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Schützenvereine wollen mit Laser-Schießen an Schulen werben

So sieht das Schießen mit dem Lasergewehr aus – hier beim Bürgerschützenfest des BSV 1865 Schmachtendorf.

So sieht das Schießen mit dem Lasergewehr aus – hier beim Bürgerschützenfest des BSV 1865 Schmachtendorf.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Sportschützen aus Siegen und Rheinhausen wollen mit Schulen kooperieren. Schießen eigne sich für Kinder mit ADHS. Ein Sportwissenschaftler warnt.

Die Schießsportvereine werden nicht jünger: Sie haben das besondere Problem, dass bei ihnen erst Jugendliche ab zwölf Jahren zum Gewehr greifen dürfen. Ein Alter, in dem viele Kinder bereits andere Sportarten für sich entdeckt haben – Fußball, Tanzen oder vielleicht Bogenschießen. Der BSV Rheinhausen-Bergheim will das Problem demnächst anpacken und verstärkt Kinder ab sechs, spätestens aber ab neun oder zehn Jahren fürs Schießen mit dem Lasergewehr gewinnen. Vor allem auch Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) nehmen die Schützen dabei in den Blick. Und die Rheinhauser sind nicht die einzigen.

Die Sportschützen Hengsbach & Almer 1951 aus Siegen machen mit ihrem Engagement bereits gute Erfahrungen, erläutert Jugendleiter Andreas Baucke. Im Jahr 2018 begann eine Kooperation mit der ortsansässigen Hauptschule. Bei einer AG Sommerbiathlon lernten Schüler das Schießen mit der Lichtpunktwaffe (Laser). Ein Jahr lang bestand die AG. „Das war eine super Sache“, sagt Andreas Baucke.

Die Aktion habe zu Vereinszuwachs geführt, einige Schüler sind so auf den Verein aufmerksam geworden und würden inzwischen an Meisterschaften teilnehmen, meint Baucke. Seiner Meinung nach habe es der Deutsche Schützenbund in der Vergangenheit verschlafen, an Schulen für den Sport zu werben – im Gegensatz zu den Bogenschützen, die hier bereits aktiver seien.

Schießsport hat ein schlechtes Image

Die Laser-Disziplin „für Kinder und Jugendliche in der Altersklasse unter zwölf Jahren gewinnt seit geraumer Zeit eine zunehmende Bedeutung für die Jugendarbeit unserer Vereine“, führt Uwe Pakendorf, Geschäftsführer des Rheinischen Schützenbundes aus.

Kinder- und Jugendliche würden von dem Sport profitieren, meint er. „So belegen verschiedene Studien, dass die körperliche, geistige und soziale Entwicklung gefördert und zugleich die Belastungsfähigkeit und Stressresistenz verbessert werden. Diese Auswirkungen spiegeln sich häufig auch in den schulischen Leistungen der jungen Sportler wider. Sie können sich über einen längeren Zeitraum besser konzentrieren und lernen sich zu fokussieren. Insbesondere Kinder mit ADS/ADHS können davon profitieren.“

Prof. Dr. Gebken, Sport-Sozialwissenschaftler der Uni Duisburg-Essen sieht das Vereinsengagement in Kooperation mit Schulen höchst kritisch. „Wir haben zu viele schreckliche Erfahrungen mit jungen Menschen gemacht, die Zugang zur Waffe hatten“, meint er. Waffen hätten an Schulen nichts zu suchen.

Selbst beim Einsatz von Laserwaffen bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörungen gebe es andere Möglichkeiten, meint der Sportwissenschaftler. Entspannungsübungen, Achtsamkeitstrainings, Ringen und Raufen – all das könnten Ansätze sein, um die Konzentration bei Kindern mit ADHS zu fördern, rät er. Die Siegener hingegen sind von ihrem Konzept überzeugt und bekämen positive Rückmeldungen von Lehrern und Eltern, auch von denjenigen, die anfangs kritisch gewesen seien, meint Baucke.

Vereine gehen behutsam an das Thema

Er weiß sehr wohl um das teils immer noch schlechte Image des Schießsports. Deshalb rät er jedem Verein, behutsam und geplant das Thema Nachwuchsförderung anzugehen. Die Sportschützen Hengsbach & Almer betten das Schießsporttraining demzufolge auch in ein Gesamtkonzept ein, bieten im Vereinsheim auch Billard, Kicker oder sogar Nachhilfeunterricht an. Nicht der Leistungsgedanke, sondern der Spaß solle im Vordergrund stehen. So werde aus dem Sportverein ein Stück weit Jugendtreff. „Wir wollen damit zeigen: Der Schießsport kann mehr“, sagt Baucke.

Sein Klub leiste auch einen Beitrag zur Inklusion. Menschen mit Körperbehinderungen können hier mit dem Luftgewehr schießen, es gibt eine Anlage für Sportler mit Sehbehinderung und Menschen mit geistigem Förderbedarf können bei der Laserdisziplin aktiv werden. Unter anderem fördert die Aktion Mensch den Verein.

Kontakt über Selbsthilfegruppen, Eltern und Schulen

Auch beim BSV Rheinhausen laufen solche Förderanträge, der Klub will sich zukünftig um Kinder mit ADHS kümmern. Noch, so erklärt BSV-Geschäftsführer Klauspeter Hennes, stecke man in der Planungsphase. Derzeit werde eine Infobroschüre kreiert. Zunächst wolle der Verein Kontakt mit ADHS-Selbsthilfegruppen aufnehmen und darüber auf das Angebot hinweisen. In einem zweiten Schritt wollen sie mit Eltern ins Gespräch kommen und schließlich Zugang zu Schulen finden.

Auch in Rheinhausen weiß man, dass man sich beim Schießsport die Akzeptanz erarbeiten muss. Deswegen will man sich gut vorbereiten. „Wir gehen das Projekt vorsichtig an, wir möchten nicht auf die Nase fallen“, sagt Hennes. Aber, die Nachwuchsförderung wolle man auch nicht allein den Bogenschützen überlassen. Der Verein wolle nicht den Leistungsgedanken in den Vordergrund stellen, sondern die Kinder und Jugendlichen vielmehr spielerisch, zum Beispiel in Kombination von Rätseln oder Laufspielen, an den Schießsport führen. Im Zentrum stünden Spaß und Therapieerfolg, meint Hennes.

Gut ausgebildete Übungsleiter

Frank-Michael Rall, Sprecher des Landessportbundes in NRW, sieht in solchen Kooperationen zwischen Sportverein und Schule eine Win-win-Situation – auch wenn es sich um den Schießsport handelt. Schließlich gebe es mehrere Sportarten, die auf den ersten Blick exotisch scheinen, und trotzdem mit Schülern ausgeführt werden. Beispiel: Kickboxen. „Wenn es altersgerecht und intelligent gemacht wird, bedeutet das einen Mehrwert“, meint Rall. Die Sportverbände wüssten, was sie dem Alter entsprechend anbieten können. Zudem gebe es auch bei den Schützen gut ausgebildete Übungsleiter, die über das entsprechende Know-how verfügten. Pakendorf vom Schützenbund versichert, dass „bis in die untersten Ebenen des Schießsports qualifizierte Trainer und Jugendbetreuer tätig sind“.

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