Straßenverkehr

Baustellen werden breiter: Mehr Straßensperrungen in NRW

Die klassische halbseitige Sperrung – wie hier auf der Friedrich-Ebert-Brücke in Wesel – wird es künftig weniger geben. Und dafür mehr komplette Sperrungen.

Die klassische halbseitige Sperrung – wie hier auf der Friedrich-Ebert-Brücke in Wesel – wird es künftig weniger geben. Und dafür mehr komplette Sperrungen.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.  Eine neue Richtlinie soll Straßenbauarbeiter besser schützen. Sie bekommen mehr Abstand zum Verkehr. Das wird zu mehr Straßensperrungen führen.

Im Straßenverkehr in NRW wird es künftig mehr Vollsperrungen geben. Betroffen sind vor allem Bundes- und Landstraßen, wo bisher mit halbseitigen Sperrungen gearbeitet wurde: Sie reichen in vielen Fällen nicht mehr aus. Der Grund ist eine neue Arbeitsstättenrichtlinie (ASR A5.2), die Straßenbauarbeitern größere Sicherheitsabstände zum fließenden Verkehr vorschreibt, um sie besser zu schützen.

Unter Umständen könne es auch zu Autobahnsperrungen kommen, sagt André Paul, Sicherheitsexperte beim Landesbetrieb „Straßen NRW“. Grundsätzlich aber gelte: „Je schmaler die Straße, desto schwerer der Eingriff.“ Auch wegen immer breiterer Fahrzeuge ließen sich „schon jetzt die notwendigen Fahrstreifenbreiten kaum verwirklichen“.

Umleitungen werden sehr lang, Schleichverkehre und Straßenschäden entstehen

Das Land Sachsen hat schon länger Erfahrung mit der A5.2. „Die Anzahl der Baumaßnahmen, die wie früher unter halbseitiger Sperrung absolviert werden konnten, ist drastisch gesunken“, so Isabel Pfeiffer, die Sprecherin des „Landesamtes für Straßenbau und Verkehr“. Umleitungen würden dadurch oft sehr lang, Schleichverkehre und Straßenschäden seien entstanden, Schulbusse führen weite Umwege.

„Die Konflikte sind immer lösbar, aber die Härte nimmt zu“, so Pfeiffer. So spricht Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von „erheblicher Gefahr für Leib und Leben“. Wegen einer entsprechenden Sperrung in seiner Stadt seien „Rettungsfristen nicht mehr einzuhalten“ gewesen. Das ist die Zeit, die etwa Notärzten vorgeschrieben ist, um einen Unfallort zu erreichen.

Vorteil: Sicherheit der Bauarbeiter steigt, Arbeiten gehen schneller

Andere Fachleute sehen auch Vorteile. Da ist die Sicherheit der Bauarbeiter. Baustellen unter Vollsperrung dauern auch ein Drittel kürzer, ist die sächsische Erfahrung. Und: Die Qualität etwa einer neuen Fahrbahndecke sei höher, da sie nun aus einem Guss entstehen könne.

Bei der Anwendung der Richtlinie gibt es etwas Spiel. So müsse eine Vollsperrung abgewogen werden mit den Risiken, die auf den Umleitungsstrecken entstünden, sagt der Sicherheitsexperte André Paul. Etwa der Gefahr von Stau-Endunfällen oder „Problemen im nachgeordneten Netz“.

Seit 1993 starben 19 Bauarbeiter im Verkehr, 511 wurden verletzt

Einige Sperrungen werde man auch vermeiden können durch ein niedrigeres Tempolimit. Denn wenn der Verkehr langsamer fließt, sinken die neuen Sicherheitsabstände auch wieder.

Seit 1993 starben allein bei „Straßen NRW“ 19 Straßenbauarbeiter bei der Arbeit durch Verkehrsunfälle, 551 wurden verletzt. Die Kollegen erinnern an die Toten jährlich auf einer Gedenkfeier im Münsterland. Dort rief Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) zuletzt dazu auf, mehr Rücksicht zu nehmen auf die 1900 Straßenbauarbeiter in NRW. Sie erledigten „täglich einen gefährlichen Job“.

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