Spannungen

Mutmaßliche Angriffe auf Öltanker – Trump beschuldigt Iran

US-Militär veröffentlicht Video zu mutmaßlichen Tanker-Angriffen

Die Aufnahmen sollen iranische Revolutionsgarden an einem der betroffenen Schiffe zeigen.

Die Aufnahmen sollen iranische Revolutionsgarden an einem der betroffenen Schiffe zeigen.

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Berlin  Im Golf von Oman sollen zwei Öltanker angegriffen worden sein. Die US-Regierung hat jetzt ein angebliches Beweisvideo präsentiert.

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US-Präsident Donald Trump hat bekräftigt, dass die USA den Iran für den Urheber der mutmaßlichen Angriffe auf zwei Tanker im Golf von Oman hält. „Sie haben es getan“, sagte Trump dem Sender Fox News. „Der Iran hat es getan, und sie haben es getan, weil man das Schiff gesehen hat“, sagte er mit Blick auf ein Video, das die USA am Vortag zur Verfügung gestellt hatten.

Das Video soll die US-These einer iranischen Urheberschaft bestätigen, liefert tatsächlich jedoch keine Beweise. Es soll zeigen, wie iranische Kräfte eine Magnetmine von einem der Schiffe entfernen. Die Bilder stammen von einem Zeitpunkt nach den Explosionen.

„Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben“

Zwei Schiffe waren am Donnerstag im Golf von Oman angegriffen worden, die Hintergründe sind weitgehend unklar. 21 Seeleute wurden von der „Kokuka Courageous“ evakuiert. Auf dem Öltanker „Front Altair“ der norwegischen Reederei Frontline brach nach einer Explosion ein Feuer aus, die 23 Besatzungsmitglieder wurden in Sicherheit gebracht . Beide Schiffe befanden sich nicht weit voneinander entfernt vor der Küste Irans.

Die USA machen den Iran für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich – genau wie vor vier Wochen, als es in derselben Region ähnliche Vorfälle mit insgesamt vier Tankschiffen gegeben hatte. „Es ist die Einschätzung der US-Regierung, dass die Islamische Republik Iran verantwortlich für die Angriffe ist, zu denen es heute im Golf von Oman kam“, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Donnerstag in Washington bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Iran wehrt sich gegen Vorwürfe

Diese Einschätzung basiere unter anderem auf Geheimdienstinformationen, auf den eingesetzten Waffen und auf ähnlichen Angriffen in jüngster Vergangenheit. Im Interview mit Fox News fügte US-Präsident Trump nun mit Blick auf den Iran hinzu: „Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben.“

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich zuletzt massiv verschärft. Der Golf von Oman ist über die Straße von Hormus mit dem Persischen Golf verbunden. Die USA sendeten Flugzeugträger und Bomber Richtung Iran.

Am Nachmittag (Ortszeit) wollte sich in New York der UN-Sicherheitsrat mit dem Vorfall befassen.

Der Iran wies die „haltlose Behauptung“ der USA kategorisch zurück. In einer Mitteilung der Vertretung Irans bei den Vereinten Nationen hieß es: „Der ökonomische Krieg und Terrorismus der USA gegen das iranische Volk sowie ihre massive Militärpräsenz in der Region sind weiterhin die Hauptursachen für Unsicherheit und Instabilität in der weiteren Persischen Golfregion.“

Neben den USA hat auch Großbritannien den Iran als Schuldigen für die Schäden an den Tankern bezeichnet. Und auch Saudi-Arabien macht den Iran verantwortlich.

Pompeo: „nicht hinnehmbare Eskalation“

Auf Twitter schrieb US-Außenminister Pompeo, die Angriffe seien eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit und eine „nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran“.

Maas: „Bedrohung für den Frieden“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete die Angriffe als „außerordentlich beunruhigend“. „Die Vorfälle sind das Gegenteil von dem, was wir in der jetzigen ohnehin schon angespannten Lage in der Region gebrauchen können“, sagte er am Donnerstag in Berlin. „Das sind Ereignisse, die zur Eskalation führen können.“

Angriffe auf Handelsschiffe stellten nicht nur eine Bedrohung für offene Handelswege dar. „In der aktuellen Situation sind sie auch eine Bedrohung für den Frieden.“ Maas war erst am Montag von einer viertägigen Reise durch die Krisenregion im Nahen und Mittleren Osten zurückgekehrt, bei der er den Iran, den Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien besucht hatte.

EU warnt vor vorschnellen Reaktionen

Der Verband Deutscher Reeder zeigte sich über die Vorfälle im Golf von Oman besorgt: „Die zivile Schifffahrt, insbesondere unschuldige Seeleute, derartig feige und brutal zu attackieren, ist verantwortungslos“, erklärte Verbandspräsident Alfred Hartmann. „Wir hoffen, dass sich alle Beteiligten vor Ort jetzt um Aufklärung und Deeskalation bemühen.“

Die EU hat nach den schweren Zwischenfällen vor vorschnellen Reaktionen gewarnt. “Die Region braucht keine weiteren Elemente der Destabilisierung und keine weiteren Spannungen“, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini in Brüssel. Man rufe deswegen zu äußerster Zurückhaltung und zum Unterlassen jeglicher Provokationen auf.

Zwei Tanker nach mutmaßlichem Angriff im Golf von Oman in Brand geraten

Darunter soll ein Tanker der Hamburger Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement gewesen sein.
Zwei Tanker nach mutmaßlichem Angriff im Golf von Oman in Brand geraten

Russland sprach sich dagegen aus, dem Iran die Verantwortung für den Vorfall zu geben. „Wir beobachten in letzter Zeit eine sich verstärkende Kampagne des politisch-psychologischen und militärischen Drucks auf den Iran“, sagte der russische Vize-Außenminister Sergej Rjabkow der Agentur Interfax zufolge am Donnerstag.

Schiffe waren nach Asien unterwegs

Die „Kokuka Courageous“ ist ein 170 Meter langer und knapp 27 Meter breites Tankschiff, das unter der Flagge Panamas fährt. Das Schiff hatte nach Angaben des Dienstes „Marine Traffic“ zufolge vor drei Tagen in Saudi-Arabien abgelegt und war unterwegs nach Singapur.

Der 2016 gebaute Öltanker „Front Altair“ fährt unter der Flagge der Marschallinseln. Er war laut „Marine Traffic“ auf dem Weg von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nach Taiwan. Frontline gilt als die größte Tankerflotte der Erde. Sie ist im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen.

Vor wenigen Tagen kam es zu einem Schiffsunglück in Russland: Es gab Tote und Verletzte nach der Explosion auf russischem Öltanker – allerdings nichts aufgrund eines Angriffes, sondern eines Unfalls. (rtr/dpa/ses/küp)

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