Sanierungsstau

Wohnheime: Trotz höherer Zuschüsse fehlt immer noch Geld

Das Studentenwohnheim am Schemkesweg in Duisburg wird gerade saniert. Schon im Frühjahr liefen hier die Abbrucharbeiten.

Das Studentenwohnheim am Schemkesweg in Duisburg wird gerade saniert. Schon im Frühjahr liefen hier die Abbrucharbeiten.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Die Arbeitsgemeinschaft Studierendenwerke NRW beklagt den Sanierungsstau an den Wohnheimen. Höhere Zuschüsse ab 2021 lösen das Problem nicht.

Über 100.000 Studenten beginnen pro Jahr ihr Studium in NRW. Doch neben den Hochschulen selbst, den nötigen Lehrmitteln und Lehrpersonal brauchen die finanziell oft knappen Studenten auch Möglichkeiten zum Essen und Schlafen. Hier kommen die Studierendenwerke ins Spiel – sie unterhalten unter anderem die Campus-Gastronomie in Form der Mensen und Caféterien, die Kindergärten für Studierende mit Kind und kümmern sich um die Bafög-Anträge. Vor allem aber unterhalten sie die Wohnheime. Und dafür brauchen sie mehr Geld.

Wohnheimen droht die Schließung

Zehn Prozent mehr allgemeine Zuschüsse des Landes für die Studierendenwerke, kündigte Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) an. Bisher lag diese Förderung bei 40,5 Millionen Euro, plus 4,2 Millionen für Investitionen an Mensen und Verwaltungsgebäuden. Ab 2021 soll es nun 44,5 Millionen Euro allgemeine Zuschüsse geben, insgesamt also rund 49 Millionen pro Jahr.

„Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, weil wir immer noch unterfinanziert sind“, kommentiert Olaf Kroll von der Arbeitsgemeinschaft Studierendenwerke NRW diese Ankündigung. Schon im Sommer hatte die Arbeitsgemeinschaft den Geldmangel beklagt, der vor allem die Studentenwohnheime treffe: 20.000 Wohnplätze – die Hälfte des Gesamtbestandes in NRW – seien dringend sanierungsbedürftig, allein der kurzfristige Sanierungsstau betrage 300 Millionen Euro, sagte Jörg Lüken, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, damals. Langfristig müssten sogar 700 Millionen Euro investiert werden, es drohe die Schließung ganzer Wohnanlagen.

Ministerium stellt Fördermittel zur Verfügung

Viele Wohnheime stammen aus der Zeit des Hochschulaufbaus in den 1950er- und 1960er-Jahren, der Sanierungsbedarf ist auch beim zuständigen Ministerium für Kultur und Wissenschaft unbestritten: „Hierfür stellt das Ministerium für Kultur und Wissenschaft aktuell als Sofortmaßnahme 40 Millionen Euro aus Hochschulpaktmitteln zur Verfügung. Diese Mittel werden für Sanierungs- und Modernisierungsbedarfe an Hochschulstandorten mit besonders dringendem Bedarf verwendet“, heißt es von dort. „Dieser Fördertopf ist aus 2016“, sagt Olaf Kroll, „und ursprünglich waren 200 Millionen geplant. Letztlich sind es nur 40 Millionen geworden und die gingen auch nur an vier Studierendenwerke. Das heißt acht Standorte gingen leer aus!“

Das Studierendenwerk Essen-Duisburg gehört zu denen, die von der Förderung profitieren konnte: Für die Wohnanlage am Niehusmannskamp in Essen mit 111 Zimmern gab es 3,4 Millionen Euro bei Gesamtkosten von acht Millionen. Aktuell läuft eine drei-Millionen-Euro Renovierung in Duisburg, Schemkesweg 41-45: 102 Wohnplätze. Dafür gab es aus dem gleichen Fördertopf 600.000 Euro.

Trotzdem ist die Lage angespannt: „Hier fehlen insgesamt 64 Millionen Euro“, sagt Pressesprecherin Johanne Peito-Höltgen. Das Studierendenwerk unterhält 2500 Wohnplätze in 19 Wohnanlagen in Duisburg, Essen und Mülheim: „Elf davon weisen zum Teil schwerwiegende Schäden auf und müssten kurz- oder mittelfristig saniert werden.“ Zum Teil sei das seit den 1970er-Jahren nicht geschehen. „Wir flicken immer wieder an der Oberfläche, aber können nicht an die Substanz, weil wir durch das Land unterfinanziert sind“, so Peito-Höltgen weiter. „Das ist nicht nachhaltig und teuer!“

In Düsseldorf und am Niederrhein weniger dramatisch

In der Landeshauptstadt und am Niederrhein ist die Lage weniger dramatisch. Das Studierendenwerk Düsseldorf, verantwortlich für 26 Wohnanlagen in Düsseldorf, Mönchengladbach, Krefeld, Kamp-Lintfort und Kleve, habe in den vergangenen elf Jahren rund 1000 Wohnplätze geschaffen. „Alles Neubauten, die werden auch ein Weilchen ohne Sanierung hinkommen“, meint Studierendenwerk-Geschäftsführer Frank Zehetner. Allerdings gehören dazu auch die Wohnheime in den 2009/2010 neu geschaffenen Studienorten Kleve und Kamp-Lintfort.

In Düsseldorf aber gibt es Sanierungsbedarf. Die Wohnanlagen Gurlittstraße (286 Plätze) und Kopernikusstraße (96 Plätze) hätten es dringend nötig, sagt Zehetner. Im Fall der Wohnanlage Gurlittstraße, Baujahr 1974, müssten etwa Bäder und Fußböden, Wasser und Elektroleitungen erneuert, die Häuser mal gedämmt werden. „Im Prinzip müssten wir das Ding kernsanieren“, fasst er zusammen. Wann aber genau das passieren soll – und ob überhaupt, kann er nicht sagen. Weil aber als nächstes an der Brinckmannstraße renoviert wird, steht schon jetzt fest: „Nicht dieses und nicht nächstes Jahr.“

50 Millionen Euro vom Bauministerium

Des Weiteren beruft sich das Ministerium für Kultur und Wissenschaft auf ein Förderprogramm für studentischen Wohnraum im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung. Bis 2022 gibt es ein Sonderkontingent von jährlich 50 Millionen Euro „in Form von stark zinsverbilligten Darlehen und Tilgungsnachlässen“, abrufbar von Studierendenwerken, aber auch von privaten Investoren. Im Jahr 2017 waren daraus 20,7 Millionen Euro abgerufen worden, 2018 sogar 40 Millionen, wie das verantwortliche Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung erklärt. Sie seien in die Errichtung von 687 Wohnheimplätzen geflossen.

Doch auch diese Mittel lösen das Problem nicht, sagt Olaf Kroll: Erstens steht das besagte Sonderkontingent den Studierendenwerken nicht exklusiv zu. Zweitens bleiben es Kredite, mit denen sich die Studierendenwerke verschulden – „man erhöht damit letztlich auch die Verschuldung des Landes.“

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