Glücksspiel

Forscher gründen „Institut für Glücksspiel“ in Bochum

Spielhallen und Betriebe mit Spielautomaten mit einem Jahresmindestumsatz von 17.500 Euro erwirtschafteten im Jahr 2017 über 5,8 Milliarden Euro. Vor 15 Jahren waren es erst 2,35 Milliarden.

Spielhallen und Betriebe mit Spielautomaten mit einem Jahresmindestumsatz von 17.500 Euro erwirtschafteten im Jahr 2017 über 5,8 Milliarden Euro. Vor 15 Jahren waren es erst 2,35 Milliarden.

Foto: Tim Schulz

Bochum.   An der Ruhr-Universität gibt es jetzt ein Institut für Glücksspiel. Es soll erforschen, wie die Rechtslage um die Branche verbessert werden kann.

Als Professor Stefan Huster seine Rede mit „Glügauf“ beendet, bedeutet das keineswegs, dass man sich des Bergbaus schon so kurz nach seinem Ende nur noch verschwommen erinnert. Huster, der Dekan der Bochumer Universitäts-Juristen, macht vielmehr in diesem Moment sozusagen ein regionales Wortspiel zum Gründungsempfang des „Instituts für Glücksspiel und Gesellschaft (Glüg).“

Das gibt es nun an der Ruhr-Universität Bochum, und es soll – jetzt nicht mehr ganz unerwartet – „das Thema Glücksspiel erforschen: sozialwissenschaftlich, volkswirtschaftlich, juristisch. Warum machen Leute Glücksspiel?“, sagt Professor Julian Krüper (44), der Geschäftsführer von Glüg. Mit dabei sind die Wirtschaftswissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und die Sozialwissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal: „Erreichbare und vorbefasste Kollegen“, wie es heißt.

„Das Ordnungsamt hat keine Zeit dafür“

In Bochum wird der Schwerpunkt bei den Rechtswissenschaftlern liegen. Es gebe viele unterschiedliche Interessen im Bereich Glücksspiel: bei den Betrieben, bei problemlosen und bei süchtigen Spielern, beim Staat als Anbieter (Lotto), Regulator und Beschützer: „Wie schaffe ich den Ausgleich per Gesetz?“

So gebe es eine große Diskrepanz zwischen einem stark regulierten legalen Markt und einem wenig überwachten illegalen Markt mit Milliardenumsätzen – im Internet, aber auch in Hinterhofkaschemmen. „Der Staat hat gar nicht die Ressourcen, da richtig einzugreifen. Das Ordnungsamt hat keine Zeit dafür“, sagt Krüper.

In Deutschland gibt es etwa 200.000 Suchtspieler

Das Institut wird in den ersten fünf Jahren von Westlotto und dem „Verband der Deutschen Automatenindustrie“ mitfinanziert. Das habe „nicht immer uneingeschränkte Euphorie hervorgerufen“, sagt Krüper. Man sei aber „kein Glücksspielbüro“, sondern arbeite unabhängig und wissenschaftlich. „Wir stehen unter enger Beobachtung aller Beteiligten.“

Die Zahl der Suchtspieler in Deutschland wird auf etwa 200.000 geschätzt. NRW nimmt Steuern ein aus allen Arten des legalen Glücksspiels und allein 650 Millionen Euro im Jahr aus den Spieleinsätzen der Lottospieler. Es fließt in die Staatskasse und ist nur teilweise zweckgebunden an Sport, Kultur, Umwelt und Denkmalschutz. Bei der Gelegenheit: Glückauf!

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