Wuppertaler Zoo

Affe Bili verletzt: Wuppertaler Zoo hält an Integration fest

Im Internet wird der Umgang mit dem Bonobo-Männchen kritisiert. Die Verwaltung erreichen Hass-Mails und Morddrohungen.

Im Internet wird der Umgang mit dem Bonobo-Männchen kritisiert. Die Verwaltung erreichen Hass-Mails und Morddrohungen.

Foto: Claudia Philipp/Grüner Zoo

Essen.   Trotz der Angriffe seiner Artgenossen soll Bonobo Bili in Wuppertal bleiben. Im Internet erreicht den Zoo eine Wutwelle und extreme Hass-Mails.

Der Fall des Bonobo-Affen „Bili“ erhitzt die Gemüter: Tierfreunde fordern weiterhin die Verlegung des Affens, der von seinen Artgenossen attackiert wird. Doch der Wuppertaler Zoo hält daran fest, Bili in die Gruppe der Artgenossen integrieren zu wollen. Im Internet löst das eine Welle der Empörung aus.

Auf der Facebook-Seite des Zoos glauben nicht mehr viele an eine Integration des Bonobos. In der vergangenen Woche wurde über soziale Medien ein Video verbreitet, in dem Bili von seinen Artgenossen schwer verletzt wird.

Dieses Video hat die Emotion erneut „hochgekocht“, sagt Andreas Haeser-Kalthoff, Sprecher des Wuppertaler Zoos. Doch die Kritik hat „ein erschreckendes Ausmaß genommen.“

Im Internet bündelt sich die Empörungsflut der Tierfreunde

Gerade im Internet wird der Umgang mit dem Bonobo-Männchen kritisiert. In den Kommentaren auf der Zoo-Seite entbrannte eine Diskussion zwischen Fürsprechern und Gegnern. Im Tonfall bisweilen beleidigend - ja sogar bedrohend.

Man müsse die Verantwortlichen „aufhängen und erschießen“, richtet sich auf Facebook die Wut gegen die Verantwortlichen des Zoos. Mit „Gefällt mir“ drücken zahlreiche User ihre Zustimmung aus.

Verantwortliche erreichen Hass-Mails

Und es ist kein Einzelfall. Eine Wutwelle richtet sich gegen die Verantwortlichen. Es wird etwa zu einem Boykott des Zoos aufgerufen. Und die Diskussionen gehen nicht mehr nur um Bili, sondern vermischen sich in den sozialen Medien mit einer Grundsatzdiskussion über Tiere in Gefangenschaft.

„Kritik ist gut und wichtig und manchmal auch schwer auszuhalten“, sagt der Zoo-Sprecher und ergänzt: „ Es kommt aber zu einer Enthemmung in den sozialen Medien.“

Bonobos brauchen Kontakt zu Artgenossen

Dass Bonobo-Männchen von Gruppenmitgliedern angegriffen werden, sei durchaus üblich – nicht nur in Gefangenschaft sondern auch im Freiland. Deshalb kann der Zoo-Sprecher die Kritik vieler Tierfreunde nicht nachvollziehen.

Diese fordern, Bili in eine Tierauffangstation ohne Kontakt zu anderen Artgenossen zu überführen. „Einzelhaft ist das schlimmste, was einem Bonobo passieren könnte.“

Bochumerin startet Petition für Bili

Bereits über 280.000 Menschen haben eine Online-Petition „Rettet Bonobo Bili aus dem Wuppertaler Zoo“ unterschrieben. Die Petition gestartet hat die Bochumerin Petra Bente.

Über einen öffentlichen Beitrag bei Facebook hat sie im Januar als erste auf den Fall des Bonobos aufmerksam gemacht. „Dieser Beitrag wurde tausendfach geteilt und kommentiert“, sagt Bente. Zwei Tage später entschließt sie sich, eine Petition zu starten, um eine Verlegung des Bonobos zu erwirken.

Pfleger des Zoos sollen bespuckt worden sein

„Bili in einen anderen Zoo zu verfrachten macht keinen Sinn. Dort würde es ihm genauso gehen“, sagt Bente. Am vergangenen Sonntag war sie das letzte Mal am Gehege der Affen. „Bili ist ein Außenseiter. Er wird ein Leben lang nur Dreck fressen müssen“, sagt Petra Bente über das Tier, das von der Mutter verstoßen wurde.

Von Morddrohungen und Beleidigungen in den sozialen Medien distanziert sich die Bochumerin. Da gehe es nicht mehr alleine um die Sache. Pfleger des Zoos sollen sogar bespuckt worden sein. „Das finde ich überhaupt nicht gut.“

Bilis Leidensweg begann im November

Statt im Internet seinen Unmut zu äußern, versammelten sich am Wochenende zahlreiche Tierschützer an den Toren des Wuppertaler Zoo. Ihre Forderung: Die Verlegung des zehnjährigen Bili in eine Auffangstation für gequälte Affen.

Bili kam im November in den Wuppertaler Zoo und sollte für Nachwuchs sorgen. Die Integration in die bestehende Gruppe erweist sich aber als problematisch. Das Bonobo-Männchen wird von seinen Artgenossen attackiert. Bilder mit angebissenen Ohren und zahlreichen Bisswunden gingen um die Welt.

Eingewöhnung mit „Höhen und Tiefen“

Die Eingewöhnung des Bonobos Bili in die bestehende Gruppe verlaufe laut Aussage des Wuppertaler Zoos „weiterhin mit Höhen und Tiefen“. Bei dem Versuch der Integration „konnten in den vergangenen Wochen zahlreiche positive Sozialkontakte zwischen Bili und anderen Gruppenmitgliedern beobachtet werden“, heißt es in einem Statement. Daneben treten aber auch weiterhin „arttypische innerartliche Aggressionen auf“.

Trotz der erneuten Attacken hat sich an der Einschätzung des Grünen Zoos „nichts geändert“: Bili soll in die Gruppe integriert werden. Um die sozialen Verbindungen zwischen den Tieren zu verstärken, wurden Maßnahmen ergriffen – wie etwa die Abtrennung der Tiere in unterschiedlichen Konstellationen – die zu einem Abbau der Aggression führen sollen. Dies zeige erste positive Erfolge, sagt der Zoo-Sprecher. „Ich habe erst heute wieder gute Verhaltensweisen gesehen.“

Entwicklung werde laufend beobachtet

Da Bonobos in einem komplexen Sozialsystem leben, wäre eine „Unterbringung ohne Kontakt zu Artgenossen keine vernünftige Option für ein soziales Tier wie Bili“, heißt es in dem Facebook-Post des Zoos.

Deshalb werde an dem Plan festgehalten, Bili in die bestehende Gruppe zu integrieren, „auch wenn dieser Weg vermutlich noch länger dauern und mit Rückschlägen verbunden sein wird.“ Die Entwicklung werde aber laufend von Fachleuten beobachtet und beurteilt, sowie tierärztlich begleitet. „Für uns ganz oben steht, dass es Bili wieder besser geht“, sagt Zoo-Sprecher Andreas Haeser-Kalthoff.

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