Kirche

Entlassung des Stadtdechanten Hennes schockt Düsseldorf

„Es ist grundsätzlich wichtig, dass wir jeden Hinweis ernst nehmen“: Rainer Maria Kardinal Woelki.

„Es ist grundsätzlich wichtig, dass wir jeden Hinweis ernst nehmen“: Rainer Maria Kardinal Woelki.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Düsseldorf/Köln.  Der Düsseldorfer Stadtdechant Ulrich Hennes soll 2001 Sex mit einem jungen Mann gehabt haben. Er will sich gegen die Amtsenthebung wehren.

Überraschung am Mittwochabend: Nach monatelangen Untersuchungen hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki Düsseldorfs Stadtdechanten Ulrich Hennes seines Amtes enthoben. Für den im Frühjahr wegen des Vorwurfes der sexuellen Belästigung beurlaubten Düsseldorfer Stadtdechanten Ulrich Hennes soll es keinen Weg zurück geben. Gegen den beurlaubten Geistlichen ein Verfahren zur Amtsenthebung als Pfarrer eingeleitet worden. Die Entscheidung löste in Düsseldorf Betroffenheit aus.

„Das ist eine zutiefst bedauerliche Entscheidung. Vor allem hinsichtlich der Folgen für Monsignore Hennes“, äußerte sich Michael Szentei-Heise, Vorstandsdirektor der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, gegenüber dieser Redaktion. Das sei auch ein Rückschlag für die Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften in der Stadt. Und auch Oberbürgermeister Thomas Geisel zeigte sich „sehr betroffen“.

Er habe den Eindruck, dass die Entscheidung „sehr einsam und nach intransparenten Regeln“ getroffen worden sei, sagte Geisel. Defensiver äußerte sich Bürgermeister Friedrich G. Conzen (CDU): „Stadtdechant Hennes war mir menschlich sympathisch. Ansonsten bin ich nicht in der Materie drin - auch wenn ich im gleichen Verein bin - und kann daher nichts weiteres sagen.“

Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen eingestellt

Gegen den Geistlichen war der Vorwurf erhoben worden, er habe im Jahr 2001 Sex mit einem damals 20-jährigen Mann gehabt, der sich in einem Seelsorgegespräch ratsuchend an Hennes gewandt hatte. Hennes selbst bestreitet den sexuellen Kontakt ausdrücklich.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Juni alle Ermittlungen gegen ihn eingestellt – laut Erzbistum, weil der Mann zum Zeitpunkt des angegebenen Vorfalls bereits volljährig war und verneint hatte, dass die sexuellen Handlungen gegen seinen ausdrücklichen Willen stattfanden. Hennes Anwalt Peter Schnatenberg indes sieht seinen Mandanten vollständig entlastet.

Eidesstattliche Versicherung abgegeben

Das Erzbistum jedoch hält die Vorwürfe nach einer kirchenrechtlichen Vorprüfung für glaubwürdig. Es geht davon aus, dass Hennes, „das besondere Vertrauen, dass ihm als Priester entgegen gebracht wurde, für seine Interessen ausgenutzt“ hat. Der Mann, der damals das Seelsorgegespräch gesucht hatte, habe eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Desgleichen hätten fünf Personen getan, denen der Mann damals zeitnah von den Vorkommnissen erzählt haben will.

„Es ist grundsätzlich wichtig, dass wir jeden Hinweis ernst nehmen und den Betroffenen Glauben schenken“, betonte Kardinal Woelki laut einer Mitteilung des Bistums. der 57-jährige Hennes bleibt für den weiteren Verlauf des Verfahrens beurlaubt. Die Amtsenthebung muss laut Kirchenrecht von Pfarrkonsultatoren bestätigt werden. Hennes selbst kann Berufung einlegen, dann geht der Fall nach Rom.

Düsseldorfs Katholiken übten scharfe Kritik an Kardinal Woelki

„Ich habe mir nichts vorzuwerfen, weder strafrechtlich noch moralisch“, ließ der beurlaubte Düsseldorfer Stadtdechant Ulrich Hennes über seinen Anwalt mitteilen. „Deshalb werde ich alle rechtlichen Möglichkeiten wahrnehmen, um mich gegen diese von mir als sehr ungerecht empfundene Entscheidung zu wehren.“ Die Vorwürfe seien an den Haaren herbeigezogen.

Noch im Juli hatten die Vorstandsmitglieder der Stadtkirche St. Lambertus ihrem Ärger über die Beurlaubung Hennes’ Luft gemacht. In einem Brief an Kardinal Woelki heißt es: „Wir teilen ihnen in aller Form unser Unverständnis und unsere Verärgerung über die nicht stattfindende Kommunikation mit“. Zudem habe der Erzbischof mit seinem Vorgehen dem Ruf der Kirche geschadet: „Wir verstehen nicht, warum das Erzbischöfliche Generalvikariat einen ungeprüften Verdacht direkt an die Öffentlichkeit gegeben hat. Auch die Bestätigung bezüglich eines angeblichen Vorfalls aus den 90er Jahren empfinden wir als misslich“, heißt es in dem Brief. (red mit dpa)

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