Gewalteskalation

Randale beim Schützenfest: Das sagt der Schützenverein

Polizisten müssen gegen betrunkene Randalierer vorgehen und werden dabei zur Zielscheibe

Polizisten müssen gegen betrunkene Randalierer vorgehen und werden dabei zur Zielscheibe

Foto: imago stock / imago/Arnulf Hettrich

Alpen.  Bei der Randale nach einem Schützenfest in Alpen waren elf Streifenwagen im Einsatz. Vereinsvertreter: „Es gab Leute, die waren auf Krawall aus.“

Prügeleien, geworfene Bierflaschen, Beleidigungen und ein Großaufgebot der Polizei: Bei einem Schützenfest in Alpen endete am Wochenende der „Tag der Jugend“ in Gewalt. Wie die Polizei berichtet, habe es bei dem Fest des Junggesellen Schützenvereins Alpen gleich mehrere Einsätze gegeben, weil Betrunkene sich prügelten, den Anweisungen des Sicherheitspersonals nicht folgen wollten und sich nach Ende der Veranstaltung in der Nähe des Festzelts eine Gruppe Menschen versammelte, die die eingesetzten Beamten beleidigte und angriff. Polizeiliche Bilanz der Nacht zu Montag: elf Streifenwagen im Einsatz, vier Festnahmen und ein umgekippter Auto-Anhänger auf dem Adenauerplatz. Erst um 4 Uhr kehrte Ruhe ein in dem kleinen Ort am Niederrhein.

Bei Eskalation in Alpen war Alkohol im Spiel

„Es gab Leute, die waren auf Krawall aus“, sagt Holger Kuhnen, stellvertretender Geschäftsführer des Schützenvereins und Mitglied im Festausschuss, zu den Ereignissen. „Wir haben seit mehr als 15 Jahren einen Securitydienst und viele Jahre Ruhe gehabt.“ Bis zu 20 Aggressoren will Kuhnen ausgemacht haben, die am Sonntag von außerhalb nach Alpen gekommen seien. Erst habe sich die Stimmung im Zelt aufgeheizt, eskaliert sei es dann draußen. „Als Verein können wir da nicht viel machen“, so Kuhnen, „leider gibt es immer wieder Gäste, die sich nicht benehmen können.“

Dabei spielt Alkohol offenbar eine große Rolle. Denn laut Polizei waren es vor allem Betrunkene, die für die Eskalation am Sonntag verantwortlich waren – den drei mutmaßlichen Rädelsführern, 18-Jährige aus Duisburg und Rheinberg, nahmen die Beamten auf den Wachen in Wesel und Moers schließlich Blutproben ab. Dass übermäßiger Alkoholkonsum und Gewalt manchmal nah beieinander liegen, bestätigt auch ein Sprecher der Kreispolizei Wesel: „Wenn bei solchen Festen Alkohol im Spiel ist, kann es immer die ein oder andere Körperverletzung geben.“ Der Einsatz vom Sonntag allerdings gehe über das normale Maß hinaus, so der Sprecher.

GdP: Respekt vor der Uniform schwindet

Eine Einschätzung, die auch Michael Mertens, NRW-Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP teilt: „Schützenfeste sind bei den Kollegen nicht als gewalttätige Einsatzanlässe bekannt, sondern gelten eher als sehr friedlich.“ Doch je größer ein Fest ist und je mehr Alkohol konsumiert wird, desto eher würde es eskalieren. Das sei, so Mertens, ein Problem, das in letzter Zeit zunehme: „Kleine Nickeligkeiten werden größer und der Respekt vor der Uniform hat nachgelassen.“ Wo früher ein Streit vorbei war, wenn die Polizei gerufen wurde, gehe es heute dann erst richtig los, so der Gewerkschafter. Die Folge: Beleidigungen, Körperverletzungen und Widerstand gegen Beamte. „Gewalt gegen Polizisten ist ein überwiegend männliches Delikt“, so Mertens.

Konfliktpotenzial in der Gesellschaft nimmt zu

Eine in Teilen der Bevölkerung zunehmend schwindende Barriere bei Gewalt unter Alkoholeinfluss sieht auch Gunnar Vielhaack, NRW-Vorsitzender des Bundesverbands der Sicherheitswirtschaft: „Das Konfliktpotenzial nimmt deutlich zu. Solche Feste waren vor 20 bis 30 Jahren deutlich ruhiger.“ Für Rolf Nieborg vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften ist klar: „Schützenfeste sind auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.“

Ausbrüche von Gewalt kämen zwar vor, seien aber selten. Dass mit dem Fall in Alpen gerade eine Gemeinde am Niederrhein betroffen sei, überrascht den Pressesprecher. Ein neues Phänomen seien die Ereignisse aber nicht: „Auch früher ist sowas schon vorgekommen, gerade bei Jugendveranstaltungen.“ Gerade bei diesen Veranstaltungen sollten Festwirte daher auf den Ausschank von harten Alkoholika verzichten. „Wir setzen darauf, dass die Festwirte seriös handeln“, so Nieborg.

Schützenvereine setzen zunehmend auf Sicherheitsdienste

Trotzdem setzen immer mehr Schützenvereine auf die Unterstützung von professionellen Sicherheitsdiensten, so Vielhaack. Bei größeren Festen sei das eine Auflage der Kommune, es gäbe aber auch Vereine, die Sicherheitsdienste von sich aus buchen. Man wolle so Aufgaben wie etwa Einlasskontrollen in professionelle Hände geben, weil Ehrenamtliche entsprechende Schulungen und Hintergrundwissen nicht mitbringen.

Dass ein Sicherheitsdienst eine Eskalation nicht vollends verhindern kann, zeigt der Vorfall in Alpen. Dass er aber den Vorschriften der Kommune entsprechend aufgestellt war, bestätigt Holger Kuhnen: „Es gab am Sonntag noch eine Kontrolle durch die Kreisordnungsbehörde. Da war alles in Ordnung.“

Nach den Vorfällen wolle man sich nun mit der Polizei und der Kommune zusammensetzen und mögliche Reaktionen beraten: „Wir werden das im Nachgang besprechen. Über mögliche Konsequenzen kann ich noch nichts sagen.“ Auf das Schützenfest, das bis zum 15. Juni angesetzt ist, haben die Vorfälle aber keinen Einfluss. „Das Fest wird wie geplant weiterlaufen.“

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