Im Zoo

Bei den Schimpansen im Arnheimer Zoo

Affenmännchen in der Arnheimer Schimpansenkolonie.

Affenmännchen in der Arnheimer Schimpansenkolonie.

Foto: Theo Kruse / Burgers' Zoo

Arnheim.  Wer Schimpansen beobachtet, kann bemerkenswerte Verhaltensmuster entdecken – etwa, wie sich Konflikte friedlich lösen lassen.

Machtübernahmen, Koalitionen und Freundschaften, Uneinigkeit und Friedenstiften prägen das Zusammenleben unserer haariger Vettern. All dies spielt sich vor den Augen von Zoobesuchern und Wissenschaftlern ab.

Der wissenschaftliche Wert von Verhaltensforschung im Zoo steht manches Mal durchaus berechtigt zur Diskussion. Jedoch helfen uns die Beobachtungen von Biologiestudenten und Tierkundlern ganz sicher bei angewandten Fragestellungen. Beispielweise können Beobachter, die meist vier bis fünf Monate Vollzeitpraktikum vor dem Schimpansengehege machen, ganz ausgezeichnet beurteilen, wie die Integration eines Neuankömmlings in der Gruppe verläuft.

Wie wird der Neue integriert?

Oder sie rapportieren, wie es mit der sozialen Stellung des pubertierenden Männchens steht, das im Alter ist, in dem diese Menschenaffen gerne mal probieren, Richtung Topposition in der Gruppe zu gelangen. Klar können auch die Tierpfleger gut observieren, aber für die Schimpansen bedeutet ein Tierpfleger in Gehegenähe: „Vielleicht gibt’s gleich ‘was Leckeres!“ Damit beeinflussen die Tierpfleger das normale Verhalten ihrer Schützlinge viel mehr als das die für die Affen total uninteressanten Studenten tun.

Mehr Infos zum Tierpark Burgers’ Zoo in Arnheim gibt es hier

Ab und zu gibt es auch im Zoo revolutionäre Wahrnehmungen von Tierverhalten, die die Denkbilder der bisher geltenden wissenschaftlichen Meinung auf den Kopf stellen. So ein besondere Entdeckung machte vor mittlerweile beinahe 50 Jahren der damals noch ganz junge Biologe Frans de Waal, inzwischen weltberühmter Affenkenner und Buchautor.

Die Männchen schmieden Koalitionen, um ganz nach oben zu kommen

Als Student beobachtete er die große Schimpansengruppe im Burgers’ Zoo. Er beschrieb, wie mehrere Männchen Koalitionen schmieden müssen, um die Topposition zu erreichen. Ein einzelnes Tier ist nie so stark und einflussreich, um das im Alleingang zu schaffen. Und schon gar nicht gelingt ihm danach, die Alphaposition ohne Unterstützung von Mitstreitern zu halten. Wie in der echten Politik sind die Schimpansenkoalitionen jedoch nicht von Dauer, und auch zwischendurch gibt’s ab und zu Krisen.

Im Gegensatz zu Homo sapiens sind Schimpansen alles andere als konfliktmeidend. Also kriegen sich die Tiere schon mal echt in die Haare. Und dann? Ewig schmollen können Tiere, die miteinander gezankt haben, ja nicht. Da Konflikte recht häufig sind, bliebe dann ja kurz über lang kein potenzieller Koalitionsgefährte mehr übrig.

De Waal war der erste Forscher, der bei einer Tierart Versöhnung wahrgenommen hat. Als Versöhnungsritual wird die Hand zur Artgenossen ausgestreckt, dann wird ausgiebig gelaust. Hat sich die Spannung gelegt, fassen die Männchen einander schon mal an die Testikeln. Nicht unbedingt die Art und Weise, wie wir miteinander versöhnen, aber begreiflich: man zeigt erneuertes Vertrauen, indem man sein Gegenüber die besonders verwundbaren Körperteile berühren lässt.

Weibchen haben viel Einfluss

Weibchen sind bei Schimpansen niemals offiziell die Alphatiere. Sie üben aber dennoch großen Einfluss darauf aus, wer in der Gruppe an die Macht kommt. Ein Weibchen mit viel Ansehen bei den anderen „Damen“ bestimmt so mit, wer wieder eine Zeit lang ganz oben in der Rangordnung steht.

Forscher De Waal nahm auch wahr, dass die Schimpansenmännchen sich durchaus bewusst sind, welcher Machtfaktor die Weibchen sind. Die draufgängerischen Kerle bemühen sich auch sehr darum, bei den wichtigsten Weibchen gut angeschrieben zu stehen.

Um Frieden bittet der, der gewonnen hat – könnte man sich ja bei den Schimpansen mal abgucken

Auch bei den Versöhnungen spielen diese einflussreichen Weibchen eine entscheidende Rolle. Sind zwei Koalitionsgefährten in einen Konflikt miteinander geraten, kann so ein Weibchen als Mediator auftreten und dafür sorgen, dass die Männchen Frieden schließen. Hat sie jedoch anderes im Sinne, weil ihr die jetzige Bundgenossenschaft nicht so zusagt, dann unterlässt sie das. Dann müssen die Männchen den Konflikt alleine beilegen. Wenn das nicht gut gelingt, dann kann die Koalition daran zerbrechen.

Schimpansen, die sich nach einem Streit miteinander versöhnten, vertragen sich danach deutlich länger gut als wenn die Versöhnung ausbleibt. Auch ein interessanter Aspekt des Friedenstiftens bei Schimpansen: Den ersten Schritt zur Versöhnung macht immer der Gewinner des Konflikts! Also nicht etwa der Unterlegene, der den Sieger um Frieden bittet, sondern derjenige, der die Oberhand hatte!

Der Gewinner schlägt das Friedenschließen vor. „Lass uns wieder gut sein“ fällt den Schimpansen offensichtlich gar nicht so schwer. Wäre nicht schlecht, wenn wir Menschen das mal den Schimpansen nachäffen würden!

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