Nahverkehr

VRR testet neuen Tarif: Zahlen pro gefahrenem Kilometer

Der VRR will Hürden beim Ticketkauf senken.

Foto: dpa Picture-Alliance / Roland Weihrauch

Der VRR will Hürden beim Ticketkauf senken. Foto: dpa Picture-Alliance / Roland Weihrauch

An Rhein und Ruhr.   Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr testet ab Februar 2018 das „nextTicket“, bei dem nur die tatsächlich gefahrene Strecke berechnet wird.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) wird im kommenden Frühjahr einen neuen Tarif testen, bei dem nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer in Bussen und Bahnen berechnet werden. Rund 3000 Menschen sollen ab Februar 2018 in einer ersten Phase das System erproben, das über eine App für das Smartphone funktionieren wird. Fahrgäste melden sich über diese Software beim Einsteigen in einen Bus oder eine Bahn an und beim Aussteigen ab. Die gefahrene Strecke wird per GPS-Ortung ermittelt.

Gelegenheitskunden ansprechen

„Wir wollen Gelegenheitskunden ansprechen, die bislang in der Regel nicht mit Bussen oder Bahnen unterwegs sind“, erläutert Sprecher Dino Niemann. Durch die einfache Bedienung der Handy-Software wolle man Hürden senken und die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln attraktiver machen.

Diesen Ansatz begrüßt Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn in NRW. „Momentan gibt es mitunter hohe Preissprünge zwischen einzelnen Haltestellen. Auch ist die Tarifstruktur unübersichtlich.“ Um jedoch Menschen dazu zu bewegen, das eigene Auto stehen zu lassen, müsste es ein unkompliziertes System geben. „Das könnte mit diesem Ticket erreicht werden.“ Als Zielgruppe sieht er gerade jüngere Mitbürger an. „Klar ist, dass es auf absehbare Zeit parallel zu diesem Ticket weiterhin die herkömmlichen Fahrscheine und Monatskarten geben wird“, glaubt Ebbers.

Datenschutz soll beachtet werden

Bedenken von Datenschützern, dass leicht Bewegungsprofile einzelner Personen erstellt werden können, versucht der VRR zu zerstreuen. „Die Kundendaten und die Bewegungsdaten werden auf separaten Servern gespeichert“, so Niemann.

„Mit jeder individuellen Abrechnung ist das Risiko verbunden, dass ein Bewegungsprofil erstellt wird“, gibt die für Datenschutz zuständige Landesbehörde zu bedenken. „Insbesondere muss das unbefugte Auslesen der Daten auf Chipkarten oder vom Smartphone vermieden werden“, macht Sprecher Nils Schröder deutlich.

Kosten gibt der VRR bislang nicht bekannt

Über die Kosten des Tests für das sogenannte „nextTicket“ bewahrt der VRR Stillschweigen. Ursprünglich hätte die Testphase bereits im September dieses Jahres starten sollen. Doch technische Schwierigkeiten zwangen den Verkehrsverbund dazu, diese um mindestens fünf Monate zu verschieben. „Im dritten Quartal 2018 werden die Ergebnisse vorliegen“, gibt Niemann an.

Nur die Strecke zu zahlen, die man tatsächlich gefahren ist, das ist für Bus- und Bahnfahrer in den Niederlanden schon heute Realität. Seit 2012 ist dort flächendeckend die „OV-chipkaart“ im Einsatz. Mit dieser elektronischen Karte werden Fahrten mit Bussen und Bahnen erfasst und kilometergenau abgerechnet. Dies funktioniert über ein Einchecken an Automaten am Start- und ein Auschecken am Zielpunkt. „Das System hat sich bewährt“, erklärt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband NRW, der bei Reisen in das Nachbarland selber auf die OV-chipkaart zurückgreift.

Kostengründe geben den Ausschlag

Dass der Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) bei seinem „nextTicket“ auf eine Handy-App setzt, habe Kostengründe. So müsse keine eigene große Infrastruktur aufgebaut werden, wirft Ebbers ein.

Auf ein ähnliches System, so wie es an Rhein und Ruhr geplant ist, greift seit Anfang 2017 der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VNR) zurück. Zum 27. Januar wurde dort ein „eTarif“ eingeführt. Nach einmaliger Registrierung können sich Fahrgäste im Gebiet des VRN einfach vor Fahrtantritt über die Smartphone-App anmelden und nach der Fahrt wieder abmelden. 1,20 Euro kostet der Grundpreis pro Fahrt, jeder angefangene Kilometer weitere 0,20 Euro.

An Rhein und Neckar zählt die Luftlinie

Der Unterschied zur VRR-Lösung? Für Fahrgäste, die zwischen Würzburg, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen oder Kaiserslautern unterwegs sind, wird als Berechnungsgrundlage die Luftlinie zwischen Start- und Zielpunkt einer Fahrt gewählt. An Rhein und Ruhr wird dagegen der tatsächliche Fahrtweg genutzt werden.

Damit Fahrgästen beim VRR nicht unwissentlich hohe Kosten entstehen, soll es eine Art von Preisbremse geben, wie VRR-Sprecher Dino Niemann erklärt. Wie diese gestaltet wird, ist bislang noch nicht geklärt. Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar hat beispielsweise Tages- und Monatspreislimits aufgestellt. Egal wie viele Luftlinien-Kilometer ein Fahrgast zurücklegt, er zahlt nie mehr als 12 Euro pro Tag oder 90 Euro pro Monat.

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