Florales

1000 Rosensorten an der niederländischen Blumenbörse

Hier gibt es jede Menge Florales.

Hier gibt es jede Menge Florales.

Foto: Lucas Bayer

Aalsmeer.   Im größten Gebäude in den Niederlanden wechseln jährlich mehr als zwölf Milliarden Pflanzen ihren Besitzer bei Royal Flora Holland in Aalsmeer

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In der Luft liegt der duftende Geruch von Blumen, gepaart mit der typisch frischen, kühlen Atmosphäre einer Lagerhallte. In den Gebäuden des Unternehmens Royal Flora Holland in Aalsmeer, 30 Autominuten von Amsterdam entfernt, stehen täglich für kurze Zeit hunderttausende Pflanzen gestapelt - bis sie bei einer Auktion ersteigert werden. Das Ende des bunten Blumenmeers ist nicht zu erkennen, auch wenn man als Besucher das Treiben auf der Lagerfläche von einem mehrere Meter hohen Aussichtsweg betrachtet.

„Wir bieten hier insgesamt 30.000 verschiedene Produkte an, beispielsweise Blumen, Zimmer- oder Gartenpflanzen“, erzählt ein Guide auf den ersten Metern in der Lagerhalle. Bereits zu diesem Zeitpunkt haben ein Großteil der Besucher ihr Smartphone gezückt, um zu filmen oder fotografieren was unten auf der Fläche vor sich geht. Über einhundert Männer und Frauen tragen dort orange und grüne Westen, sie flitzen mit kleinen Elektrofahrzeugen durch die Halle. Daran sind Trolleys befestigt, die bis oben hin mit Pflanzen befüllt sind.

Bis zu 14.000 Trolleys am Tag

„Die Fahrer bringen die Produkte zu den LKW von den Unternehmen, die sich bei der Auktion durchsetzen konnten. Auch wenn das alles sehr wild aussieht, hier gelten die gleichen Regeln wie im Straßenverkehr. Zu Unfällen kommt es eigentlich nie“, erklärt der Guide. Auch wenn die Arbeiter immer viel zu tun haben. Freitags und montags müssen sie meist rund 10.000 Trolleys bewegen. Am Stressigsten sei es allerdings vor Valentinstag oder Muttertag: „Dann können es auch schon mal 14.000 Trolleys pro Tag sein.“ Besonders beliebt seien dann natürlich die Rosen, von denen es 1000 verschiedene Sorten in der Welt von Royal Flora Holland gibt. 20 Prozent aller Pflanzen, die angeboten werden, kommen aus dem Ausland – geliefert per Schiff oder Flugzeug, durchgehend gekühlt.

Nach dem Bestaunen des hektischen Geschehens auf Umschlagfläche geht es an dem entscheidenden Raum des Gebäudes vorbei. Mehr als hundert Auktionäre sitzen dort, in einem Raum, der einem Hörsaal ähnelt, versuchen Preise für Produkte hoch zu treiben und an Händler zu verkaufen. „Es ist aber nicht wie man sich das vielleicht vorstellt, dass alle in einem Raum sitzen und durcheinander brüllen“, sagt Erik Wassenaar, einer der Auktionäre.

Versteigert wird online

Der Prozess finde mittlerweile fast ausschließlich online statt. Die potenziellen Käufer loggen sich im System ein und steigern bei ihrem favorisierten Pflanzen oder Blumen mit. Von montags bis freitags startet die Auktion jeweils um 6 Uhr morgens und dauert mehrere Stunden – je nachdem wie schnell die Produkte von den Händler gekauft werden. Mit seiner Hand zeigt Erik Wassenaar auf das Instrument, mit dem die Auktion durchgeführt wird, die Auktionsuhr. Dort wird immer das zu verkaufende Produkt angezeigt und die Händler bieten darauf. „Bei Blumen und Pflanzen muss das schnell gehen, es sind schließlich frische Produkte. Die halten sich nicht so lange.

Deshalb werden pro Uhr pro Stunde ungefähr 1500 verschiedene Produkte verkauft. Die Interessenten müssen also am besten wissen, wann ihr Produkt wo erscheint“, sagt der Auktionär. Schnelle Reaktion, als Blumenkäufer anscheinend überlebenswichtig.

Doch was passiert mit den Pflanzen, die am Ende nicht ersteigert werden? „Die verarbeiten wir zu Kompost, lange können wir sie hier leider nicht aufbewahren“, erklärt Erik Wassenaar. Beim Gang zum Ausgang herrscht auf der Fläche der Lagerhallen noch immer reges Treiben. 50.000 Touristen kommen pro Jahr, um sich das größte Handelsgebäude der Welt anzusehen. Und es könnten schon bald mehr werden, direkt gegenüber der Hallen entsteht momentan die so genannte Flora World – eine Attraktion, die ganz im Zeichen der Blumen steht und im Frühling 2020 öffnen soll.

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