Corona

Shopping-Touristen drohen in Venlo und Roermond Bußgelder

Eine enge Gasse ist die Lomstraat in Venlo. Abstand zu halten, fällt hier schwer.

Eine enge Gasse ist die Lomstraat in Venlo. Abstand zu halten, fällt hier schwer.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Venlo.  Die beliebten Shopping-Ziele Venlo und Roermond erwarten trotz Corona am Wochenende einen Ansturm aus NRW. Es drohen Bußgelder von 390 Euro.

  • Nach dem Ansturm deutscher Touristen in Venlo und Roermond am vergangenen Wochenende, haben die Städte mit Blick auf das Himmelfahrtswochenende Warnungen ausgesprochen.
  • Bei Verstößen gegen die Corona-Regeln können hohe Bußgelder verhängt werden, von bis zu 390 Euro.
  • An Christi-Himmelfahrt blieb der befürchtete aber Ansturm weitgehend aus.

Update, Freitag, 17.55 Uhr: Der befürchtete Ansturm deutscher Shopping-Touristen in den Grenzstädten Venlo und Roermond ist zum Start ins Himmelfahrtswochenende trotz geöffneter Geschäfte weitgehend ausgeblieben. Die Städte hatten mit Blick auf das lange Wochenende deutliche Warnungen ausgesprochen. Es drohen Bußgelder von bis zu 390 Euro. Auch am Sonntag werden die Geschäfte in den Niederlanden geöffnet sein, besonders Einkaufstouristen aus NRW zieht es dann ins Nachbarland – in Zeiten des Coronavirus ist das ein Problem, trotz der ersten Lockerungen.

Ein verstärktes Aufgebot von Ordnungskräften achtet deshalb auf die Einhaltung der Corona-Regeln, wie die Sprecher in den Städten sagten. Nach der Erfahrung des vergangenen Sonntags, an dem Venlo für Corona-Verhältnisse viel zu voll gewesen sei, warnte die Stadt Venlo vor Verstößen. Sollte es trotz des Appells zu voll werden, will Venlo Parkplätze und Parkhäuser schließen oder auch Zufahrtsstraßen vorübergehend abriegeln.

Venlo hatte am Dienstag neue Regeln für Shopping-Touristen aufgestellt, nachdem am vergangenen Wochenende in der beliebten Grenzstadt zu viele Besucher unterwegs waren. Die große Zahl der deutschen Shopping-Besucher mache zusätzliche Maßnahmen erforderlich, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Wer sich nicht an die Regelungen hält, dem droht ein empfindliches Bußgeld. Er habe den Eindruck, dass noch mehr Einkaufstouristen als sonst über die Grenze kommen, weil der Einkauf ohne Schutzmaske sehr viel angenehmer sei, sagte Stadtsprecher Robert Bouten der Deutschen-Presse Agentur.

Region Limburg-Noord appelliert an Shopping-Touristen

Die zuständige Sicherheitsregion Limburg-Noord appelliert an den gesunden Menschenverstand. Ihre Bemühungen würden sich weiterhin darauf konzentrieren, die weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. „Jetzt kommt es auch auf das individuelle Verhalten des Besuchers bei der Einhaltung der Regeln an“, heißt es in einer Mitteilung der Region.

„Machen Sie aus Ihrem Besuch in der Region Nord- und Mittel-Limburg keinen lustigen Tagesausflug mit der ganzen Familie“, betont die Region. „An Christi Himmelfahrt und auch danach darf es nicht zu großen Menschenmengen in den Einkaufszentren und im Outlet Roermond kommen.“

Diese Regeln gelten nun für den Besuch in Venlo:

  • 1. Besucher müssen einen Mindestabstand von anderthalb Metern untereinander und zu den Beschäftigten einhalten, sowohl auf der Straße als auch im Geschäft. Wer dagegen verstößt, dem drohen 390 Euro Bußgeld.
  • 2. Wenn möglich, soll man in der Einkaufsstraße nur auf der rechten Seite gehen.
  • 3. Besucher sollen möglichst alleine und nicht mit der Familie kommen
  • 4. Der Besuch in der Einkaufszone soll gut vorbereitet sein, Einkäufe sollen gezielt gemacht werden
  • 5. Es soll nur das Produkt berührt werden, das man wirklich benötigt
  • 6. Zahlungen vorzugsweise mit EC-Karte oder Handy
  • 7. Wer eine Erkältung oder Grippe hat, soll unbedingt zu Hause bleiben
  • 8. Bevor Kunden ein Geschäft betreten, sollen sie auf den Aushängen lesen, welches Verhalten dort erwartet wird
  • 9. Anweisungen des Ladenpersonals und der Ordnungskräfte sollen befolgt werden
  • 10. Die Stadt bittet, sich verständnisvoll gegenüber anderen Besuchern und den Mitarbeitern zu verhalten

Um die Regeln zu kontrollieren, hat sich die Stadt Venlo auf verschiedene Maßnahmen verständigt, die am langen Wochenende mit dem deutschen Feiertag umgesetzt werden sollen.

Ab Donnerstag werden an wichtigen Straßen Verkehrslotsen eingesetzt, um den Verkehrsfluss und die Verteilung des Verkehrs auf die verschiedenen Parkhäuser und -Plätze besser zu regeln. „Es kann deshalb sein, dass Sie als Besucher gar nicht erst dorthin gelangen, wo Sie eigentlich hin möchten“, heißt es von Seiten der Stadt. Zudem werden Polizei und Sicherheitskräfte eingesetzt.

Einige Straßen im Stadtzentrum werden für Einkaufsbesucher zu Einbahnstraßen umfunktioniert. Bei Bedarf können Straßen außerdemvorübergehend gesperrt werden, so dass keine neuen Besucher einfahren können. Wenn nötig, werde der Verkehr zum Zentrum und zu den Parkhäusern und Parkplätzen gesperrt, wenn zu voll wird. „Wir werden dies mit Kameraüberwachung und Vor-Ort-Beobachtungen überwachen. Der Verkehr wird dann zurückgeleitet“, teilt die Stadt mit.

Outlet-Center in Roermond begrenzt die Besucherzahl

Auch das ebenso beliebte Outlet-Center in Roermond hat zusätzliche Maßnahmen für das lange Wochenende ergriffen. Es dürfen nur noch maximal 3000 Besucher auf das Gelände, weil die Menschenmengen sonst nicht mehr kontrolliert werden könnten. Außerdem werden mehr Sicherheitskräfte eingesetzt, um den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern in den Warteschlangen und in den Einkaufsstraßen zu kontrollieren.

Sogenannte „Crowd-Control-Experten“ werden im Outlet zudem die Warteschlangen vor den Läden überwachen und kontrollieren. Falls die Warteschlangen zu lang werden sollte, können Geschäfte vorübergehend geschlossen werden, teilte die Sicherheitsregion mit. Auch in Roermond gilt, wer sich nicht an die Anweisungen der Ordnungskräfte hält, riskiert ein Bußgeld von 390 Euro.

Reisende aus Deutschland fahren wieder über die Grenze nach Venlo

Am vergangenen Wochenende hatte es in Venlo einen ziemlichen Besucherandrang gegeben. „Am Freitag ging es noch, am Samstag und Sonntag war es voll“, so der Citymanager. Tabbers sei selbst im Stadtzentrum unterwegs gewesen, das seit dem vergangenen Wochenende zusätzliche Maßnahmen ergriffen hat, um die Sicherheit der Shopping-Kunden zu gewährleisten. Am Samstag und Sonntag seien auch viele Gespräche auf Deutsch zu hören gewesen.

„Samstag war der vollste Tag in der Innenstadt seit Beginn der Corona-Maßnahmen“, schätzt Tabbers. Jetzt, wo Reisende aus Deutschland an der Grenze kaum mehr zum Umkehren aufgefordert würden, kämen auch wieder viele zum Einkaufen nach Venlo. Vor allem in der Gegend um das Geschäft ‘Zwei Brüder von Venlo’ waren vielen Deutsche, habe er beobachtet.

Das Wochenende habe auch gezeigt: Bei so vielen Menschen sei es schwer, den Abstand von 1,5 Metern ständig zu gewährleisten, so Marcel Tabbers. Ein Problem sei auch, dass viele Menschen zum Essen auf der Straße herumstehen müssten, da die Gastronomien alleine Abhol- und Liederservice anbieten dürfen.

Deshalb mahnt Marcel Tabbers: „Deutsche sind herzlich willkommen. Kommt nicht mit der ganzen Familie und zielgerichtet. Jetzt ist nicht die Zeit, um zu bummeln.“ Die Corona-Pandemie bleibe trotz aller Lockerungen eine Ausnahmesituation. Das könne nicht ignoriert werden.

An der Grenze zur Niederlande gibt es kaum noch Kontrollen

Die Grenze in die Niederlande ist trotz Corona-Krise durchgehend geöffnet. In den vergangenen Wochen hatte jedoch die Sicherheitsregion Limburg-Noord, zu der Venlo gehört, zusammen mit der niederländischen Grenz- und Militärpolizei Koninklijke Marechaussee vor allem an den Wochenende verstärkt Kontrollen durchgeführt, um Deutsche von der Einreise abzubringen. Diese Strategie ist mittlerweile beendet.

Die Bundespolizei Kleve setzt weiterhin auf „verstärkte Grenzüberwachung“ mit sporadischer Einrichtung von Kontrollpunkten. Das erklärte ein Sprecher der Bundespolizei auf Anfrage dieser Redaktion. Demnach werde die Grenzüberwachung vorerst nicht reduziert, obwohl das Land Nordrhein-Westfalen die zuletzt bestehende Quarantäne-Vorschrift jetzt aufgehoben hat. So wolle die Bundespolizei den Überblick über die Reisebewegungen behalten, der Reiseverkehr selbst werde laufen. (red. mit dpa)

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