US-Politik

Von Trump werden sich die USA so schnell nicht erholen

Washington  US-Präsident Trump laugt mit seiner Skandal-Politik die USA aus. Ein Ende ist nicht in Sicht. 2020 könnte er wiedergewählt werden.

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Vor genau einem Jahr begann die Achterbahnfahrt, von der sich Amerika und die Welt so schnell nicht erholen werden. Mit der Wahl des in Regierungsdingen völlig unerfahrenen Unternehmers Donald Trump hat die größte Supermacht der Erde ein Experiment begonnen, das allmählich an die Reserven geht.

Verdrossen über die alten Eliten haben die USA einen Mann an die Spitze gewählt, der wie weiland Oscar Wildes Dorian Gray ständig damit beschäftigt ist, seine öffentliche Wirkung zu überprüfen.

Trump ist anders als die insgeheim von ihm bewunderten Putins, Dutertes und al-Sisis ein Möchtegern-Autoritärer. Weil ihm Konzentrationsvermögen, Disziplin und Strategie fehlen, um wirklich der starke Mann zu werden, für den er sich hält.

Endlosschleife aus Beleidigungen und Lügen

Trotzdem ist ein großer Teil des Landes, der noch keine Hornhaut gegen die trumpsche Endlosschleife aus Beleidigungen, Verdrehungen und Lügen gebildet hat, nach zehn Monaten Amtszeit, die einem wie fünf Jahre vorkommen, ausgelaugt wie Triathleten im Ziel.

Infame Sätze des Präsidenten, wie der, dass er seinen Gegnern ach so gerne die Bundespolizei FBI und Justizminister auf den Hals hetzen würden, woran ihn nur leider Gewaltenteilung und politische Korrektheit hinderten, wären in einem gesunden gesellschaftlichen Klima Anlass für Rücktritte. Unter Trump sind sie Normalzustand. Das stumpft gefährlich ab.

Ein Jahr Trump-Triumph: Fans stolz auf ihren Präsidenten

In der Gegend um Williamsburg im US-Bundesstaat West Virginia haben bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 fast drei Viertel der Wähler für den Republikaner Donald Trump gestimmt. Ein Jah...
Ein Jahr Trump-Triumph: Fans stolz auf ihren Präsidenten

Welche Langzeitwirkungen der Gewöhnungseffekt hat, der das vergiftete nationale Selbstgespräch wie ein Virus befallen hat, bleibt abzuwarten. Aber man darf schon jetzt nicht ignorieren, dass dem notorischen Grenzüberschreiter Trump etwas gelungen ist, was die Demokratie in ihrem Innersten aushöhlen kann.

Trump hat schlechte Umfragewerte

Niederlagen, gebrochene Versprechen und Ungeheuerlichkeiten haben keine Konsequenzen. Mit jedem Skandal, selbst solchen, die Trump allmählich in den Bereich einer Straftat rücken (Russland-Affäre), wird die Solidarität seiner Kern-Anhänger noch fester.

Für sie trägt nicht der Präsident in diesem von unverantwortlichen Medien-Riesen wie Fox News am Leben gehaltenen Parallel-Universum die Verantwortung für die gescheiterte Gesundheitsreform, das fehlende Infrastruktur-Konjunkturpaket oder die ungebaute Mauer zu Mexiko. Sondern ein in Symbiose mit dem „korrupten Sumpf“ von Washington lebender Kongress. Dort haben, zur Erinnerung, Trumps Ermächtiger, die Republikaner, das alleinige Sagen.

Obwohl nach solider Vorarbeit Obamas die US-Wirtschaft beständig floriert, die Arbeitslosigkeit historisch gering und das Vertrauen der Konsumenten so stabil ist wie lange nicht ist, hat Trump die mit Abstand schlechtesten Umfragewerte seit Ende des Zweiten Weltkriegs.

Von demokratischem Revival kann keine Rede sein

Die rhetorische Rücksichtslosigkeit, die Impertinenz im Auftreten, die Konfusion, die der Präsident schürt und via Twitter in tagespolitische Geländegewinne umzuwandeln versucht, stößt eine stabile Zwei-Drittel-Mehrheit der Amerikaner ab. Verlässliche Vorboten für einen Wachwechsel bei den Zwischenwahlen 2018, wo die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Parlamentskammern verteidigen müssen, sind das trotzdem nicht.

Denn von einem demokratischen Revival kann keine Rede sein. Die nach dem Clinton-Desaster in Trümmern liegende Partei hat inhaltlich und personell zu wenig zu bieten. Dabei wäre nichts nötiger als ein solide begründetes Kontrast-Programm zur impulsiven Schaufenster-Politik des Amtsinhabers. Von der Hoffnung darauf, dass Trump sich selber ein Bein stellt, sollte sich darum heute niemand leiten lassen. Er könnte 2020 sogar wiedergewählt werden.

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