Dortmund.

Die Zukunft der Arbeit als Ausstellung in Dortmunder Dasa

Doreen Franz schaut sich einen Schutzhelm mit Videoassistenz-System an.

Doreen Franz schaut sich einen Schutzhelm mit Videoassistenz-System an.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Die Menschen sahen den Fortschritt schon immer skeptisch, zeigt „Neue Arbeitswelten“ in der Dortmunder Dasa. Es kommt immer anders als erwartet.

Peter Hollwick ist H8, der Lichtpunkt da, an der roten Wand. Mit den Kollegen J59, Z75 und anderen kreist er zwischen den Polen „optimistisch“, „flexibel“ und „technikaffin“ und ist der größte Optimist von allen.

Das hat sich so ergeben, nachdem der Projektleiter einem Computer ein paar Fragen beantwortet hat, Fragen wie: „Würden Sie gern von einem Roboter gepflegt?“ Jetzt ist es heraus: Es geht hier um die Zukunft.

Die alte Zukunftsabteilung war schnell überholt

Vom morgigen Samstag an können Besucher der „Deutschen Arbeitswelt-Ausstellung (Dasa)“ in Dortmund die komplett erneuerte Abteilung „Neue Arbeitswelten“ sehen. Zu ihr gehört die Wand mit den Lichtpunkten, und jeder kann selbst ein solcher werden: Viele Punkte sollen dann zeigen, wie die Mehrheit der Zukunft entgegensieht.

Die alte Zukunftsabteilung war jedenfalls schnell überholt, erinnert sich Kurator Peter Busse: Futuristische Computer standen da, über die Besucher nach einem Jahr zu klagen begannen. Sie seien aber langsam.

200 Visionen aus 200 Jahren

Die neuen „Neuen Arbeitswelten“ haben daraus gelernt, so ist das mit Zukunft: Sie lassen mehr offen, und sie wollen klarmachen, dass Zukunft nie so kommt wie erwartet. Zum Beweis hängen 200 Visionen aus 200 Jahren an den Wänden, und man muss sagen: Träume vom Fliegen hatten immer Konjunktur.

Ein Karikaturist von 1900 sieht absurderweise Frauen kommen, die turnen und kegeln (und Männer, die putzen!). Und am Eingang hängt der Klassiker der Zukunftsangst: „Fortschritt macht arbeitslos“ ist ein Titel der Zeitschrift „Spiegel“ – von 1976.

Datenbrillen, 3-D-Drucker, E-Räder

Allerlei Gerät gibt es zu sehen, dass sich gerade breitmacht in der Arbeitswelt: Datenbrillen, 3-D-Drucker oder E-Räder für schwerste Lasten, mit der demnächst die Pflegerin oder der Putzmann kommt. Aber auch eine Flugrolldrohne. Sie kann beides, wie der Name schon sagt: Durch belebte Lagerhallen rollt sie ihre Lasten wegen der Unfallgefahr, und wenn der Ablageplatz in der Höhe liegt, dann hebt sie halt ab.

Ihr menschlicher Kollege braucht da vielleicht schon dieses Exoskelett: eine außen getragene Verstärkung der Knochen und Kräfte, die Arbeitern hilft, auch in höherem Alter noch mit großen Gewichten zu hantieren. Am anderen Ende des körperlichen Aufwands stehen dann die kommenden, menschlichen „Klick-Arbeiter“: Sie erledigen winzige Arbeitsschritte am Computer, ihr Entgelt ist aber leider ebenso winzig.

Mehr Flexibilität – mit Schattenseiten

Das ist alles schon hier und da wirklich, greift nicht allzu weit vor, und vor allem: Es wertet nicht. So berichten auch auf lebensgroßen Bildschirmen vier Menschen aus der Zukunft positiv und negativ: Ein Instandhalter etwa, der sich über mehr Flexibilität freut – aber sie ist auch mal gefragt, wenn er eigentlich den Geburtstag des Sohnes feiern wollte.

„Wir sagen nicht, es wird alles furchtbar oder es wird alles gut“, sagt Holtwick. Vermutlich wird es wieder die übliche Mischung. Jedenfalls: Wenn die „Neuen Arbeitswelten“ öffnen, macht die Abteilung „Gesundheits- und Pflegeberufe“ vorübergehend zu. Sie ist einfach überholt.

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