Pferde

Equitana läuft in Essen an: Was die Besucher erwartet

Mehrere Reitplätze für Vorführungen sind in den Messehallen eingerichtet.

Mehrere Reitplätze für Vorführungen sind in den Messehallen eingerichtet.

Foto: André Hirtz

Essen.   Die Equitana ist eröffnet, die Weltmesse des Pferdesports. Besucher bekommen dort alles rund ums Pferd, aber mancher Stand überrascht auch sehr.

Vergessen Sie bitte nicht, das Pferd zu gießen. Ein- bis zweimal die Woche. Wenigstens, falls Sie eines von Federico Breschi haben. Denn die Familie aus der Toskana hat sich seit drei Generationen darauf spezialisiert, aus rostfreiem Draht und grünem Liguster Tiere zu formen und zu schneiden. Einhörner kriegt der 47-Jährige hin, Hasen auch und jetzt, für Essen, naheliegenderweise Pferde. Denn er steht auf der Equitana, der Pferdesportmesse.

Springende oder berittene Pferde, Pferdeköpfe in allen Größen, ganze, große Pferde, wovon ein Kunde gerade eines mitnehmen will: „Ich habe mir ein Haus in Düsseldorf gekauft, und so ein Pferd davor macht ja was her.“ Nun, sie werden sich gerade nicht handelseinig: Breschis Pferde sind nicht billig, auch nicht für jemanden mit einem neuen Haus in Düsseldorf.

Von der IG Fjordpferde bis zur Tragtierkompanie

Die Weltmesse des Pferdesports in den Essener Messehallen geht noch bis einschließlich Sonntag. Es gibt alles, was man erwartet, und manches Unerwartete. Das Angebot erschlägt: Die IG Fjordpferde ist ebenso vertreten wie die Tragtierkompanie der Bundeswehr, man kann Reiten im Damensattel lernen – aber nicht bei der Bundeswehr – oder die Tagung „Pferdekrankheiten“ besuchen.

Westernreiter sind da, ganz viele Westernreiter, aber auch Barockreiter, Pferdepsychologen, -flüsterer, -maler, -fotografen; man kann kaufen, kaufen, kaufen, und wie eigentlich immer, wird es sehr schnell sehr voll. Wie soll man da nur einen kühlen Kopf behalten, so als Pferd?

„Die drei genießen ihre Mini-Herde“

Also, Max, Scarlett und Spirit stehen in Halle 5 ganz eng beisammen und wirken tiefenentspannt. Obwohl sie sonst eher getragene Wanderritte im Münsterland machen und hier nur ein Gatter sie trennt vom Trubel. „Es gibt Pferde, die den Rummel und die Wärme gut ab können“, sagt Elke Waning, ihre Besitzerin: „Pferde, die aus Familien mit vielen Kindern kommen oder die oft Kontakt mit Menschen haben.“

Außerdem sind die drei doch Irische Zigeunerpferde: Nerven wie Drahtseile, munkelt man. Die drei, sagt Waning, „genießen ihre Mini-Herde. Wenn sie sich nicht sehen, dann werden sie nervös.“ Naja, als Pferd wird man hier schon nicht verloren gehen.

200.000 Besucher treffen auf 750 Pferde

Die 25. Equitana ist auch wieder eine Zahlenschlacht, erwartete 200.000 Besucher treffen auf 750 Pferde aus 40 Rassen. 850 Stunden Programm ... 2000 Veranstaltungen ... 750 Aussteller ... 80 Trainer ... und ein Innovationspreis auf dem traditionell in Aufregung befindlichen Pferdemarkt.

Unter den Kandidaten finden sich unter anderem ein Vernebelungssystem gegen Feinstaub im Stall, Kühlungsgamaschen und „Reitkleidung mit Geruchsmanagement.“ Das ist doch zum Wiehern? Ach, das macht hier ständig jemand.

„Hilfe, mein Kind will reiten lernen“

Und dann gibt es so lebensnahe Beratungen wie am „Standpunkt Pferd.“ Das Thema: „Lernen fürs Leben. Hilfe, mein Kind will reiten lernen.“ Wieso lernt man auf dem Pferdehof fürs Leben? „Weil man viel mehr lernt als reiten“, sagt Petra Herrmann: „Empathie, Rücksichtnahme, Durchsetzungsvermögen.“ Das sei „viel wichtiger, als schön im Trab oder Galopp reiten zu können.“ Ist das eigentlich noch immer Mädchensache, das Reiten? „Bei den Kleinen sind noch viele Jungs dabei, aber das wächst sich aus. Das ist dann uncool“, sagt Petra Herrmann. Es gilt: Je älter, desto Mädchen.

Eines läuft vorbei und trägt auf dem Pullover den gerade gut passenden Schriftzug „Zum Reiten geboren, zur Schule gezwungen.“ Und wenn man sich umguckt, ganz ehrlich: Die Equitana ist weiblich.

Einmal im Jahr zum Pferdedentisten

Ein Modell namens Mathilde ist auch noch da. Ein Pferdekopf aus Pappmaché, aber so groß wie der Kopf von Tyrannosaurus – und auf den Zähnen liegt eine übergroße Zahnbürste. Man hätte natürlich selbst darauf kommen müssen: Es ist der Stand der „Internationalen Gesellschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne“, die sich für bessere Zahnpflege bei Pferden einsetzt.

Die Solinger Tierärztin Claudia Miller kann gut beschreiben, was mit Pferdezähnen wird, die unregelmäßig abgenutzt werden. Sagen wir so: Schön ist das nicht. Und einem Pferd die Zähne zu putzen, geht praktisch nicht. Claudia Miller: „Die Möglichkeiten sind begrenzt.“ Im Klartext: Das Pferd wehrt sich. Was hilft also? Einmal im Jahr zum Pferdedentisten. Da haben wir’s ja noch gut.

Eintrittspreise, Öffnungszeiten

Die Equitana findet alle zwei Jahre statt. Sie geht noch bis einschließlich nächsten Sonntag und ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise wochentags von 22 Euro an und an der Tageskasse mit Aufschlag. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.


Nach den Zahlen des Veranstalters „Reed Exhibition“ reiten 90 Prozent der Besucher selbst und 75 Prozent haben ein Pferd.

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