Poppe Folkerts in Kalkar

Meer und mehr: Der Maler Poppe Folkerts im Museum in Kalkar

Ein typisches Seestück von Poppe Folkerts. 

Ein typisches Seestück von Poppe Folkerts. 

Foto: Ingo Plaschke

Am Niederrhein.  Da, wo die Sehnsucht grenzenlos ist, stand einst Poppe Folkerts und malte: am Meer. Einmal gar in Rees. Zu sehen in einer Ausstellung in Kalkar.

Es ist so: Wer seine tiefe Sehnsucht nach dem endlos weitem Meer sofort stillen möchte, der stiefelt bitte gleich die vielen Stufen des backsteinernen Giebelhauses hinauf. Beinahe unter der Decke hängen sie: zwei Klassiker von Poppe Folkerts, dem Maler der hohen See. Viel Wasser aus dickflüssigem Öl. Flache Wellen, schäumende Wogen, darüber türmen sich Berge von Wolken auf. Man muss bloß lange genug vor dem „Englischen Kanal“ von 1901 und der „Nordsee“ von 1940 stehen, dann schmeckt man vielleicht irgendwann sogar etwas Salz auf den Lippen.

Beim Klabautermann! „Een Duivelskerl“, ein Teufelskerl, haben die Insulaner auf Norderney von ihrem Poppe Folkerts geschwärmt. Wer sich ebenfalls von dessen mittelgroßen Meerchen auf Holz (!) berauschen lassen möchte, der muss im Städtischen Museum in Kalkar vor Anker gehen. Von „Meer, Fluss, Land und Leuten“ heißt die Ausstellung, die eine umfassende Werkschau des Künstlers darstellt.

Zum Glück haben Lioba Rochell und Ludger Seesing vom Verein der Freunde Kalkars die 44 Gemälde und rund 20 Skizzen sehr klug und nicht konventionell zusammengestellt. Sie präsentieren den Maler, Zeichner und Grafiker erfrischend anders. Gleich zu Beginn zeigen sie eben nicht den blanken Hans, sondern Vater Rhein, an dem es sprichwörtlich doch so schön ist.

Überraschung: die Stadt Rees!

Da ist der Drachenfels mit der gleichnamigen Burgruine zu sehen, genauso wie die Flussauen bei Rodenkirchen nahe Köln. Und, das ist die eigentliche Überraschung dieser Schau: auch die Stadt Rees hat Poppe Folkerts verewigt. Vom linken Ufer aus, kurz vor Stromkilometer 837 muss er gestanden haben, als er im Jahre 1936 die Szenerie festhielt.

Das Bild zeigt ein kleines Holzschiff mit einem Mast, an dem ein weißes Segel im Wind hängt. Fünf Männer sitzen in dem Boot, vier von ihnen rudern, einer hält das Steuer. Im Hintergrund ist der alte Mühlenturm zu erkennen, noch besser die katholische Pfarrkirche Sankt Maria Himmelfahrt. Eine unverkennbare Silhouette, damals noch ohne die Hochwasserschutzmauer und Promenade.

Dieser Anblick ist übrigens die einzige malerische Verbindung zwischen dem Nordlicht und dem Niederrhein, die in dieser Ausstellung zu entdecken ist. Ob sich im gut gepflegten Nachlass von Poppe Folkerts, der mehr als 500 Werke umfasst, noch weitere niederrheinische Ansichten befinden, bleibt unbeantwortet; schade.

Dies führt allerdings zu der Frage, warum Herr Folkerts ausgerechnet und ausgiebig in Kalkar gewürdigt wird? Die Antwort lässt sich personifizieren: Karl Welbers ist heute Vorsitzender der Fördergemeinschaft des Poppe-Folkerts-Museums auf Norderney und war fast zwei Jahrzehnte lang der Stadtdirektor des Nordseeheilbades. Geboren wurde er vor nunmehr 79 Jahren in Kalkar – alles klar?

Zurück zu „de Popp“, wie der ostfriesische Dichter Arend Dreesen seinen Freund nannte. Er überlieferte der Nachwelt auch die Arbeitsweise des Altmeisters, der auch mal Schüler von Professor Eduard von Gebhardt an der Kunstakademie in Düsseldorf war. „Am liebsten malte er seine Bilder draußen, vor der großen Natur, im ersten Wurf fertig: nur den letzen Pinselstrich sozusagen tut er im Atelier.“

Ein Freiluftmaler also. Er stellte seine Staffelei am Strand auf, stand mit den Füßen vor der auslaufenden Brandung, verewigte augenblicklich, was er sah: die Ausfahrt der Fischer, Schaluppen auf kleiner Fahrt, den Hafen von Norderney, die Abendstimmung in Greetsiel. Ja, Poppe Folkerts malte schön. Nein, er war doch kein Schönmaler.

Letzte Ruhe vor Norderney

Die „Letzte Zuflucht“ von 1904, zum Beispiel, zeigt einen Seemann, der sich mit aller Kraft aus einem Beiboot auf einen Zweimaster retten will; um ihn herum tosen die Brecher und tobt das Grau in der mörderischen See.

So gesehen ist Poppe Folkerts der Maler des Meeres – aber noch mehr. Die Landschaften einerseits, andererseits seine Porträts von bärtigen Seebären und friesischen Fischerinnen zeugen davon. Einen privaten Einblick erlauben die Bildnisse seiner Familie, von den vier Kindern und seiner Frau.

Sein Leben lang zog es ihn ans Wasser und noch weiter hinaus. „Das Seefahren hat für diese Menschen einen großen Reiz“, schrieb Heinrich Heine einst über Norderney. Passt auf Poppe Folkerts, der am 9. April 1875 dort geboren wurde, an einem schrecklichen Sturmtag. Später segelte er an Bord der kaiserlichen Marine auf der Nord- und Ostsee, über den Atlantik und im Mittelmeer, kam bis Istanbul und Jerusalem. Und kehrte nachher in seine Heimat zurück. Hier in seinem Haus mit dem Malerturm starb er an Silvester 1949. Ein Gedenkstein auf dem Inselfriedhof erinnert an ihn – bestattet wurde er auf Wunsch jedoch in einem Seemannsgrab, Position: N 53 47,3 und E 07 01,0.

>> INFO: Ausstellung in Kalkar, zu sehen bis Januar 2020

„Von Meer, Fluss, Land und Leuten“lautet der Titel der Werkschau mit Bildern des Malers Pope Folkerts, die bis zum 5. Januar 2020 im Städtischen Museum in Kalkar zu sehen ist. Die Arbeiten wurden vom Verein der Freunde Kalkars an den Niederrhein geholt, als freundliche Leihgabe der Fördergemeinschaft Poppe-Folkerts-Museum Norderney. Deren Vorsitzender ist Karl Welbers, von 1976 bis 1994 Stadtdirektor des Nordseeheilbades Norderney – und 1940 in Kalkar geboren. Am 22. November wird er vor Ort einen Vortrag über den Künstler halten. Die Ausstellung ist montags und dienstags von 11 und 13 Uhr sowie mittwochs bis sonntags von 11 und 17 Uhr zu besuchen. Wer Interesse an einer Führung hat, meldet sich bei Touristik-Information Kalkar, die im Haus ist, unter Ruf: 02824/ 1 31 20. Info: freunde-kalkars.de.

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