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Polizei stoppt falschen Streifenwagen - das sagt der Fahrer

Amtsanmaßung? Die Polizei in Wermelskirchen hat einen falschen Streifenwagen gestoppt.

Amtsanmaßung? Die Polizei in Wermelskirchen hat einen falschen Streifenwagen gestoppt.

Foto: Polizei Rheinisch-Bergischer Kreis

Wermelskirchen.  Die Polizei in Wermelskirchen hat einen Fake-Streifenwagen gestoppt - mit einigen Schusswaffen an Bord. Verdacht der Amtsanmaßung gegen Fahrer.

Ein „falscher Streifenwagen“ beschäftigt jetzt die Polizei im Rheinisch-Bergischen Kreis. Ein Mercedes war am Dienstag in Wermelskirchen gestoppt worden, der einem Polizei-Streifenwagen sehr ähnlich sieht. An Bord des Mercedes fanden sich zudem mehrere Schusswaffen. Doch der Fall ist kompliziert, sagt ein Polizeisprecher: „Nicht alles ist verboten“.

An einer Kreuzung in Wermelskirchen fiel der A-Klasse-Mercedes am Dienstagnachmittag einer Polizeistreife auf. Die Beamten stoppten den Wagen, der einem 27-jährigen IT-Unternehmer gehört. Der sei zudem mehrfach vor Ort als selbsternannter Ordnungshüter aufgetreten. Die Polizei geht deshalb nun auch dem Verdacht der Amtsanmaßung nach.

Maschinengewehr und zwei Pistolen im Auto

Der schwarz lackierte Mercedes in AMG-Ausführung war rundum mit „retroreflektierenden Folien“ beklebt, so, wie sie die Polizei in NRW verwendet und wie sie, was die Lichtreflexion angeht, laut Polizei an Privatfahrzeugen verboten sind. Über der Beifahrerseite war ein Rundumlicht auf dem Dach montiert - laut Polizei ohne Betriebserlaubnis. Auf der Kofferraumabdeckung hatte der Mercedes zudem eine Lichtleiste, „deren Farbgebung mittels einer Konsole neben dem Fahrersitz angesteuert werden konnte“, heißt es im Polizeibericht.

Zudem stellte die Polizei in dem Mercedes auch Schusswaffen sicher: Ein Maschinengewehr vom Typ G36 im Kofferraum und zwei Walther P99-Pistolen, eine davon griffbereit im Handschuhfach mit gefülltem Magazin, wie sie die Polizei in NRW als Dienstpistole einsetzt. „Die Waffen stellten sich als Softair-Nachbauten heraus“, sagte der Polizeisprecher auf Nachfrage: „Auf kurze Distanz abgefeuert, kann solch eine Softairpistole schwere Schussverletzungen auslösen“. Zudem habe der 27-Jährige die Waffe nicht mitführen dürfen: „Er hat offenbar nicht den dafür nötigen ‘kleinen Waffenschein’“, sagte der Sprecher.

Farbkombination von Streifenwagen der NRW-Polizei ist nicht geschützt

Auch fanden sich an Bord weitere Gegenstände, wie sie auch echte Polizisten mit sich führen, heißt es im Polizeibericht. Darunter Handschellen, Kabelbinder, Handschuhe und ein echtes Abzeichen der NRW-Polizei. Der Fahrer selbst habe am Gürtel „unzulässigerweise ein sogenanntes Einhandmesser“ getragen, berichtete die Polizei.

Autos, die Polizeifahrzeugen nachempfunden sind, tauchen immer wieder mal auf, heißt es auf Nachfrage im NRW-Innenministerium. Verboten ist das letztlich nicht, denn „die Farbkombination der Streifenwagen mit den neongelben und blauen Streifen kann man nicht schützen“, erklärt eine Sprecherin: „Es ist lediglich verboten, den Begriff Polizei, den Polizeistern oder das nordrhein-westfälische Landeswappen abzubilden. Diese sind seit 2007 als Wort- und Wort-Bild-Marke geschützt.“

„Ich bin kein Hilfs-Sheriff“

Der Mercedes-Besitzer in Wermelskirchen versteht die Aufregung um sein Auto deshalb nach eigenen Angaben nicht. 2016 sei er erstmals mit einem Streifenwagen-ähnlichen Auto unterwegs gewesen. Anfangs mit einem Citroen, jetzt mit dem Mercedes. Der Wagen solle in erster Linie für seine Firma werben, die unter anderem IT-Sicherheitsdienstleistungen biete, behauptet der 27-Jährige. Da sei er zum Beispiel auch nachts im Einsatz - „deshalb das Warnlicht auf dem Dach“. Er habe sich eigens vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg bestätigen lassen, dass die Optik seines Wagens rechtlich nicht zu beanstanden sei, erklärte er auf Nachfrage dieser Zeitung: „Die sahen dort keine Verwechslungsgefahr“, habe man ihm per Email zugesichert.

Dass er bisweilen vor Ort „für Befremden“ sorge, weil er Menschen bei Vergehen maßregle, wie das örtliche Lokalradio Radio Berg kürzlich über ihn berichtete, weist er auf Nachfrage als Negativdarstellung zurück: „Ich bin kein Hilfs-Sheriff, es geht mir um Zivilcourage“. Dass er dabei „in uniformähnlicher Bekleidung“ in Erscheinung trete, wie ein Polizeisprecher beschrieb, sei nur selten der Fall gewesen, sagte der 27-Jährige. Sich für die öffentliche Ordnung einzusetzen, sehe er jedenfalls als nötig an: „Ich bin niemand, der wegguckt“. So habe er etwa jüngst geholfen, einen Hund aus einem überhitzten Auto zu befreien. Auch habe er nach eigenen Angaben mal einen Täter gefasst und der Polizei übergeben, den er entdeckt hatte, als er zusammen mit drei anderen Personen Wahlplakate von Tafeln gerissen habe: „Die anderen Personen wurden dann von der Polizei ermittelt“.

Mercedesfahrer war auch als Filmdarsteller bei „Cobra 11“

Als Polizist aufzutreten, ist dem 27-Jährige zudem nicht neu: Seit 2011 sei er auch als „Filmdarsteller“ tätig, mit Rollen unter anderem als Polizist in der RTL-Stuntserie „Cobra 11“.

Die Polizei verfügte unterdessen, dass der Mercedes wieder optisch in den Serienzustand zurückzuversetzen sei. Der 27-Jährige sagte auf Nachfrage am Mittwoch hörbar verärgert: „Alle Folien sind entfernt“. In Sachen Zivilcourage wolle er sich „die nächste Tage erstmal zurückhalten“. Dass er als Privatmensch das Verhalten anderer maßregle, sei im übrigen rechtlich nicht zu beanstanden, bestätigte auch die Polizei: Nur in Kombination von falschen Streifenwagen und polizeiähnlicher Bekleidung könne das als „Amtsanmaßung“ gewertet werden, sagte der Polizeisprecher.

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