu dieser Zeit begann auch der Aufstieg Ramsans. Er regiert die Teilrepublik mit eiserner Hand. Vorgeworfen werden ihm Folter, Entführungen und Morde. Homosexuelle werden verfolgt und in spezielle Gefängnisse gesperrt.

Ramsan Kadyrow gilt als glühender Befürworter der russischen „Spezialoperation“. Drei seiner insgesamt 14 Kinder im Alter von 14, 15 und 16 Jahren werde er an die Front schicken, kündigte er an. Den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj rief Kadyrow zur Flucht auf. „Wir haben dich, Selenskyj, gewarnt, dass Russland noch nicht einmal richtig angefangen hat. Also hör‘ auf zu jammern wie eine Niete und renn‘ lieber, so lange es noch nicht bei dir eingeschlagen hat.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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