Coronavirus

Lungenarzt: "Das Beste, wenn wir alle FFP2-Masken tragen"

Dr. Thomas Voshaar leitet im Moerser Krankenhaus Bethanien die Lungenklinik. Er ist unter anderem Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Umweltmedizin und Allergologie.

Dr. Thomas Voshaar leitet im Moerser Krankenhaus Bethanien die Lungenklinik. Er ist unter anderem Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Umweltmedizin und Allergologie.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr  Lungenarzt Dr. Thomas Voshaar empfiehlt FFP2-Masken für alle. Das gelte besonders jetzt, wo Corona-Mutationen hier angekommen seien.

FFP2-Masken, Virus-Mutationen, Impfmüdigkeit beim Pflegepersonal und 15-Kilometer-Regel: Viel wird derzeit wieder rund um das Coronavirus und den verlängerten Lockdown diskutiert. Doch wie sinnvoll sind FFP2-Masken im Vergleich zu Stoffmasken? Laufen die Intensivstationen in der Region nach den Feiertagen nun voll? Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Lungenklinik im Moerser Krankenhaus Bethanien, ordnet die aktuelle Lage ein. Er gehört zum Beraterstab von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, seit März 2020 behandelt er auf der Covid-Intensivstation schwer erkrankte Patienten und bekam durch seine nicht-invasiven Beatmungsmethode bei Corona-Patienten weltweit Aufmerksamkeit.

Die Corona-Lage nach den Feiertagen:

Der ganz große Ansturm auf die Intensivstationen, so der Mediziner, sei nach Weihnachten und Silvester bislang ausgeblieben. „Da haben sich meine Befürchtungen glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die meisten haben sich an den Feiertagen an die Kontaktbeschränkungen gehalten“, meint Voshaar. In der kommenden Woche könne man das final auswerten. Doch die Lage sei von Kreis zu Kreis, von Stadt zu Stadt sehr unterschiedlich. „Pauschal zu sagen, die Intensivstationen in Deutschland laufen voll, ist schlicht falsch und sorgt für unnötige Panik“, sagt er. Im Bethanien sei die Covid-Station im Moment halb voll, die Belegung rückläufig. Anderswo, beispielsweise in Leipzig, sei die Situation hingegen äußerst angespannt.

FFP2-Masken:

In Bayern gilt ab Montag bereits eine FFP2-Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel, nun prüft auch NRW diesen Vorstoß. Voshaar hält das für sehr sinnvoll. „Es wäre das Beste, wenn alle eine solche Maske tragen würden“, so der Mediziner. Das habe er auch in einem Positionspapier für die Kanzlerin, das Gesundheitsminister Spahn angefordert hatte, deutlich gemacht. Wichtig sei aber, dass diese FFP2-Masken richtig getragen würden und auch geprüft seien. „Es sind einige gefälschte im Umlauf“, so Voshaar. Während die normalen Stoff- und Einfachmasken hauptsächlich dem Schutz anderer dienen, bieten FFP2-Masken auch einen Eigenschutz.

Mutationen des Coronavirus:

Voshaar rät auch deswegen dringend zu FFP2-Masken, weil Mutationen des Coronavirus aus Südafrika und Großbritannien in Deutschland angekommen seien und als wesentlich ansteckender gelten. „Daher ist es jetzt noch wichtiger, die richtige Maske zu tragen und Kontakte zu vermeiden“, sagt der Lungenarzt. Die Varianten aus Südafrika und Großbritannien scheinen zwar nicht für schwerere Verläufe von Covid-19 zu sorgen. Doch weil die Mutationen als potentiell ansteckender als der in Deutschland verbreitete Erreger gelten, mache das die Mediziner „schon etwas nervös“, so Voshaar. Grund zur Panik gebe es aber nicht.

Kontaktbeschränkungen und 15-Kilometer-Regel:

Ziel der Maßnahmen, so Voshaar, sei immer noch, Krankenhäuser vor der Überlastung zu bewahren sowie Alte und Kranke bestmöglich zu schützen. „Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass der harte Lockdown eine Maßnahme der Verzweiflung ist“, so Voshaar. „Diesen müsste die Bundesregierung nicht verhängen, wenn alle sich an Abstandsregeln und Kontaktminimierung halten würden.“ Die 15-Kilometer-Regel hält der Mediziner trotzdem für nicht nötig. „Wegen der vielen Ausnahmen ist sie kaum umsetzbar und auch schwer zu kontrollieren.“ Es gehe vielmehr darum, das Bewusstsein der Menschen zu schärfen, die sich den AHA-Regeln immer noch widersetzten.

Impfungen:

Voshaar ist bereits geimpft worden und erhält in der kommenden Woche die zweite Dosis. Das gleiche gelte für die rund 200 Bewohner des Seniorenstifts Bethanien in Moers. „Bei den älteren Menschen haben wir eine ganz hohe Impfbereitschaft, sie waren alle sofort bereit“, erzählt er. Nur ganz vereinzelt habe es Ausnahmen gegeben. „Es ist wirklich sinnvoll, dass in den Alten- und Pflegeheimen begonnen wurde. Das wird für eine Riesenentspannung sorgen“, ist sich Voshaar sicher. Weder er noch die Senioren hätten Nebenwirkungen verspürt. „Es deutet sich an, dass die Covid-Impfung wesentlich besser verträglich ist als die Grippeschutzimpfung“, sagt er.

Dass es in Teilen des Pflegepersonals in Krankenhäusern und Altenheimen eine große Impfskepsis gebe, sei nichts Neues. „Das Misstrauen ist hier fast schon traditionell stärker als bei anderen Berufsgruppen“, so Voshaar. Oft habe das mit schlechten Erfahrungen im Gesundheitssystem zu tun. Mit falschen Informationen rund um den Impfstoff kämpft der Mediziner täglich. „Einige junge Frauen glauben, dass sie nach einer Impfung nicht mehr schwanger werden können“, nennt Voshaar als Beispiel. „Das ist großer Unsinn und entbehrt jeglicher medizinischer Grundlage“, sagt der Mediziner.

Von einer Impfpflicht, selbst wenn sie nur für bestimmte Berufs- oder Bevölkerungsgruppen gelte, hält Voshaar trotzdem gar nichts. „Das widerspräche unserer freiheitlichen Grundordnung.“ Er setzt auf gesunden Menschenverstand. „Und da habe ich durchaus eine höhere Erwartungshaltung an das Pflegepersonal, weil sie eben auch mehr Verantwortung tragen als das in anderen Jobs der Fall ist.“

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