Trinkwasser

Weniger Müll: Hier füllen Geschäfte kostenlos Flaschen auf

Mitgebrachte Wasserflaschen kann man jetzt in besonders gekennzeichneten Geschäften auffüllen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Mitgebrachte Wasserflaschen kann man jetzt in besonders gekennzeichneten Geschäften auffüllen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

An Rhein und Ruhr.   In Geschäften selbst mitgebrachte Trinkwasserflaschen kostenfrei auffüllen? Die „Refill“-Initiative will das deutschlandweit populär machen.

Plastik ist ein Problem. Vor allem, wenn es nicht mehr gebraucht wird. 26 Millionen Tonnen Kunststoffmüll entstehen jährlich allein in den Ländern der Europäischen Union, hat die EU-Kommission ausgerechnet - mit fatalen Folgen für das Ökosystem und vor allem für die Meere. Denn bislang wird weniger als ein Drittel davon recycelt. Das soll sich ändern, bis 2030 sollen alle Plastikverpackungen wiederverwertbar werden.

Doch so lange wollen viele Regierungen, Initiativen, Umwelt- und Naturschutzverbände nicht warten und haben sich schon längst auf den Weg gemacht, um Methoden, Vorschläge und Ideen zu entwickeln, wie sich Plastikmüll vermeiden oder zumindest reduzieren lässt. Eine der jüngsten Initiativen dazu in Deutschland hat sich vor knapp einem Jahr in Hamburg gegründet und nennt sich Refill. Statt immer neue Plastikflaschen mit Mineralwasser zu kaufen, sollen dabei die Verbraucher animiert werden, ihren Durst lieber mit Leitungswasser zu löschen, das sie an Refill-Stationen kostenlos auffüllen können.

Ihren Ursprung hat die Initiative in Großbritannien (siehe Info-Box), in Deutschland ist sie seit März 2017 in mittlerweile mehr als 50 Städten aktiv, mit dem Ziel, noch weiter zu wachsen. Berlin verzeichnet aktuell rund 230 Wasserstationen. In NRW sind „Refill-Stationen“ in Aachen, Bielefeld, Bonn, Münster, Paderborn, Siegen, Witten und Düsseldorf zu finden.

Ein runder blauer Aufkleber mit einem angedeuteten Wassertropfen und dem Hinweis „Refill-Station“ weist dabei den Weg in Sachen Nachhaltigkeit. In Düsseldorf haben sich bislang rund ein Dutzend Geschäfte und Cafés der Initiative angeschlossen. Sie sind durch den Aufkleber erkennbar, der signalisiert: Hier kann man hin und seine mitgebrachte Flasche (bevorzugt nicht aus Plastik) kostenlos mit Leitungswasser auffüllen.

Auch in Düsseldorf aktiv

Organisiert wird die Refill-Bewegung von Ehrenamtlern vor Ort. Jennifer Wallach ist eine von ihnen, sie hat im Sommer in ihrer Heimatstadt Düsseldorf die ersten Geschäfte und Lokale angeschrieben. Fast alle hätten sich spontan bereit erklärt mitzumachen, so die 33-Jährige. Modeläden sind dabei, Friseure, Blumengeschäfte und Conceptstores, alles Adressen, zu denen jeder gehen kann, um sich kostenlos mit Leitungswasser zu versorgen. Ist das keine kuriose Idee? „Überhaupt nicht“, sagt Wallach. Angesichts der bedrohlichen Belastung der Meere durch Plastikabfälle sei es vielmehr höchste Zeit zu handeln, um weiteren Plastikmüll zu vermeiden. „Und das ist eben ein Schritt dahin,“ so Wallach, die damit rechnet, dass sich „Refill“ mit zunehmender Wärme und entsprechend höherem Trinkwasserbedarf zum Frühjahr und Sommer hin in Düsseldorf noch weiter herumspricht. „Unser Ziel wäre erreicht, wenn solche Initiativen wie diese gar nicht mehr nötig wären“, sagt sie.

Warum sie sich engagiert? „Um im Rahmen meiner Möglichkeiten einen kleinen Beitrag in Sachen Müllvermeidung zu leisten“, sagt die 33-Jährige.

Neben den beteiligten Ladenloklaken sind auf der Internetseite von Refill Düsseldorf in der Standortübersicht auch die acht Trinkbrunnen der Stadtwerke mit aufgeführt. „Trinkbrunnen sind im Bewusstsein der Leute oft nicht so präsent. Deswegen wollen wir auch auf sie aufmerksam machen“, so Wallach.

Als Trinkwasser geeignet

Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität müsse auch niemand haben, sagt Philip Heldt, Umweltexperte der Verbraucherzentrale NRW, der das Entstehen solcher Initiativen wie „Refill“ zur nachhaltigen Müllreduzierung ausdrücklich begrüßt. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels, der zu einer weiteren Erwärmung der Städte führe, „sollten sich solche Initiativen etablieren“, so Heldt, der ganz generell für die Nutzung von Leitungswasser als Trinkwasser plädiert.

Leitungswasser in Deutschland enthalte je nach Region unterschiedliche Zusammensetzungen an Mineralien, sei jedoch flächendeckend für jeden normal gesunden Menschen als Trinkwasser geeignet. Hinzu komme auch noch der Kostenfaktor. Ein Liter Leitungswasser koste im Schnitt 0,1 Cent. „Das ist hundertmal billiger als das günstigste Mineralwasser,“ sagt der Verbraucherschützer.

In Sachen Trinkwasser hat die EU-Kommission bei ihrem neuen Vorstoß übrigens auch noch einen Vorschlag in Richtung Gas­tronomie: Restaurants in Europa sollen ihren Gästen künftig kostenloses Leitungswasser anbieten - so wie es beispielsweise in den USA schon lange Standard ist.

>>INFO: BRISTOL ALS VORBILD

Vorbild für die „Refill Deutschland“- Initiative ist die englische Stadt Bristol, die im Jahr 2015 „Grüne Hauptstadt Europas“ war und als eines der „Grüne Hauptstadt“-Projekte die Wiederauffüll-Kampagne ins Leben rief. In der Stadt mit ihren gut 430 000 Einwohnern gibt es inzwischen rund 200 Auffüllstationen - Geschäfte, Galerien, Bars, Brunnen - für Leitungswasser. Eine eigens dafür entwickelte App zeigt den Nutzern die nächstgelegene Station an. Dem Vorbild Bristol sind mittlerweile eine Reihe weiterer britischer Städte mit der „Refill“-Kampagne gefolgt.

Die Initiatoren aus der Stadt machen folgende Rechnung auf: Werde jede lokale Auffüllstation nur einmal pro Tag genutzt, spare das jährlich 73 000 Plastikflaschen allein in Bristol ein.

Die deutsche Initiative ist seit März 2017 aktiv. Gegründet wurde sie von der Hamburger Bloggerin und Grafikerin Stephanie Wiermann. Nähere Infos: www.refill-deutschland.de

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