Bundeskabinett

Wie Spahn und Karliczek Karriere in Berlin machen

Der 37-jährige Jens Spahn (CDU) aus NRW soll neuer Bundesgesundheitsminister werden. Er gilt als Kritiker des Ministerpräsidenten Armin Laschet.

Foto: dpa

Der 37-jährige Jens Spahn (CDU) aus NRW soll neuer Bundesgesundheitsminister werden. Er gilt als Kritiker des Ministerpräsidenten Armin Laschet. Foto: dpa

Düsseldorf.   Die designierten CDU-Bundesminister Jens Spahn und Anja Karliczek kommen aus NRW. Ihr Aufstieg verlief ohne Zutun des Landesparteichefs Laschet.

Noch am Sonntagabend bemühte sich Armin Laschet um angemessene Euphorie. Der Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende deutete die Personalvorschläge der Bundeskanzlerin für die erhoffte Große Koalition kurzerhand zum Sieg seiner nordrhein-westfälischen Christdemokraten auf ganzer Linie um.

„In zentralen Themen übernehmen starke Köpfe aus NRW Verantwortung für eine zukunftsorientierte Politik in Deutschland“, jubelte Laschet. Der designierte Gesundheitsminister Jens Spahn (37) und die überraschend als Bildungsministerin nominierte Anja Karliczek (46), beide aus dem Münsterland, stünden „für eine junge Dynamisierung der Regierung aus dem Herzen der CDU heraus“.

Armin Laschet und Jens Spahn trennen Welten

Wer das Verhältnis zwischen Laschet und Spahn kennt, kann die Überwindung ermessen, die den Ministerpräsidenten diese Fanfare gekostet haben muss. Politisch und persönlich trennen beide Welten.

Hier der fröhliche Merkel-Vertraute Laschet, der schwarz-grün tickt und die Union früh für Einwanderung und gesellschaftliche Liberalisierung öffnen wollte. Dort der wortflinke Islam- und Merkel-Kritiker Spahn, der als Talkshow-Ikone der Konservativen clever eine Marktlücke füllte. Laschet, der zögerliche rheinische Gemütsmensch, dem das „C“ im Parteinamen noch etwas bedeutet. Spahn, der schneidige Aufsteiger, der sich gegen das Establishment ins Parteipräsidium boxte und furchtlos 2016 beim Doppelpass-Beschluss einen ganzen Parteitag drehte.

„Wäre es nach Armin gegangen, hätte die Kanzlerin niemals Spahn berufen“, heißt es in der NRW-CDU. Zumal dafür der Neusser Hermann Gröhe das Gesundheitsministerium räumen muss. Gröhe war ja nicht nur Spitzenkandidat der Landespartei bei der Bundestagswahl. Der 57-Jährige ist auch engster Weggefährte Laschets. Als junge Bonner Abgeordnete warben beide schon in den 1990er Jahren in der legendären „Pizza-Connection“ für schwarz-grüne Bündnisse.

Laschet holte sich Kritiker selbst ins NRW-Kabinett

In Parteikreisen wird versichert, Laschet und Spahn hätten sich zuletzt ausgesprochen und „eine vernünftige Arbeitsebene“ gefunden. Verbürgt ist gleichwohl, dass der Ministerpräsident nie vergessen hat, wie Spahn 2014 bei der Wahl zum CDU-Präsidium den eigentlich von den Gremien vorgeschlagenen Gröhe ausstach. Es war Laschets erste Pleite als damals neuer Landesvorsitzender. Als wenige Wochen vor der Landtagswahl 2017 Medienberichte erschienen, der Spitzenkandidat Laschet sei „mehr Kandidat als spitze“, vermuteten viele Spahn als Stichwortgeber.

Am Ende soll sich Laschet jedoch nicht mehr energisch gegen dessen Nominierung als Gesundheitsminister gestemmt haben. Zu einleuchtend erschien ihm, dass die Kanzlerin ihren prominentesten Kritiker einbinden muss, um die Partei zu beruhigen. Laschet selbst war ähnlich verfahren: Er holte seinen früheren Konkurrenten und Sozialflügel-Mann Karl-Josef Laumann ins NRW-Kabinett, ebenso den Chef des Wirtschaftsflügels, Hendrik Wüst. Wüst galt als Laschet-Kritiker und Spahn-Vertrauter.

Im Münsterland konzentriert sich die Macht

Laumann, Wüst, Spahn, NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking – sie alle stammen aus dem CDU-Bezirk Münsterland. Dort ist auch Anja Karliczek beheimatet, die nun Bildungsministerin werden soll. Die bundesweit einmalige Machtkonzentration im Münsterland ist jedoch Zufall. Karliczek übernahm 2013 den Bundestagswahlkreis von Laumann und machte mit dessen Förderung ihre ersten Schritte in Berlin. Sie ist jedoch keinem Lager zuzurechnen und nicht auf dem „Westfalen-Ticket“ aufgestiegen.

Karliczek bringt vielmehr eine konservative Traum-Vita mit: dreifache Mutter. Im Tecklenburger Land einen familiären Hotel-Betrieb geleitet. Nebenher BWL im Fernstudium, Pfarrgemeinderat, Schulpflegschaft, Kommunalpolitik. Da sich Karliczek im Bundestag als Finanzexpertin bewährte und schnell Parlamentarische Geschäftsführerin wurde, geriet sie in den Fokus der Kanzlerin. Für das Bundeskabinett wurde noch eine kluge jüngere Frau gesucht. Laschet, wird geschmunzelt, könne sich diese Blitzkarriere nun wirklich nicht ans Revers heften.

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