Prozess

Bottroper Apothekerskandal: Neue Anklagen gegen Mitarbeiter

Apotheker Peter Stadtmann im Jahr 2014 vor seiner Apotheke in Bottrop. Sie feierte damals 150. Geburtstag. Heute hat sie einen anderen Inhaber.

Apotheker Peter Stadtmann im Jahr 2014 vor seiner Apotheke in Bottrop. Sie feierte damals 150. Geburtstag. Heute hat sie einen anderen Inhaber.

Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool

Essen.  Gegen zwei Mitarbeiterinnen der Bottroper Apotheke von Peter Stadtmann ist Anklage erhoben worden. Sie sollen Chemotherapien unterdosiert haben.

Im Skandal um gepanschte Krebsmedikamente einer Bottroper Apotheke hat die Essener Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen zwei Mitarbeiterinnen erhoben. Sie wirft den Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) vor, bei individuell hergestellten Chemotherapien auf teure Wirkstoffe verzichtet zu haben. Ihr früherer Chef, der Apotheker Peter Stadtmann, ist vom Landgericht Essen im Juli 2018 wegen Medikamentenpanscherei im großen Stil bereits zu zwölf Jahren Gefängnis und Berufsverbot verurteilt worden.

Rechtskräftig ist das Urteil nicht, denn der Bundesgerichtshof hat über die von Verteidigung und Nebenklage eingelegten Revisionen noch nicht entschieden. Erst 14 Monate nach der Verurteilung Stadtmanns waren die umfangreichen Akten Anfang September 2019 in Karlsruhe angekommen.

Haftbeschwerde für Apotheker Stadtmann eingelegt

Mittlerweile sitzt der 49-Jährige seit fast drei Jahren in Untersuchungshaft, gilt rechtlich immer noch als unschuldig. Sein Verteidiger Peter Strüwe hat deshalb Haftbeschwerde eingelegt und begründet sie mit einer „rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung“. Es könne nicht sein, dass jemand so lange in U-Haft sitzen müsse ohne eine abschließende Bewertung durch die Justiz.

Dominik Schulte, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Hamm, erklärt den Zeitablauf durch das komplexe Verfahren. Auf rund 1600 Seiten hat das Essener Landgericht begründet, warum es den Apotheker für schuldig hält. Laut Urteil hatte er innerhalb von fünf Jahren 14.500 Arzneien für Krebspatienten unterdosiert. Aus Habgier, stellte das Gericht fest, weil Peter Stadtmann die teuren Wirkstoffe zwar den Patienten vorenthalten habe, sie aber den Krankenkassen in Rechnung stellte. Damit habe er sein Luxusleben finanziert, hieß es im Urteil.

Auch Mitarbeiter sollen Chemotherapien unterdosiert haben

Dies alles müsse genau geprüft werden, sagt Dominik Schulte, und das dauere eben seine Zeit. Nach Informationen der WAZ war allerdings ein weiteres Problem, dass Hamm die Akten aus formalen Gründen noch einmal an die Essener Staatsanwaltschaft zurückgeschickt hatte.

Dass jetzt zwei Mitarbeiterinnen von Stadtmann angeklagt wurden, ist das Ergebnis der Razzia in der Bottroper Apotheke im November 2016. Dabei stellten die Fahnder 117 Rezepturen sicher. Auf einigen waren diese beiden Angestellten als Hersteller vermerkt. Über die Zulassung der Anklage hat das Landgericht noch nicht entschieden. Gregor Leber, Verteidiger einer der beiden PTA, verweigerte gegenüber der WAZ einen Kommentar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben