Apartments

20 Quadratmeter 675 Euro: So luxuriös wohnen Studenten

Die ersten Planungen sahen noch drei Gebäude (links) für Mikroapartments vor.

Die ersten Planungen sahen noch drei Gebäude (links) für Mikroapartments vor.

Foto: Wendy van Dujinhoven / JanSnel

Ruhrgebiet.  Bochum bekommt 700 kleine Luxus-Apartments für Studenten: 675 Euro für 20 Quadratmeter. Warum sich die Baufirma um die Nachfrage nicht sorgt.

Alles ist bereitet. Erdhaufen in Reih und Glied, Bauzäune, ein geschotterter provisorischer Fahrweg: Sieht aus, als könnten die Baukolonnen morgen kommen. Sie kommen jedenfalls bald nach Bochum und bringen aus den Niederlanden nicht nur ihre orangefarbenen Mobiltoiletten mit, sondern auch zwei zehn- und zwölfstöckige Gebäude in vorgefertigten Teilen. Doch die Mobilbauweise bis in 38 Meter Höhe ist nicht das einzig Ungewöhnliche für Deutschland.

Vielmehr dies: Erstmals entstehen im Ruhrgebiet in großer Zahl kleine Luxusapartments ausschließlich für Studenten. Die angepeilte Miete für die mehr als 700 Einheiten auf dem „Community Campus“ verrät es ein bisschen: 675 Euro für 20 Quadratmeter Studentenbude. Warm und möbliert natürlich. Zum Vergleich: Im Bochumer Mietspiegel liegt der Durchschnitts-Quadratmeter nicht direkt bei 33,75 Euro, wie hier, sondern bei 6,08 Euro.

„Der Mietpreis ist nicht mit herkömmlichen Wohnungen zu vergleichen“

Freilich sei „der Mietpreis nicht mit herkömmlichen Wohnungen zu vergleichen“, so eine Stellungnahme des Bauunternehmens Jan Snel. In Essen baut es bereits, freilich mit weniger Aplomb. Dann zählt Snel auf, was im Preis in Bochum inbegriffen sein wird in seiner sogenannten „Rundum-Sorglos-Miete“.

Möbel und alle Nebenkosten, eigene Küchenzeile und Bad, Tiefgarage und Leihfahrräder, Pförtner und Paketannahme, Fitness-Studio und Top-WLAN, Bibliothek und Kopierservice, die Organisation von Gemeinschaftsveranstaltungen. Und so weiter. In den Satz, mit dem Snel um Mieter wirbt, hat sich ein falscher Buchstabe geschlichen, doch der Sinn ist schon klar: „Volle Konzentration aufs Stadium – wir kümmern uns um den Rest.“

Gebäude in Bochum und in Essen sollen Referenzobjekte darstellen

„Dass es dafür einen Markt gibt, auch bei dem Preis, darum mache ich mir keine Sorgen“, sagt Jonathan Ludwig, der Sprecher des Akademischen Förderungswerks Bochum. Dieses abgekürzte Akafö betreibt selbst in der Stadt knapp 4000 öffentlich geförderte Wohnheim-Plätze – für circa 270 Euro das Stück. Doch die Warteliste ist lang, manche Anwärter stehen darauf bis zu einem Jahr. „Auch ein hochpreisiges Angebot kann den Markt etwas entlasten“, sagt Ludwig, fragt sich aber zugleich: „Möchte jemand, der 675 Euro zahlen kann, wirklich in ein Heim ziehen?“

Offenbar ja. Denn Apartments auf diesem Niveau gibt es bereits in den üblicherweise verdächtigen Städten wie München, Frankfurt am Main oder Berlin, aber inzwischen auch in kleineren Universitätsstädten. Branchenspruch: „Living cum laude.“ Und auch Jan Snel hat angekündigt, dass es die Gebäude in Bochum und Essen als „Referenzobjekte“ betrachte.

Zahl der kommerziellen Wohnheim-Plätze steigt in ganz Deutschland

Die Preise liegen in Deutschland zwischen 550 und 899 Euro, das Prinzip ist immer gleich: Gesucht sind allein wohnende Studenten aus gutem oder wenigstens wohlhabendem Haus, die alles haben und sich um nichts kümmern wollen. Wasserschaden? Der Gebäudemanager macht, rennt und tut. Wehwehchen? Der Vertragsarzt ist schon unterwegs.

Das Deutsche Studentenwerk schätzt die Zahl der „frei finanzierten, kommerziellen Wohnheim-Plätze für Studenten auf 50.000, Tendenz steigend“. Der genaue Anteil der Luxus-Bleiben soll bei etwa einem Viertel liegen. „Ganz normales Marktgeschehen“, sagt sein Sprecher Stefan Grob: Es sei „nicht unsittlich, dass Investoren wegen der Zinssituation in Beton investieren“.

Studentenwerk: Etwa jeder sechste Student kann solche Mieten zahlen

15 bis 17 Prozent der Studenten seien in der Lage, solche Mieten zu zahlen. Grob beklagt allerdings, dass Bund und Länder zu wenig Geld in den Bau von Studentenheimen investieren würden. Und: Die Wohnungspauschale im Bafög liege bei 355 Euro. Die Zahl der Studienplätze sei zwischen 2008 und 2018 um 45 Prozent gestiegen, die der Wohnheim-Plätze um acht Prozent. Aber auch Grob sagt: „Jedes Apartment entlastet die studentischen Wohnungsmärkte.“

Doch zurück nochmal nach Bochum. An der Universitätsstraße, auf halber Strecke zwischen Innenstadt und Hochschulen, liegen die Luxuswohnungen lustigerweise schräg gegenüber der Zentrale des Wohnungskonzerns „Vonovia“. Die ersten Studenten sollen zum Wintersemester 2020/21 einziehen, die Nachfrage sei groß, so Snel. Ansonsten, sagt Aichard Hoffmann vom Mieterverein, sei das Projekt vom Rest der Stadt „völlig losgelöst“. Auch deshalb: Zimmer in einem Heim haben keinerlei Einfluss auf Mietspiegel.

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