Prozessauftakt

Gruppenvergewaltigung: Prozessauftakt mit grausigen Details

Am Amtsgericht Neuss startete der Prozess gegen fünf Männer, die wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurden.

Am Amtsgericht Neuss startete der Prozess gegen fünf Männer, die wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurden.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Neuss/Krefeld/Kreis Wesel.  Fünf Männer vom Niederrhein sollen an Frauen ihre sexuellen Gewalt- und Machtfantasien ausgelebt haben. Angeklagter beteuert Einvernehmlichkeit.

Als die fünf Männer den Gerichtssaal betreten, bricht ein Blitzlichtgewitter los. Die Angeklagten halten Mappen schützend vor sich. Erst als Fotografen und Kamerateams den Saal verlassen, offenbaren sie ihre Gesichter. Das Interesse an diesem Morgen ist groß, die Zuschauerreihen im großen Saal am Amtsgericht Neuss fast komplett belegt.

Wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung in wechselnder Beteiligung müssen die fünf Männer sich seit Freitag vor dem Landgericht Kleve, das aus Platzgründen nach Neuss auswich, verantworten. Die detailreiche Anklageschrift lässt ein Martyrium erahnen: „Sie hat nicht gesagt, dass sie es nicht will“, beteuert hingegen einer der mutmaßlichen Täter.

Während Staatsanwalt Thomas Althoff die Anklage verliest, verziehen die fünf Angeklagten, die zwischen 24 und 29 Jahre alt sind, keine Miene. Sie sind am Niederrhein beheimatet, wohnen in Moers, Wesel, Krefeld und Dinslaken. Laut Anklage sollen sie zwei junge Frauen, eine im Februar, die andere im März dieses Jahres, möglicherweise durch K.-o.-Tropfen-ähnliche Substanzen zunächst wehrlos gemacht und sie dann gemeinsam missbraucht haben – teilweise über Stunden. Und: Sie sollen Gegenstände für ihre sexuellen Handlungen an einer Frau verwendet haben, die das Opfer im Intimbereich verletzten. Ihre Taten sollen sie schließlich per Handyvideo dokumentiert haben.

29-jähriger Moerser lernte das spätere Opfer in der Disco kennen

„Ich bin nicht davon ausgegangen, dass ich etwas gegen ihre Willen mache“, erklärt einer der Angeklagten vor Gericht. Der 29-jährige Moerser soll an der Tat in der Nacht vom 19. auf den 20. März beteiligt gewesen sein. Das damals 21-jährige Opfer lernte er in einem Nachtclub in Düsseldorf kennen. Ein ebenfalls anwesender Mann, den der Moerser nach eigenen Angaben nicht kannte, habe ihm gesagt: „Mit ihr kam man alles machen, was man will.“

Der 29-Jährige und die junge Frau tauschten ihre Handynummern aus, verabredeten sich kurz darauf für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Mit einem Freund, der ebenfalls zu den Angeklagten gehört, habe er das Mädchen zuhause abgeholt. Zu dritt fuhren sie in die Wohnung des angeklagten Krefelders, tranken Alkohol, hörten Musik. „Sie sagte zu mir: Warum ziehst du dich denn nicht aus?“, erklärt der 29-Jährige dem Gericht.

Angeklagter betont: Alles war einvernehmlich

Was er nun über diesen Abend berichtete, widerspricht der Anklageschrift deutlich. Die sexuellen Handlungen an ihr mit einem Besen habe es nicht gegeben. Auch ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie das Mädchen eine Schreckschusspistole in den Mund nimmt, sei entgegen der Anklageschrift einvernehmlich entstanden. Zwar habe das Mädchen auf die Frage nach einem solchen Foto mit Nein geantwortet, aber: „Sie hat dabei gelacht. Ich habe nicht verstanden, dass sie es wirklich nicht will“, erklärt der Moerser.

Schließlich soll der 29-Jährige gefilmt haben, wie einer seiner Freunde das Mädchen misshandelte. Auch hier ging der Moerser davon aus, dass sie es wollte. Nur dass sie dabei nicht gefilmt werden wollte, räumte er ein: „Das tut mir sehr leid, das war ein Fehler.“ Am nächsten Tag, so der Moerser, habe er sogar erneut Kontakt via Whatsapp mit dem Mädchen gehabt. Sie soll bedauert haben, dass es nicht zum Geschlechtsverkehr mit ihm gekommen sei. „Sie wollte ein weiteres Treffen mit mir.“

Den mutmaßlichen Tätern drohen bis zu 15 Jahre Haft

Die vier weiteren Angeklagten sagten am Freitag nicht aus, auch Zeugen wurden noch nicht vernommen. Die beiden mutmaßlichen Opfer sind Nebenkläger in dem Verfahren. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, könnten den Männern empfindliche Strafen drohen: „Ihnen droht bis zu 15 Jahre Haft“, hatte Mediendezernent Alexander Lembke kurz vor Prozessbeginn erklärt. Weitere Termine sind bis zum 20. Dezember angesetzt.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben