Krankheitserreger

Riesenzecke Hyalomma auf Pferdehof bei Geldern entdeckt

Die Hyalomma-Zecke ist wesentlich größer als ihre einheimischen Verwandten und hat auffällige Beine.

Die Hyalomma-Zecke ist wesentlich größer als ihre einheimischen Verwandten und hat auffällige Beine.

Foto: Andrea Schnartendorff / dpa

Geldern/Hohenheim/München.  Die auf einem Pferdehof bei Geldern entdeckten Riesenzecken sollen untersucht werden. Die Hyalomma-Parasiten dürften hier überwintert haben.

Auf einem Pferdehof im Raum Geldern sind fünf Exemplare der Riesenzecke Hyalomma entdeckt worden. Das sei der erste Nachweis dieses Tieres in Deutschland in diesem Jahr, sagt Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim, die den Fund am Dienstag öffentlich machte. Die gewöhnlich in tropischeren Gebieten heimischen Zecken reisen eigentlich an Bord von Zugvögeln ein. Jetzt gebe es allerdings eine neue These, sagt Mackenstedt: „Wir gehen nicht von einem Zufallsfund aus, sondern davon, dass die Tiere hier überwintert haben.“

Die Besitzer des Hofs seien stutzig geworden angesichts des „Befalls“ eines einzigen Pferdes, sagt die Wissenschaftlerin: „Die sehen schon außergewöhnlich aus.“ Die Hyalomma-Zecken werden nämlich doppelt bis dreimal so groß wie ihre in Europa heimischen Verwandten. Außerdem sind ihre Beine auffällig gestreift. Die bei Geldern gefundenen Exemplare sollen nun wie ein weiteres auf einem Pferd in Niedersachsen entdecktes Exemplar beim Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München untersucht werden. Die Zecken erfreuten sich bester Gesundheit, scherzt Mackenstedt, und auch die Pferde seien wohlauf.

Holzbock ist immer noch die dominante Zecken-Art

Untersucht werden dürfte auch, welche Erreger in den Spinnentieren stecken. So können auch Hyalomma-Zecken etwa das Krim-Kongo-Fieger übertragen. Das sei in Deutschland allerdings noch nicht nachgewiesen worden, sagt Mackenstedt: „Aber wir gehen davon aus, dass sie andere Erreger in Umlauf bringen.“ Die in Deutschland nach wie vor dominante Zeckenart, der sogenannte Holzbock, kann unter anderem Borreliose auslösen. „Der ist noch am weitesten verbreitet. Allerdings gibt es Hyalomma offenbar häufiger als früher gedacht.“ 2018 seien sie erstmals in Deutschland in größerer Menge nachgewiesen worden.

Die Funde müssten allerdings nicht bedeuten, dass Hyalomma in Deutschland bereits heimisch geworden sei, sagt Mackenstedt. Allerdings lege der Fund von fünf dieser Zecken in einem einzelnen Pferdehof nahe, „dass dort mehrere Individuen gleichzeitig vorhanden waren und somit die Möglichkeit einer Paarung und des Entstehens einer eigenständigen Population bestehe“.

30 Minuten krabbeln bis zum ersten Stich

Mackenstedt und ihren Forscherkollegen geht es vor allem darum, für das Thema zu sensibilisieren: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es weitere Arten gibt.“ Vorsichtsmaßnahmen gegen die Tiere zu treffen sei allerdings nahezu unmöglich. „Das ist eine Jagdzecke, Sie können nur aufpassen.“ Zwar sei auch der Mensch ein möglicher Wirt der Tiere, lieber setzten sie sich aber auf Pferde oder Schafe. Wer eine Hyalomma an sich oder an einem Nutztier entdecke, sollte diese einfach abfegen, rät Mackenstedt. Zeit dafür sei genug: Mitunter krabbelten die 30 Minuten oder länger, bis sie zustächen. Danach sollten sie nicht getötet, sondern in ein Gefäß gepackt und an die Uni Hohenheim geschickt werden. „Da sind wir auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben