Vorzugsroute wird genau geprüft

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Wesel. Drei dicke blaue Aktenordner liegen auf dem Tisch in Raum 529 im Weseler Kreishaus. „Zeelink“ steht in blauen und grünen Buchstaben darauf geschrieben. Es sind die Detailpläne, wie die Open Grid Europe die geplante Gaspipeline von Sankt Hubert bei Krefeld bis nach Legden in der Nähe von Ahaus verlegen möchte. Von den rund 108 Kilometern führen etliche durch den Kreis Wesel.

Seit gestern haben Bürger die Möglichkeit, Akteneinsicht zu nehmen und schon am Vormittag kamen die Ersten, um sich durch Hunderte Blätter Amtsdeutsch zu ackern. 147 Seiten hat der erste Abschnitt, dazu 69 Karten, Abbildungen und Fotos und noch einmal 27 Tabellen – und das ist nur der Anfang. Hinzu kommen hunderte Seiten Umweltgutachten und ein ganzer Wust an Karten mit möglichen Trassenverläufen.

Tausende Hektar untersucht

Denn das Essener Unternehmen hat gigantische Untersuchungsräume in den Blick genommen. 1072 Hektar von Wesel, 526 von Schermbeck, 9 von Hamminkeln. Hinzu kommen noch einmal weit mehr als 2000 Hektar Weseler Kreisgebiet. Herausgearbeitet wurden im wesentlichen drei mögliche Hauptrouten. Eine beginnend in Kamp-Lintfort über Alpen, Xanten, Hamminkeln und Borken. Eine zweite von Neukirchen-Vluyn über Rheinberg, Hünxe und Schermbeck weiter in Richtung Raesfeld. Im Verlauf der Gutachten hat sich eine dritte Variante als Vorzugsroute herauskristallisiert. Geht es nach dem Investor aus Essen, verläuft sie von Kamp-Lintfort über Voerde-Spellen und Peddenberg und führt dann westlich und nördlich am Dämmerwald vorbei und verlässt das Kreisgebiet zwischen Raesfeld und Erle. Eine Rheinquerung wäre dann für das Gebiet zwischen Borth und Spellen vorgesehen, eine Querung von Lippe und Kanal bei Krudenburg.

Siedlungen wären vom Verlauf der Pipeline nicht betroffen, die Natur aber würde nicht nur während der Bauphase harte Einschnitte hinnehmen müssen. An zahlreichen Stellen verliefe die Route durch Landschafts- und Vogelschutzgebiete. Und auch wenn der 38 Meter breite Baustreifen beseitigt ist, dürfen fünf Meter rechts und links der Trasse keine Baumaßnahmen mehr stattfinden.

Ebenso wie die Bürger hat jetzt auch der Kreis Möglichkeit, die Planungsunterlagen eingehend zu prüfen. Klaus Eickelkamp von der Kreisplanung und seine Kollegen haben damit begonnen – und haben bereits Fragen. „Wir sehen sie Nullvariante, also die Möglichkeit, ohne zusätzliche Leitungen zum Ziel zu kommen, nur spärlich erklärt“, sagt der Ingenieur. So könne es bestehende Gasleitungen in Deutschland und den Niederlanden geben, die die Versorgung sicherstellen könnten. Eine entsprechende Anfrage habe die Bundesnetzagentur zu prüfen.

Außerdem wird der Kreis den Trassenverlauf intensiv unter die Lupe nehmen. Zwar sind viele Naturschutzbelange in die Gutachten eingeflossen, ob wirklich alle berücksichtigt sind, muss die Prüfung erst noch ergeben.

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