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Modellprojekt hilft Studierenden über die Mathe-Hürden

Mit dem FlexING-Programm will die Universität Duisburg-Essen die Abbruchquote von derzeit rund 35 Prozent bei den Ingenieuren im Bachelorstudium verringern.

Foto: VINKEN, Frank

Mit dem FlexING-Programm will die Universität Duisburg-Essen die Abbruchquote von derzeit rund 35 Prozent bei den Ingenieuren im Bachelorstudium verringern. Foto: VINKEN, Frank

Duisburg.   Das „FlexING“ an der Universität Duisburg-Essen hilft nicht nur Studenten mit Matheproblemen ihr Studium zu meistern.

Die Zeiten, in denen Ingenieure händeringend gesucht werden, sind noch lange nicht abgeebbt. Im Gegenteil. Ingenieure sind immer noch begehrt auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Das Problem ist jedoch, dass viele Ingenieurstudenten in NRW ihr Studium nicht erfolgreich abschließen.

Die Universität Duisburg-Essen geht deshalb neue Wege, um die Abbruchquote von rund 35 Prozent bei den Ingenieuren im Bachelorstudium zu verringern. Seit dem Herbst gibt es das sogenannte FlexING-Programm. „Es ermöglicht jedem Studenten, sein Studium mit persönlicher Betreuung in einem individuellen Tempo zu gestalten“, erklärt Projektkoordinator Torben Gebhardt.



Wer Ingenieurwissenschaften studiert, bekommt beim FlexING mehr als die üblichen Hilfestellungen seitens der Uni. Es gibt Coachings, Zusatzkurse, Workshops und intensive Gruppenübungen. „In persönlichen Coachings klären wir mit dem Studenten ab, wie er sein Studium sinnvoll gestalten kann“, erklärt Gebhardt. Alles läuft individuell und ohne Zwang, es ist ja nur ein Angebot.

Viele Studierenden scheitern an den Matheklausuren

„Viele, so haben wir konstatiert, brechen ihr Studium leider verfrüht ab“, sagt Gebhardt. Schuld ist hauptsächlich die Mathematik. „Wir möchten verhindern, dass viele unserer Studenten aufgrund der Matheklausuren noch im fünften Semester scheitern“, sagt Mathedozent Wolfgang Hümbs, der im Rahmen des Projekts Mathe-Zusatzkurse für Ingenieure anbietet. Obwohl ein früher Abbruch eine gute Entscheidung sein kann, wenn man merkt, dass das Fach nicht das Richtige für einen ist. Das FlexING dient daher auch der Umorientierung. „Früher gab es das Vordiplom, das abgeschafft wurde, und den Studierenden früher im Studium begegnete. Das Vordiplom sorgte zugleich für das nötige Rüstzeug für das spätere Hauptdiplom“, sagt Hümbs.

Zwar lasse sich nicht pauschal sagen, dass die Studenten heute schlechter sein als früher – es fehle aber häufig an den Grundvoraussetzungen. „In den Schulen wird vieles in der Mathematik nicht mehr durchgenommen, was früher zur Standard-Ausbildung gehörte“, sagt Hümbs.

Nur seien viele Studenten oft mit der Masse an Lerninhalten überfordert und einige hätten schlicht keine Vorstellung, wie gravierend der Übergang von der Schule zur Universität ist. „In Coachings versuchen wir nicht nur das ‘Studieren lernen’ oder das Selbstmanagement zu vermitteln, sondern auch Lösungen für die private Situation, die mitunter das erfolgreiche Studieren belastet, zu finden“, sagt Torben Gebhardt. „Neben finanziellen Problemen kann oft auch die Familie die nötige Unterstützung nicht leisten.“

Angebot richtet sich auch an Bildungsaufsteiger

Mit den Coachings, Zusatzkursen oder Sprachkursen sollen die Ingenieure von morgen aber nicht nur fachlich dazu lernen, sondern auch Kompetenzen erwerben, die in der heutigen Arbeitswelt nötig sind, wie Team- und Kommunikationsfähigkeit. Das gilt vor allem für Bildungsaufsteiger. „Ihre Eltern haben nie eine Uni besucht und können ihren Kindern daher kaum beratend zur Seite stehen. Dazu kommt das Zurechtfinden in der weitläufigen Uni-Landschaft, das für viele nicht einfach ist“, sagt Torben Gebhardt.

Klar im Fokus des Modellversuchs steht aber der Studienerfolg. Denn nichts ist ärgerlicher als nach drei bis vier Jahren an der entscheidenden Matheprüfung zu scheitern. Ob das FlexING den erhofften Erfolg bringt, wird sich erst 2020 zeigen – dann läuft das Projekt aus. Stimmen die Teilnehmerzahlen und brechen weniger Studenten ihr Studium ab, stehen die Chancen gut, das Modellprojekt weiter fortzusetzen.

Bei den Studenten kommt das Angebot bisher jedenfalls gut an. „Wenn es das Angebot nicht gäbe, wäre es sehr schwer für mich. Ich bin dankbar, dass wir individuell in den Mathekursen unsere Fragen beantwortet bekommen“, sagt die 26 Jahre alte Ingenieurwissenschaft-Studentin Christine.

Wer teilnimmt, kann länger mit BAföG rechnen

Aber nicht nur für Studenten mit Problemen in der Mathematik und in der Selbstorganisation ist das Flex-Semester eingerichtet worden. Der Modellversuch „FlexING“ zielt auch auf Studenten ab, die Führungskompetenzen, die sie nachher im Beruf benötigen, erlernen möchten. „Wir haben auch ‘Überflieger’ im Programm, die einen großen Wissensdurst haben“, sagt Hümbs.

Einen ganz entscheidenden Nebeneffekt hat das FlexING obendrein. „Besuchen die Studenten genug Kurse aus unserem Programm, verlängert sich ihre Regelstudienzeit um bis zu zwei Semester und jene, die BAföG erhalten, bekommen zwei Semester länger BAföG“, erklärt Projektkoordinator Gebhardt.

>>>DAS BERATUNGSANGEBOT IM ÜBERBLICK

Die Teilnahme am FlexING ist kostenlos. Eine Einschreibung ist nicht notwendig, und man muss auch für die Nutzung der Angebote keine Gebühren zahlen.

Studenten der Ingenieurwissenschaften, die seit dem Wintersemester 2016/2017 immatrikuliert sind und die überlegen, ihr Studium abzubrechen, sind beim FlexING richtig.

Auf der Homepage der Uni Duisburg-Essen, www.uni-due.de/flexstudium, gibt es einen Überblick über die weiteren Merkmale von FlexING.

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