Coronavirus

Fake News: Das sind die größten Corona-Mythen im Check

Im Netz verbreiten sich Falschmeldungen schnell – und werden oft nicht hinterfragt.

Im Netz verbreiten sich Falschmeldungen schnell – und werden oft nicht hinterfragt.

Foto: DENIS CHARLET / AFP

An Rhein und Ruhr.  Falschmeldungen zum Coronavirus verbreiten sich rasant in den sozialen Medien und verunsichern. Wir haben uns einige Behauptungen angeschaut.

Dass Populisten und Verschwörungstheoretiker auf Twitter, Facebook und Co. Zulauf finden, ist kein neues Phänomen. Doch gerade in Zeiten der Corona-Pandemie haben Falschmeldungen in den sozialen Medien besonderes Potential, für Verunsicherung zu sorgen. Unlängst machte etwa der Lungenarzt und ehemalige Bundestagsabgeordnete der SPD, Wolfgang Wodarg, auf der Videoplattform Youtube mit steilen Thesen zum neuartigen Coronavirus von sich hören.

Auch auf unseren Seiten, unter unseren Artikeln, werden in den Kommentarspalten Spekulationen und Gerüchte gepostet. „Nur komisch, dass Europa am meisten betroffen ist, selbst China und drumherum geht’s bergauf, obwohl es da her kommt, selbst in Russland und die USA ist es nicht so schlimm“, mutmaßt etwa ein Nutzer.

Wir greifen im Folgenden hartnäckige Behauptungen und Irrtümer auf, die immer wieder in Nutzer-Kommentaren geäußert werden – und unterziehen sie einem Faktencheck.

Irrtum 1: "Das Coronavirus wurde im Labor gezüchtet und ist gar nicht neu"

  • Behauptung: Im Internet kursieren Spekulationen über den Ursprung des Virus, in denen es heißt, das neuartige Coronavirus sei im Labor gezüchtet worden. Das Virus sei vielleicht gar nicht so neu, hatte auch Wolfgang Wodarg argumentiert. Man könne nicht wissen, „ob nicht schon in Peking oder in Italien früher diese Viren vorhanden waren“.
  • Fakten: Das Virus ist nach übereinstimmender Ansicht von Forschern kürzlich zum ersten Mal bei Menschen aufgetreten. Als Ursprung des neuartigen Coronavirus gilt bisherigen Erkenntnissen zufolge China, wo es von wohl auf einem Markt in Wuhan auf den Menschen übergesprungen ist. Bei Besuchern dieses Marktes war das Virus erstmalig nachgewiesen worden. Die Befürchtung hingegen, das neuartige Virus könne etwa auch durch Moskito-Stiche übertragen werden, weist die Weltgesundheitsorganisation zurück. Bislang gebe es keinerlei Erkenntnisse für diese Annahme.

    Wie neu genau Sars-CoV-2
    ist, ist schwer zu sagen. Allerdings bezweifeln Forscher, dass es das Virus schon Jahre vor den ersten Krankheitsfällen in China gab. „Sollte dieses Virus schon vorher in Italien oder China vorhanden gewesen sein, hätte man die Erkrankten erkannt, die negativ auf die bekannten Atemwegserreger sind, und hätte nach dem neuen Erreger gesucht – so wie im Dezember in China“, sagt Stephan Becker vom Institut für Virologie der Universität Marburg.


Weitere Hinweise darauf, dass es sich um einen neuen, sich rasch verbreitenden Erreger handelt, geben laut dem Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Jörg Janne Vehreschild, die Daten zum Krankheitsverlauf. In den meisten Statistiken sei etwa zwei Wochen nach Anstieg der Fallzahlen auch ein Anstieg der Sterbezahlen zu sehen. Wäre das Virus von vornherein in der gesamten Bevölkerung verbreitet gewesen, wäre das Muster ein anderes.
Irrtum 2: " Das Coronavirus wird übers Trinkwasser übertragen"

  • Behauptung: Corona wird durch das Trinkwasser oder die Luft übertragen – auch diese Behauptungen geistern durchs Netz.
  • Fakten: Das Robert-Koch-Institut (RKI) nennt als Hauptübertragungsweg die Tröpfcheninfektion. Theoretisch möglich seien auch eine Schmierinfektion und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen. Für eine „aerosole“ Übertragung gebe es bislang keinen Beweis. Auch das Umweltbundesamt nennt eine Übertragung per Trinkwasser höchst unwahrscheinlich. „Leitungswasser ist sehr gut gegen alle Viren, einschließlich des neuartigen Coronavirus, geschützt und kann bedenkenlos getrunken werden.“

Irrtum 3: "Das Coronavirus ist doch nur für Ältere gefährlich!"

  • Behauptung: Einige Kommentare deuten auf eine gewissen Sorglosigkeit unter jüngeren Menschen hin. Einige scheinen zu glauben, dass das Virus alleine ältere Menschen betrifft – und Jüngere deshalb keine Vorsichtsmaßnahmen ergreifen brauchen.
  • Fakten:Menschen jeden Alters können mit dem neuen Coronavirus infiziert werden“, stellt die Weltgesundheitsorganisation klar. Zwar scheinen ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankung wie Asthma, Diabetes oder Herzkrankheiten anfälliger, sodass sie zur Risikogruppe zählen. Die Krankheitsverläufe sind laut Robert-Koch-Institut unspezifisch, vielfältig und variieren stark, von symptomlosen Verläufen bis zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Bisherigen Daten des Robert-Koch-Instituts zufolge ist die Symptomatik von Covid-19 bei Kindern deutlich geringer ausgeprägt ist als bei Erwachsenen.


„Zum tatsächlichen Beitrag von Kindern und Jugendlichen an der Transmission in der Bevölkerung liegen keine Daten vor“, heißt es seitens des Instituts. „Aufgrund der hohen Kontagiosität des Virus und dem engen Kontakt zwischen Kindern und Jugendlichen untereinander erscheint es jedoch plausibel, dass Transmissionen stattfinden.“ Zudem: Vorerkrankungen können in jeder Altersgruppe vorkommen, sodass auch jüngere Menschen in die Risikogruppe fallen können. So gilt für alle, sich und andere gegen das neue Coronavirus zu schützen.
Irrtum 4: "Regelmäßig Wasser trinken verhindert Ansteckung mit Corona"

  • Behauptung: Ein Kettenbrief auf Facebook und WhatsApp empfiehlt: „Trinken Sie alle 15 Minuten ein paar Schlucke Wasser“. Das soll laut dubioser Nachricht eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus verhindern.
  • Fakten: Regelmäßig Wasser zu trinken, bringt gegen das Coronavirus nichts, teilte die Weltgesundheitsorganisation auf diese im Netz oft gestellte Frage mit. Zwar diene regelmäßiges Wassertrinken generell der Gesundheit, schütze aber nicht speziell gegen eine Infektion mit dem Covid-19-Erreger.

Irrtum 5: "Chloroxid hilft gegen Corona"

  • Behauptung: Es wird in den sozialen Medien als Heilmittel gegen das Coronavirus – und andere Krankheiten – gepriesen: Chlordioxid, ein Bleich- und Desinfektionsmittel.
  • Fakten: Viele Medienberichte und die Verbraucherzentrale haben bereits vor dem Einnehmen von Chlordioxid gewarnt, da das Mittel stark gesundheitsschädlich ist. Es helfe auch nicht, sich selbst mit Chlor oder Alkohol zu besprühen, betont die Weltgesundheitsorganisation. Als Desinfektionsmittel auf Flächen können sie hingegen wirkungsvoll sein. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt, zur chemischen Desinfektion Mittel mit nachgewiesener Wirksamkeit, mit dem Wirkungsbereich „begrenzt viruzid“ – wirksam gegen behüllte Viren –, „begrenzt viruzid Plus“ oder „viruzid“ anzuwenden.

Hier beantwortet Prof. Dr. Ulf Dittmer, Virologe an der Uniklinik Essen, Fragen zur aktuellen Lage und erläutert den Forschungsstand beim Impfstoff. (red. mit dpa)

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