Autofahrer

80-Jähriger gibt Auffrischungskurse für ältere Fahrer: ab 50

Da muss das Auto warten: Norbert Kellerhoff erklärt die Wartepflicht für Autos, wenn sie in eine neue Straße einbiegen; und zwar auch dann, wenn es die alte Straße von jenseits des Kreisverkehrs ist.

Da muss das Auto warten: Norbert Kellerhoff erklärt die Wartepflicht für Autos, wenn sie in eine neue Straße einbiegen; und zwar auch dann, wenn es die alte Straße von jenseits des Kreisverkehrs ist.

Foto: Ralf Rottmann

Bochum.   Norbert Kellerhoff schult ältere Autofahrer an der VHS Bochum. „Sobald Sie Ihr Auto anlassen, stehen Sie mit einem Bein im Gefängnis.“

Norbert Kellerhoff kann sich nur noch wundern. „Fällt Ihnen nichts auf?“, fragt er den Reporter und hält ihm die Verkehrsbroschüre „sicher mobil“ mit vier Titelfotos hin. Zu sehen: Fußgänger mit Einkaufstaschen, Radfahrer lesen Karten, angegurtete Fahrgäste im Bus, Autofahrerin mit Beifahrer. Hm. „Fällt Ihnen wirklich nichts auf?“ Nun, um ehrlich zu sein ... nein. „Frau am Steuer“, sagt Kellerhoff. „Das war vor ein paar Jahren noch umgekehrt.“

Man ahnt es schon: Der Mann ist schon sehr lange aktiv in Sachen Verkehrssicherheit. Norbert Kellerhoff hat als Sachverständiger beim Tüv gearbeitet, freilich nicht an Autos, wie man vorschnell meinen könnte, sondern an Kraftwerken.

Wo der Fußgänger Vorrang hat

Und seit vielen Jahren gibt der 80-Jährige nun Auffrischungskurse für Autofahrer über 50 an der Volkshochschule Bochum. Vier Nachmittage, wie an diesem Montag, Raum 53, und Kellerhoff steht vorn und fragt in die ältere Runde: „Wissen Sie mit allen Vorschriften Bescheid?“ „Wir hoffen es“, sagt einer. Aber ach.

Kellerhoff klettert nun nämlich fast zwei Stunden durch die Verästelungen des Verkehrsrechts an Stellen, die viele nie gesehen haben, noch nicht mal aus der Ferne – und dazu müssen sie nicht 72 Jahre alt sein. Dass man einem warnblinkenden Bus auch in Gegenrichtung nur im Schritttempo näherkommen darf. Dass man beim Verlassen eines Kreisverkehrs auf den Fußgänger warten muss, der die Straße überqueren will.

„Ich habe schon mindestens 100 Rollatoren eingestellt“

Dass das, was Sie und ich ,Grüner Pfeil’ nennen, in Wirklichkeit „Grünpfeil“ heißt – und der „Grüne Pfeil“ der Straßenverkehrsordnung ein Ampellicht ist. Gut zu wissen, doch grundsätzlich gilt: „Was sollte man im Straßenverkehr nie behalten wollen? Recht!“

Er malt Rettungsgassen an die Tafel, manövriert magnetische Spielzeugautos in gefährliche Situationen, fragt: „Können Sie alle das lesen?“ – und es ist keine Fangfrage. Ein paar hundert Sicherheitsveranstaltungen hat er auf dem Buckel, auch für Radfahrer, für Fußgänger, „und ich habe schon mindestens 100 Rollatoren eingestellt“.

Auf der Autobahn erwischte er sich mit Tempo 60

Kellerhoff arbeitet gern mit Älteren, denn sie sind „dankbar“, auch für seine Sprüche: „Einsteigen geht noch. Aber sobald Sie Ihr Auto anlassen, stehen Sie mit einem Bein im Gefängnis.“

Dabei legt er an sich dieselben Maßstäbe an, die er für die Verkehrssicherheit aller für richtig hält. Fährt mit dem Wohnwagen in den Schwarzwald, aber sonntags („Da sind die Lkw weg“) und nur, solange es hell ist. Vermeidet die Autobahn bei Nacht und bei Regen, seit er sich selbst auf der A 40, bei Nacht und Regen, auf dem Heimweg von der Tochter mit Tempo 60 erwischte.

Wie schnell darf man bei schlechter Sicht fahren?

Es überrascht jetzt nicht mehr zu erfahren, dass Norbert Kellerhoff sich einen Sicherheitsgurt ins Auto baute, als der noch gar nicht vorgeschrieben war. „Ich würde nicht weiter fahren, wenn ich mich nicht mehr fit fühlen würde. Diese Eigenverantwortung möchte ich bei den Teilnehmern wecken.“ Wobei: Wer in einen solchen Kurs kommt, beweist ja schon, das Thema im Kopf zu haben.

Und zum Abschluss ein kleiner Test. Wer noch nicht gehen muss oder will, der stellt sich noch mannhaft einem Bogen mit 25 Fragen aus der Führerscheinprüfung. Sowas wie: Welche Vorteile bietet ABS? Oder: Wie schnell darf man bei schlechter Sicht fahren?

Womit muss man rechnen bei älteren Menschen?

Und passenderweise: Womit muss man rechnen, wenn ältere Menschen die Fahrbahn überqueren? Die Vorgaben sind: a) Sie achten oft nicht auf den Straßenverkehr. b) Sie bleiben manchmal plötzlich auf der Straße stehen. c) Sie kehren manchmal auf halbem Weg um.

Die meisten haben alles angekreuzt. Richtig. Kellerhoff zitiert einen früheren Kursteilnehmer, einen alten Mann: „Ich danke dem lieben Gott für all die Menschen, die die Fehler ausgebügelt haben, die ich gemacht habe.“

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