„Apokalyptischer Hunger“

Maikäferlarven setzen Waldstücken in Duisburg und Wesel zu

Ein Maikäfer: „Dort, wo er auftritt, ist er nicht nur ein nettes Krabbeltier“, sagt Otto Pöll, der Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein.

Ein Maikäfer: „Dort, wo er auftritt, ist er nicht nur ein nettes Krabbeltier“, sagt Otto Pöll, der Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Duisburg/Wesel.  Neupflanzungen machen erstmal keinen Sinn: Im Duisburger Stadtwald und im Diersfordter Wald bei Wesel haben Maikäferlarven Jungbäume zerstört.

Zwei trockene Sommer hintereinander, die Stürme zu Jahresbeginn, dann auch die Borkenkäferinvasion: Für die Wälder auch in Nordrhein-Westfalen kommt es bekanntlich ziemlich dicke. Der Duisburger Stadtwald hat örtlich noch ein Problem mehr: Auf einer Fläche von vielleicht 200 Hektar haben sich im Boden Maikäferlarven am Wurzelwerk vor allem junger Bäume dickgefressen.

Zumeist verschiedene Eichen und Buchen stehen in dem Bereich am Forsthaus Curtius. Die älteren, tiefwurzelnden Bäume dürften die Fraßattacke aus diesem Sommer überstehen – wobei einige auch durchaus lädiert aussehen, wie Stadtförster Axel Freude an diesem Samstag (9. November 2019) im Gespräch mit der Redaktion berichtete.

Selbst acht und zehn Jahre alte Bäume massiv geschädigt

Sehr ernste Schäden gebe es auf einem in der Summe vielleicht Zehntel der Fläche. Dort hätten die Engerlinge genannten Maikäferlarven die Wurzeln derart geschädigt, dass Bäume sowohl in Anpflanzungen wie auch aus der Naturverjüngung abgestorben sind. „Da sind auch acht bis zehn Jahre alte Bäume darunter“, berichtet Freude.

Machen könne man gegen die Engerlinge nichts. „Selbst wenn es passende Insektizide gäbe, würden wir die wohl auch nicht einsetzen können und wollen“, sagt der Stadtförster. Es bliebe nur, zu warten, bis der Maikäfernachwuchs nichts mehr zu fressen habe, durch Parasiten oder Krankheiten dezimiert ist, und Käfer keine neuen Eier mehr in den Boden legen.

Schon zwei Engerlinge pro Quadratmeter gelten als kritisch

Otto Pöll, Leiter des Regionalforstamtes Niederrhein, weiß gut, wovon der Kollege spricht. Im Diersfordter Wald bei Wesel wird ein etwa 100 Hektar großes Forststück seit drei Jahren vom Maikäfer-Nachwuchs heimgesucht. Die Förster haben den Kulturbetrieb eingestellt und bis heute nicht wieder aufgenommen. Neuanpflanzungen machten keinen Sinn, solange Engerlinge im Boden sind: „Die haben einen apokalyptischen Hunger“, sagt Pöll auf Nachfrage der Redaktion.

Nach der Eiablage durch das Maikäfer-Weibchen verbringen die geschlüpften Engerlinge in der Regel drei Jahre im Boden. Vor allem die beiden Endstufen der Larve gelten als gefräßig. „Die Engerlinge sind dann so groß wie kleine Finger eines erwachsenen Menschen“, erklärt Forstamtsleiter Pöll. Schon zwei Engerlinge pro Quadratmeter gelten im Boden laut Literatur kritisch, wie Stadtförster Freude erläutert.

Larven in Duisburg schon nach zwei Jahren verpuppt

Jetzt - im November - ist Ruhe im Karton, sprich: im Boden. Axel Freude geht davon aus, dass sich die Engerlinge in Duisburg infolge der warmen Sommer schon nach zwei Jahren verpuppt haben. Die Maikäfer dort waren im Jahr 2017 geschwärmt und hatten ihre Eier gelegt. Mit gespannter Erwartung blickt Förster Freude dem nächsten Frühjahr entgegen und dem Schlüpfen der dann neuen Maikäfer – und der Frage, wo die dann ihre Eier ablegen.

Es könnten viele Maikäfer werden. Bei einer Grabung, allerdings schon im vergangenen Jahr, waren die Duisburger Förster auf 27 bis 45 Engerlinge pro Quadratmeter Boden gestoßen.

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