Arbeitsmarkt

Fachkräfte gesucht – in diesen Berufen wird es eng

Lokführer werden im Rheinland stark gesucht.

Foto: Sebastian Konopka

Lokführer werden im Rheinland stark gesucht. Foto: Sebastian Konopka

An Rhein und Ruhr.   Bei Bahn-, Gesundheits- und Informationstechnikberufen werden qualifizierte Kräfte in NRW rar. Stellenbesetzungen dauern länger.

Satte 194 Tage, also länger als ein halbes Jahr – soviel Zeit vergeht im Schnitt, bis eine ausgeschriebene Lokomotivführerstelle in Nordrhein-Westfalen besetzt ist. Fachleute nennen das Vakanzzeit. Auf 100 Arbeitsstellen kommen laut einer neuen Analyse der Arbeitsagentur nur 43 Arbeitslose, Tendenz sinkend. Bei „Fachkräften der Überwachung und Wartung der Eisenbahninfrastruktur“ gibt es zwar mehr Bewerber, die Lage sieht aber nicht viel besser aus. Die Vakanzzeit liegt hier bei 179 Tagen. Der anstehende Ausbau wichtiger Bahnstrecken für den Rhein-Ruhr-Express dürfte die Situation weiter verschärfen.

Vakanzzeit und Bewerberangebot sind wichtige Indikator dafür, ob in Berufen Fachkräfteengpässe vorliegen oder nicht. Für insgesamt elf Berufsgruppen in NRW machen die Experten der Arbeitsagentur in der aktuellen Frühjahrsanalyse solche Engpässe aus. Neben den beiden Bahnberufen sind das Meister und Techniker der Heizungs- und Sanitärtechnik, IT-Anwendungsberater, Softwareentwickler, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, spezialisierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/Hebammen, Physiotherapeutinnen, Apothekerinnen, Altenpflegerinnen und Friseurmeisterinnen. Die Apothekerinnen und die Wartungskräfte der Bahninfrastruktur sind für NRW neu auf der Liste.

Unterschiede zwischenden Regionen

Die durchschnittliche Vakanzzeit ausgeschriebener Stellen ist zwischen Rhein und Weser im vergangenen Jahr um sechs auf nun 99 Tage gestiegen (Bundesschnitt: 102 Tage). Die elf Berufsgruppen liegen zum Teil ganz erheblich darüber. Mitunter gibt es aber auch nur wenige Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe, wodurch sich (wie bei den Bahnberufen) mitunter größere Schwankungen ergeben. Stellt einer dieser Arbeitgeber plötzlich mehr ein oder bildet mehr aus, sieht die Welt gleich anders aus.

Große Unterschiede gibt es von Region zu Region. Im Ruhrgebiet etwa sehen die Experten Anzeichen für starke Engpässe bei Gesundheitsberufen oder auch in der nichtärztlichen Therapie. Auch Softwareentwickler und Programmierer werden händeringend gesucht – ebenso die Fachkräfte zur Überwachung und Wartung von Bahninfrastruktur. Im Rheinland hingegen werden vor allem Lokführer, Software-Entwickler und Pflegekräfte stark gesucht.

Ingenieure Fahrzeugtechnik, Mechatroniker, Energietechniker, Fachleute für Hoch- oder Tiefbau, Ausbauspezialisten, Arzthelferinnen, Medizintechnikexperten und Fahrlehrer: Die Liste kritischer Berufe könnte für NRW noch länger werden. Der Analyse zufolge ist die Datenlage hier aber nicht eindeutig. Mitunter gelingen Stellenbesetzungen noch relativ fix.

>>> HINTERGRUND

Die Arbeitsagentur spricht ausdrücklich von „Engpässen“ in einzelnen Berufsfeldern und Regionen. Aktuell zeige sich kein flächendeckender Fachkräftemangel in Nordrhein-Westfalen, heißt es in der aktuellen Analyse.

Die Nachfrage nach qualifizierten Leuten wächst. Von November 2016 bis Oktober 2017 wurden den Angaben zufolge landesweit 261 400 offene Fachkräftestellen gemeldet – ein Plus von satten 7,9 %.

Der Bestand an offenen Stellen wuchs sogar noch stärker – um 12,9 %. Im Durchschnitt waren rund 80 000 freie Arbeitsstellen bei der Agentur gemeldet.

Zugleich sinkt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Fachkräfte, also der potenziellen Bewerber. Sie lag bei 313 200 Personen – ein Minus von 4,6 %.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik