Männervereine

Scholz-Vorstoß: Männervereine fürchten um ihre Existenz

Viele Vereine reagieren mit Unverständnis auf den Vorstoß von Bundesfinanzminister Olaf Scholt. (Archivbild)

Viele Vereine reagieren mit Unverständnis auf den Vorstoß von Bundesfinanzminister Olaf Scholt. (Archivbild)

An Rhein und Ruhr.  Auf die Reform-Pläne zur Gemeinnützigkeit von Finanzminister Scholz reagieren Vereine aus NRW entsetzt. Für einige würde es das Aus bedeuten.

Für Wolfgang Rolshoven ist die Nachricht ein „Angriff auf Ehrenamt und Freiheit“: Nach dem Willen von Bundesfinanzminister Olaf Scholz soll reinen Männervereinen künftig die Gemeinnützigkeit aberkannt werden. Der Gesetzesentwurf sei bereits auf dem Weg. Rolshoven ist Präsident der Düsseldorfer Jonges, dem nach eigenen Angaben größten Heimatverein Europas. Er zählt über 3000 Mitglieder, besteht seit 1932 – und ebenfalls seit 1932 ist die Mitgliedschaft per Satzung nur Männern möglich. Der Vorstoß des Bundesfinanzministers stößt nicht nur bei den „Jonges“ auf Unverständnis. Viele kleine Vereine fürchten um ihre Existenz.

In Deutschland gibt es einige Vereine, die wie die Düsseldorfer Jonges nur einem Geschlecht offen stehen. So fallen zum Beispiel vereinzelte Schützenbruderschaften oder Männergesangsvereine darunter. Laut dem Verein Deutsches Ehrenamt sind es mehrere Tausend. Würde ihnen die Gemeinnützigkeit entzogen, könnten sie keine Spendenquittungen mehr ausstellen.

Vereine unterstützen viele Charity-Projekte

Diese wiederum bieten aber Spendern und Sponsoren einen Anreiz, da sie von der Steuer abgesetzt werden können. Entsprechend sorgen sich die Vereine, dass durch den Entzug der Gemeinnützigkeit die Spendenbereitschaft sinkt.

„Wenn uns die Spenden wegbrechen, können wir keine Charity-Projekte mehr durchführen“, mahnt Wolfgang Rolshoven. Gerade das ist aber eine der satzungsgemäßen Aufgaben der Düsseldorfer Jonges. Unter anderem unterstütze der Verein etwa Inklusionsvereine, Frauenberatungsstellen oder Flüchtlingshilfen. „Wir spenden an die meisten gemeinnützigen Organisationen in Düsseldorf“, so der Präsident weiter.

„Könnte der Tod eines Vereins sein“

Und auch kleinere Vereine, deren primäre Aufgabe nicht unbedingt karitativ ist, könnten unter Scholz‘ Vorstoß, so er denn realisiert würde, leiden. „Es würde uns schon treffen“, sagt etwa Franz Viell, Vorsitzender des Männergesangsverein „Eintracht“ in Kleve-Materborn. Die wöchentlichen Proben könnten zwar auch ohne Spenden und Sponsoren aufrecht erhalten werden, bei größeren Veranstaltungen, wie etwa dem Weihnachtskonzert, sei man aber auf solche angewiesen.

„Es wäre auf jeden Fall wieder eine Belastung und könnte der Tod eines Vereins sein“, ärgert sich auch Rolf Nieborg, Pressesprecher des Bundes der historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS). „Es ist einfach nicht fair, wie man mit Vereinen umgeht!“

Bei kirchlichen Schützenbruderschaften liegt die Sache anders

Allerdings glauben sowohl Wolfgang Rolshoven als auch Rolf Nieborg nicht daran, dass es tatsächlich soweit kommt: „Das, was der Herr Scholz da losgetreten hat, ist ein alter Hut!“, erinnert Nieborg. Ähnliche Forderungen gebe es immer wieder, umgesetzt worden seien sie bisher nie. Mit seinem neuerlichen Vorstoß wolle der amtierende Finanzminister nur Stimmen für die Wahl des SPD-Vorsitzenden gewinnen, glauben die beiden – wie andere Kritiker auch.

Gerade im Fall der Schützenbruderschaften liege die Rechtslage zudem noch etwas anders: Die rund 1300 Bruderschaften, die im BHDS organisiert sind, gehören ausnahmslos der katholischen Kirche an und fallen somit unter deren Rechtssprechung. „Kirchliche Schützenbruderschaften dürfen im Rahmen ihrer religiösen Selbstbestimmung von Verfassung wegen frei über die Regelung zur Mitgliederaufnahme entscheiden, ohne dass der Staat dies sanktionieren darf“, so Nieborg weiter.

Altherren-Vereine öffnen sich

Eine Öffnung der traditionellen Männervereine geschieht aber offenbar auch ohne Druck des Finanzministeriums: So sind es von den im BHDS organisierten Bruderschaften nur noch 14 Prozent, die die Mitgliedschaft ausschließlich Männern gestatten – mehr als drei Viertel von ihnen nehmen also trotz der Bezeichnung „Bruderschaft“ beide Geschlechter auf. Und auch nicht kirchengebundene Vereine tragen zwar zwar – meist aus Tradition – den Namen „Männerschützenverein“, nehmen aber trotzdem Frauen auf, so etwa auch der „Männerschützenverein Hamminkeln“.

Bereits im Sommer hatte auch der Aachener Karnevalsverein beschlossen, künftig – nach 160 Jahren – auch Frauen aufzunehmen. Und selbst der Herrenclub „Eiswette“, der noch im Januar diesen Jahres für einen Sexismus-Eklat gesorgt hatte, schafft ab 2020 nun auch Platz für weibliche Gäste am Gala-Tisch.

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