Flughafen in der Corona-Krise

Kaum Passagiere, dafür viel mehr Fracht

Frachtflieger am Flughafen Köln/Bonns.

Frachtflieger am Flughafen Köln/Bonns.

Foto: dpa Picture-Alliance

Alle Flughäfen kämpfen mit Einbrüchen der Passagierzahlen. Dem Flughafen in Köln geht es da etwas besser, weil jetzt mehr Fracht-Jets landen.

Ein ganz klein wenig entspannter als seine Kollegen in Weeze oder Düsseldorf ist Johan Vanneste, Chef des Flughafens Köln/Bonn, dann doch schon. Zwar ist auch in Köln der Passagierverkehr durch die Coronapandemie nahezu zum Erliegen gekommen. Doch der Köln-Bonner Flughafen ist eine wichtige Drehscheibe für den Frachtverkehr. Denise Ludwig sprach mit Johan Vanneste über das, was in der Luft und am Boden passiert.

Herr Vanneste, die Coronapandemie hat dazu geführt, dass der Passagierverkehr eingebrochen ist. Wie läuft es am Flughafen Köln/Bonn?

Vanneste: Wir kämpfen weiter. Aber ich denke, wir sind als Flughafen noch gut unterwegs.

Weil Sie den Frachtluftverkehr haben?

Genau. Anfang März lag der Passagierverkehr noch im Plan. Aber drei Wochen später, am 20. März, ist er fast auf null gesunken. Im April hatten wir 4700 Passagiere statt 970.000 im April 2019. Die Lage ist sehr schwierig. Andererseits haben wir ein wichtiges Cargo-Standbein. Anfang des Jahres, und auch im März und April, lagen wir noch leicht unter Plan, was die Tonnage betraf. In den vergangenen zwei Wochen lief es besser. Einer unserer wichtigsten Kunden hat uns 20 Prozent mehr Volumen als im Vorjahr beschert. Bei den Bewegungen liegen wir insgesamt deutlich über unserer Planung.

Und die Zahl der Bewegung ist relevant?

Bei jeder Landung wird ein Entgelt bezahlt, mit diesen Einnahmen finanzieren wir unsere Infrastruktur. Wir haben fünf bis sechs Prozent mehr Starts und Landungen, als wir eingeplant haben. In der April-Statistik der europäischen Flugsicherung Eurocontrol ist der Flughafen Köln basierend auf den Flugbewegungen zum fünftgrößten Flughafen von Europa vorgerückt.

Warum ist das Frachtvolumen denn nicht gestiegen?

Am Anfang der Krise gab es weniger Pakete. Aber in letzter Zeit sehen wir klar, dass die Paketbestellungen per Internet stark zugenommen haben. Und: Die Langstreckenpassagierflüge sind weltweit durch Corona komplett ausgefallen. Diese aber nehmen die Hälfte aller Luftfracht weltweit mit. Inzwischen werden Extra-Flüge geplant, um die Fracht, die in den vergangenen Wochen liegengeblieben ist, abzuarbeiten. Deshalb sehen wir jetzt eine schnelle Steigerung.

Werden für die Fracht auch Passagierflugzeuge umgenutzt?

Ja. Man kann die Frachträume in Passagierflugzeugen nutzen. Oder man kann die Transportboxen mit Netzen auf den Sitzen befestigen. Das hat eine russische Fluggesellschaft in einer Boeing 777 so gemacht, die bei uns gelandet ist. Sie haben zusätzliche Flüge zugesagt. Oder man kann die Sitze ausbauen und als Frachtfläche nutzen.

Welche Fracht aus welchen Ländern kommt in Köln an?

Die Fracht kommt aus der ganzen Welt: aus Asien, Dubai, China. Einen großen Anteil nehmen medizinische Güter und Schutzkleidung aus China ein. Die ägyptische Fluglinie Egypt Air hat zu Anfang der Krise die Anzahl der Flüge verdoppelt. Sie bringt Obst und Gemüse nach Europa, aus Kanada und Island bekommen wir frischen Fisch, aus Indien erhalten wir pharmazeutische Produkte. Dazu kommt die gewaltige Anzahl an Interneteinkäufen.

Und welche Fracht wird exportiert?

Maschinenbauteile , pharmazeutische Güter und Ersatzteile für die Automobilbranche.

Haben Sie in Köln zusätzliche Flüge erhalten?

Die Flughäfen in Paris, Luxemburg und Lüttich hatten operative Engpässe. Das hat dazu geführt, dass wir aus Paris zusätzliche Flüge von Fedex erhalten. Da haben wir eine ganze Menge Großraumflugzeuge wie die Boeing 777 erhalten. Das waren vier bis fünf Extra-Flüge pro Tag, die wir auch selbst abgefertigt haben. Wir haben keinen hohen Krankenstand in Köln gehabt.

Wie erklären Sie sich das?

Wir haben sehr früh Maßnahmen ergriffen, um das Personal zu schützen. Wir hatten regelmäßigen Austausch mit unseren Kunden, um abzuklären, was zu tun ist. Wir haben zusätzliche Desinfektionsspender aufgestellt, unseren Mitarbeitern Masken zur Verfügung gestellt und das Tragen von Masken in verschiedenen Bereichen des Geländes zur Pflicht erklärt. Unsere Mitarbeiter haben die Maßnahmen respektiert. Auch in den Frachträumen haben wir eine Maskenpflicht eingeführt, weil es dort nicht immer möglich ist, den Sicherheitsabstand einzuhalten.

Zudem gab es Befürchtungen, dass auf Containern Viren haften bleiben. Deshalb haben wir den Mitarbeitern mehrere Paar Handschuhe zur Verfügung gestellt. So können sie jeden Tag die Handschuhe wechseln.

Wird der Frachtverkehr in Zukunft noch wichtiger werden?

Ich erwarte kein spektakuläres Wachstum. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass wir unseren Airlines zeigen konnten, dass wir ein zuverlässiger Flughafen sind. Fracht wird wichtig bleiben und weltweit weiter wachsen. Wichtig ist nun, dass wir den Passagierverkehr wieder hochfahren. Denn das ist eine wichtige Einnahmequelle für uns – nicht zuletzt durch die Umsätze in den Parkhäusern sowie in den Shops und Restaurants. Trotz der Fracht beschert uns die Coronakrise in diesem Jahr mehr als hundert Millionen Euro Umsatzverluste.

Wie haben Sie sie kompensiert?

Kompensieren können wir das nur zum Teil, zum Beispiel durch einen Ausgaben- und Einstellungsstopp. Und wir haben Kurzarbeit angemeldet. Das begrenzt den Schaden ein wenig, aber wir werden trotzdem ein sehr schlechtes finanzielles Ergebnis am Ende des Jahres haben.

Wie wird sich das Fliegen für Passagiere in Zukunft verändern? Werden die Flieger nur noch halb besetzt abheben?

Das glaube ich eher nicht. Aber das ist eine Entscheidung unserer Kunden. Wenn kein Physical Distancing gewahrt werden kann, müssen Masken getragen werden. Sicher, die ersten Flüge werden noch nicht voll sein, die Menschen werden etwas Angst haben.

Aber diese ursprüngliche Idee, die Mittelsitze freizuhalten, wird wohl nicht kommen. Und: Die Luft in den Flugzeugen kommt von außen. Auf 10 Kilometern Höhe ist die Luft so kalt, da überlebt kein Virus. Zweitens gibt es spezielle Filter an Bord, die die Luft ständig von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren säubern. Durch die Verwendung dieser speziellen Filter ist die Kabinenluft sauberer als die, die der Mensch auf der Erde einatmet.

Wann heben wieder Passagierflugzeuge ab?

Ab dem nächsten Monat wird es mehr. Schon heute haben wir bis zwölf Flüge pro Tag. Je nachdem, wie die Reisebeschränkungen gelockert werden, wird im Juni langsam hochgefahren, hoffentlich haben wir dann zehn Prozent aller Flüge zurück. Im Juli rechnen wir dann mit 20 bis 30 Prozent.

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