Grundsatzurteil

„Aufklärungspraxis angepasst“ — Uni-Klinikum nimmt Stellung

Um zwei Fälle aus der Uni-Klinik Essen ging es in Karlsruhe

Um zwei Fälle aus der Uni-Klinik Essen ging es in Karlsruhe

Foto: Roland Weihrauch

Essen/Karlsruhe.   Der Bundesgerichtshof gibt zwei Nierenspendern recht: Sie wurden nicht richtig aufgeklärt. Das Klinikum hat interne Abläufe unabhängig verändert.

Fast zehn Jahre lang hatte er gekämpft. Eine Zeit voller Ungewissen. Und nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) ihm Recht gegeben. „Ich bin überwältigt, weil hier Rechtsgeschichte geschrieben wurde“, sagt Kläger Ralf Zietz, 54 Jahre alt, voller Erleichterung. In einem Grundsatzurteil hatte der BGH kurz zuvor hohe Ansprüche an die Risikoaufklärung vor Lebend-Organspenden gestellt. Der VI. Zivilsenat gab am Dienstagmorgen in Karlsruhe Zietz und einer Klägerin Recht: Beide leiden nach Nierenspenden unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen und fordern nun Schadenersatz und Schmerzensgeld.

Zietz aus Niedersachsen hatte seiner Frau im Universitätsklinikum Essen im Jahr 2010 eine Niere gespendet, eine Frau aus Nordrhein-Westfalen ihrem Vater im Jahr 2009. Die Spender werfen der Universitätsklinik Fehler bei der Risikoaufklärung vor. So habe bei den Aufklärungsgesprächen vor zehn Jahren der vorgeschriebene neutrale Arzt gefehlt. Einer der Spender brachte vor, er hätte sich bei einer vollständigen Aufklärung gegen die Spende entschieden.

„Zwischenzeitlich hat sich die Aufklärungspraxis der Risiken der Lebendspende für die Organspender aufgrund neuerer medizinischer Erkenntnisse insgesamt verändert“, heißt es in einer Stellungnahme des Uni-Klinikums. Unabhängig von den beiden Fällen habe man die Aufklärungspraxis in der Vergangenheit angepasst.

Beide Fälle müssen vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm zur Feststellung der Schadenshöhe neu verhandelt werden. Das OLG hatte zwar Fehler bei der Aufklärung festgestellt, etwa das Fehlen des vorgeschriebenen neutralen Arztes, die Klage der Spender aber abgewiesen..

Entscheidend sei, dass potenzielle Organspender über sämtliche Risiken umfassend aufgeklärt werden müssten, urteilten die BGH-Richter. „Denn die Einhaltung der Vorgaben des Transplantationsgesetzes ist unabdingbare Voraussetzung, wenn die Bereitschaft der Menschen zur Organspende langfristig gefördert werden soll“, sagte die Vorsitzende Richterin.

Wichtig sei, dass die Öffentlichkeit die Risiken der Lebend-Organspende wahrnehme, sagte Zietz.. Ärzte müssten ihre Aufklärung jetzt anpassen und dürften kein Risiko mehr weglassen.

Die Wartezeit für eine Spenderniere beträgt fünf bis sechs Jahre. Diese Zeit lässt sich aber mit Hilfe eines Lebendnierenspenders lebensrettend verkürzen, wenn dieser sich bereiterklärt, eine seiner beiden Nieren zu spenden..

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