Corona

Corona: Polizei NRW warnt vor Tricks der Impfstoff-Betrüger

Spahn stellt Impfangebot für alle im Sommer in Aussicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in der Debatte um den schleppenden Corona-Impfstart an die Geduld der Bundesbürger appelliert. Im Sommer könne aber allen Bürgern ein Impfangebot gemacht werden, sagte er auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Beschreibung anzeigen

Ruhrgebiet.  Viele Menschen im Revier warten auf ihre Impfung gegen Corona. Die Polizei warnt: Immer mehr Kriminelle nutzen die Hoffnung der Menschen aus.

Es ist Lockdown. Aber während die meisten Geschäfte und alle Restaurants geschlossen sind, haben Kriminelle Hochkonjunktur.

Die Polizei in NRW warnt: Immer öfter kommt es zu betrügerischen Telefonaten, in denen die Anrufer vor allem älteren Menschen für viel Geld eine Impfung gegen Corona anbieten. Und auch per E-Mail und im Internet selbst nehmen die dubiosen Offerten zu.

 

6000 Euro für ein „Impfstoff-Paket“


Das Angebot, das da aus dem Telefonhörer kommt, klingt verlockend. Vor allem für ältere Menschen. Denn nichts ist bei ihnen derzeit so begehrt, wie eine Impfung gegen das Corona-Virus. Impfstoff gegen Corona bietet der Anrufer an. „Flüssiges Gold“ nennt Interpol-Generalsekretär Jürgen Stock das Serum in Interviews und weiß: „Das ist das Wertvollste, was in diesem Jahr zu verteilen ist.“

Kein Problem, behauptet der Anrufer, der sich als Mitarbeiter einer bekannten Impfstofffirma ausgibt, man könne sofort liefern. Für 6000 Euro sei ein ganzes Impfstoff-Paket derzeit im Angebot. Man werde jemanden vorbeischicken, der den Betrag nach Absprache abhole. Das Serum selbst komme dann in den nächsten Tagen per Post und dann werde sich auch ein Arzt melden, um die Spritze zu setzen. Alles Unsinn. Niemals werde Impfstoff am Telefon angeboten, stellt die Polizei klar.

"Ohne Termin klopft niemand an der Tür"

Erst recht nicht gegen Bezahlung. Denn die Impfungen gegen Corona sind völlig kostenlos. Deshalb kann man auch sofort auflegen, wenn ein angeblicher Verwandter anruft und behauptet, er benötige Geld für eine solche Impfung.

Und falls – wie in Sachsen geschehen – unerwartet zwei Männer in weißen Jacken und mit Koffern in der Hand vor der Haustür stehen und sich als Corona-Impfteam ausgeben, sollte man gar nicht erst aufmachen. „Ohne Termin klopf niemand an die Tür“, stellt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, klar. Und Termine kann man bisher gar nicht machen.

Versuchte Hausbesuche hat es in NRW offenbar noch nicht gegeben, aber eine Sprecherin der Dortmunder Polizei bestätigt im Zusammenhang mit Corona „mehrere Meldungen über Anrufe in betrügerischer Absicht“. Bisher sei allerdings keiner der Angerufenen auf den Trick hereingefallen. Das muss allerdings nicht heißen, dass die Masche nicht funktioniert. Denn wie immer bei telefonischen Betrügereien gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer aus.

Viele Senioren schweigen, wenn sie Opfer geworden sind

Vor allem ältere Menschen sprechen oft nicht darüber, wenn sie auf solche Betrugsmaschen hereingefallen sind. „So etwas hängt ja niemand gerne an die große Glocke“, sagt Thomas Görgen, Professor für Kriminologie an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Dabei könne es grundsätzlich auch Jüngere erwischen. „Das sind Profis, die da anrufen. Die können unglaublich gut reden. Das ist praktisch ihr Beruf, Leute anzurufen.“ Bei Senioren komme aber neben der Scham noch die Sorge hinzu, dass die Familie ihnen nicht mehr zutraut, eigenverantwortlich zu handeln. Deshalb schweigen sie lieber.

Doch nicht nur deshalb sind ältere Menschen bevorzugtes Ziel der Telefonbetrüger. Görgen spricht von „günstigen Tatgelegenheiten“, die da wären: „Menschen, die über Vermögen verfügen, die am besten alleine leben, sich vielleicht nicht so gut zur Wehr setzen können.“

E-Mails mit gefährlichem Anhang

Aber auch junge Leute geraten derzeit immer öfter uns Visier von Betrügern. Millionenfach versenden Kriminelle E-Mails mit Betreffs wie „pfizer’s Covid vaccine: 11 things you need to know“ oder „Covid-19 vaccine brief summary“. Wer auf die Anhänge klickt, hat die auf Cybersicherheit spezialisierte israelische Firma Check Point Software Technologies herausgefunden, bekommt allerdings statt Informationen ein Virus auf seinen Computer geschickt.

Und auch im sogenannten Dark-net, der – etwas frei übersetzt – dunklen Seite des Internets, ist auf einschlägigen Seiten mittlerweile Impfstoff gegen Corona im Angebot. Namenlose Präparate gibt es ab 250 Dollar, vermeintliche Markenware kostet 1300 Dollar – zahlbar jeweils in der nicht zurück verfolgbaren Kryptowährung „Bitcoin“. Versand erfolgt weltweit per Post – wie dabei die teilweise erforderliche Kühlkette von minus 70 Grad eingehalten werden soll, wird nicht erklärt. Mediziner warnen dann auch eindringlich vor der Nutzung solcher Angebote. Bestenfalls erhalte man Placebos, schlimmstenfalls gesundheitsgefährdende Substanzen.

Auch Europol kennt die Angebote aus dem digitalen Untergrund. Noch sei ihre Zahl überschaubar, heiß es in einem Schreiben der Behörde. Aber warnt Interpol-Generalsekretär Stock, „mit dem Ausrollen der Impfstoffe wird die Kriminalität dramatisch zunehmen​.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben