Das Bio-Weindorf

Groesbeek bei Kleve ist das Bio-Weindorf der Niederlande

Weinbaumzentrum in Groesbeek, auf einem kleinen Hügel gelegen.

Weinbaumzentrum in Groesbeek, auf einem kleinen Hügel gelegen.

Foto: Rémon Ridder

Groesbeek (NL).  Vor 20 Jahren wurden in Groesbeek bei Kleve die ersten Rebstöcke gepflanzt. Der Biowein aus den Niederlanden ist eine Erfolgsgeschichte.

90 Meter über NN – das ist, für niederländische Verhältnisse, geradezu eine alpine Herausforderung. Nun, es gibt rund um Groesbeek in der Gemeinde Berg en Dal, etwa 20 Kilometer von Kleve entfernt, in der Tat ein paar Hügel, Wald und viele schöne Möglichkeiten, zu wandern und Natur zu erleben. Dass man aber plötzlich mitten im nederlands wijnbouw centrum, also dem „niederländischen Weinbauzentrum“ steht, mag dann doch verblüffen. Keine Berge, keine sonnenüberfluteten Hänge – aber Rebstöcke so weit das Auge reicht.

Ein Hügelchen, das die Sonne mag

Sheila Evers strahlt. „Hier ist Colonjes. Hier wächst unser Wein.“ Und mittendrin kann man sitzen, entspannen, verkosten und genießen. Was für eine verrückte Idee.

Vor fast genau 20 Jahren wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt, an einem „Südhang“, einem Hügelchen, den die Sonne mag. „In den Boden gebracht wurden 2000 Stöcke des Regent, eine neue hybride blaue Rebsorte“, sagt Sheila Evers. „Niemand hatte so einen Erfolg des Weinanbaus in Groesbeek erwartetet.

Aber die neuen Rebsorten und die geschmackvollen Erstweine der Colonjes machten einen hervorragenden Eindruck.“ Und so wurde aus einer kleinen, privaten Initiative, aus einem Hobby, ein inzwischen professionell geführter Betrieb. Im eigenen Weinkeller werden mittlerweile verschiedene Rebsorten zu Weiß-, Rot-, Rosé- und Schaumwein verarbeitet.

https://nederlandswijnbouwcentrum.nl/?lang=de

Die Groesbeeker Winzer sind nicht allein. Die Niederlande haben mittlerweile mehr als 150 Weinberge mit einer Gesamtfläche von rund 250 Hektar. Die gesamte Produktion von niederländischem Wein hat etwa eine Million Flaschen Wein pro Jahr erreicht. In Groesbeek werden heute rund 25 Hektar bepflanzt.

Mit dem etwa 13 Hektar großen Weinberg ist der Colonjes der größte Bio-Weinberg in den Niederlanden. Die 13 Hektar Rebfläche verteilen sich genau genommen auf drei Weinberge, de Colonjes, Knapheide und Op’t Hof. „Die Reben sind auf einem reichen Lößboden gepflanzt und das schmeckt man an den Weinen, die geschmacksintensiv und sehr mineralreich sind“, sagt Sheila. Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Weine der Colonjes bei verschiedenen internationalen Weininspektionen regelmäßig Preise gewinnen könnten.

Wijnhoeve de Colonjes hat weiße und blaue Rebsorten gepflanzt, die für das niederländische Klima geeignet sind: Regent, Pinotin, Cabernet Cortis, Cabernet Colonjes, Cabernet Blanc, Helios, Riesel, Johanniter und Muscaris. „Im Weißwein sind wir besser“, sagt Sheila Evers. „Aber wir lernen ja auch noch.“

Rot oder lieber Weiß?

Das Besondere: Jeder Weinbauer bekommt seinen eigenen Wein aus seinen eigenen Trauben – auch wenn die Lese überschaubar bleibt und am Ende nur ein paar Hundert oder auch nur ein paar Dutzend Flaschen produziert werden.

Und so stehen im Keller des 2017 errichteten Weinbau Zentrums viele große und kleine Tanks, in denen der Rebsaft ruhen kann und verarbeitet wird. Und jede Flasche bekommt ihr eigenes Etikett – jeder Weinbauer „seinen“ Wein. Das ist aufwändig, passt aber zum Konzept: Liebe zum Wein, Liebe zum Menschen, Liebe zur Natur, das Leben genießen.

Tipp:

Ein Plätzchen auf der Sonnenterrasse des Weinbauzentrums, den Blick schweifen lassen über all die Rebstöcke, den Turmfalken zuschauen und ein Gläschen Colonjes Helios verkosten. Leicht und frisch, Äpfel, Melonen und Pfirsiche tummeln sich am Gaumen. Oder „Theos Witte“, ein Cabernet Blanc – Aromen von Holunderblüten, Cassis, Äpfeln, grünem Paprika und frisch geschnittenem Gras… Oder doch lieber rot? Colonjes Recortis, robust, mit starker Tanninstruktur, Aromen schwarzer Früchte und Kräutern.

Auch ein echter Groesbeeker.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben